18.04.2013

Kommentar

Klassische Segnungen

Von Hubertus Büker

Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren – dafür gibt es heute in aller Regel nur noch Lösungen auf Zeit. Ein Modell von der Heirat bis zur Rente durchziehen zu wollen, ist wirklichkeitsfremd. Trotzdem, nein, gerade deswegen sind altbewährte Elemente der Familienförderung ausgesprochen wertvoll und werden es für die absehbare Zukunft auch bleiben.

Es gab Zeiten, da lernte man einen Beruf und übte ihn lebenslang aus, oft in ein und demselben Betrieb. Man baute ein Haus und verließ es erst wieder mit den Füßen voraus. Nach der Hochzeit blieb die Frau daheim, kümmerte sich um Haushalt und Kinder und irgendwann wurde mit den Enkeln goldene Hochzeit gefeiert.

Derartige Lebensentwürfe sind nicht nur deshalb „von gestern“, weil sich die Einstellungen geändert haben. Nein, auch die Lebensumstände sind andere: Phasen der Arbeitslosigkeit sind ebenso üblich wie Firmen- und gar Berufswechsel. Es ist normal und notwendig, mehrmals im Leben umzuziehen. Dass Ehen geschieden werden, ist nicht mehr der seltene Ausnahmefall.

Es ließen sich weitere Faktoren aufzählen, die mit dazu beitragen: Die praktische Lösung, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, ist immer nur vorübergehend. Nach ein paar Jahren wird eine neue Variante umgesetzt. Und das ist ziemlich sicher noch lange nicht die letzte.

Für viele Eltern kommt des-halb eine trationelle Rollenverteilung durchaus infrage – nicht auf Dauer, aber für eine überschaubare Zeit. Auch viele Väter sind ja durchaus bereit, für ein oder zwei Jahre zu Hause zu bleiben. Fest steht: Die meisten Eltern wollen ihre Kinder erklärtermaßen nicht möglichst bald nach der Geburt abgeben. Sie wollen ihre Kinder mindestens in den ersten zwei, drei Jahren selbst betreuen.

Und deshalb schätzen Eltern die klassischen Segnungen der Familienpolitik. Zum Beispiel das Kindergeld. Und das Ehegattensplitting. Und die kostenlose Mitversicherung in der Krankenversicherung. Sie schätzen das alles, weil sie damit in der Lage sind, flexible, praktische, individuelle Lösungen für ihre jeweilige Situation zu finden.

Bevor also Politiker aus Gründen der „Modernisierung“ die eine oder andere Reform ins Auge fassen, sollten sie sehr genau hinschauen. Und gern noch einmal bei Eltern nachfragen, was die sich denn tatsächlich wünschen. Einfach alles Überkommene auf den Müllhaufen der Familienpolitik zu werfen, wäre kurzsichtig und kontraproduktiv.