31.07.2017

Sommerserie 2017 – Folge 5

Willkommen zum Jäten

Ein Klostergarten in Fulda schafft Verbindungen zwischen Menschen. Jeder kann sich einbringen. Alter, Herkunft, Sprache, Kultur und soziale Position treten in den Hintergrund. Wer mag, tankt auf dem Frauenberg auch spirituelle Kraft. Folge 5 der Sommerserie „Gemeinsam gärtnern“. Von Evelyn Schwab.

Klostergarten Fulda
Besonderer Ort der Begegnung: die Franziskanerbrüder Gerhard Busche und Thomas Kreher (von links) im Klostergarten Frauenberg. | Foto: Evelyn Schwab

„Das Unkraut wächst uns über die Ohren“, stöhnt Michael Becker. Er ist verantwortlich für das Projekt „antonius Frauenberg“. Diese Kooperation zwischen den Franziskanern, seit fast vier Jahrhunderten in Fulda beheimatet, und „antonius – Netzwerk Mensch“ mit vielen Angeboten zum Thema Inklusion entwickelt derzeit auch neue Ideen für den Klostergarten. Es ist ein Prozess, bei dem jeder willkommen ist: gerne auch zum Unkrautjäten.

Der Klostergarten gehört zu Fuldas Naherholungsgebiet

„Die Franziskaner wären nicht geblieben, wenn es das öffentliche Interesse nicht gegeben hätte“, erklärt Bruder Gerhard Busche. Schon vor einigen Jahren sei der Klostergarten für alle geöffnet worden. Er gehöre zum Naherholungsbebiet der Stadt. Die grüne Oase soll nach dem Wunsch von „antonius Frauenberg“ für Besucher ein Ort der Stille bleiben. Die Einstellung des heiligen Franziskus zur Natur möchte Bruder Gerhard erfahrbar werden lassen. Von Franziskus gebe es übrigens eine Anleitung, im Garten „eine Ecke mit Unkraut stehen zu lassen und nicht ganz so perfekt zu sein.“

Im Juni nutzten 35 Schüler aus der Stufe eins der Arbeitsschule Startbahn von „antonius“ den Klostergarten für ein Training im Berufsfeld Gärtnerei und Landwirtschaft. Sie mähten den Rasen, lösten mit dem Vertikuliergerät das Moos zwischen den Grashalmen heraus und lockerten mit der Fräse die zugewachsenen Beete. Johannes, Max und Jonas hatten besondere Freude am Schubkarrenfahren. In die frisch vorbereiteten Beete kamen Kräuter wie Petersilie, Schnittlauch und Borretsch. Vorher wurde noch viel Unkraut gezupft und Laub gerecht. Am Ende gab es Kuchen und selbst gemachte Limonade. Zum Dank erhielten alle Schüler einen Gutschein für einen Cafébesuch.

Zelten mit Bruder Pascal Foto: privat
Beim Klosterzelten: Schüler treffen sich zu
praktischen Projekten. | Foto: privat

Sinkende Mitgliederzahlen bei der Franziskanergemeinschaft und ein hoher Altersdurchschnitt der Brüder zwang den Franziskanerorden zur Neuordnung. Das Kloster Frauenberg geht den Weg in die Zukunft gemeinsam mit dem ehemaligen Antoniusheim, das 2015 in „antonius – Netzwerk Mensch“ umbenannt wurde. Dessen Gründerin Maria Rang bat bereits 1904 die Franziskaner vom Frauenberg, die Bewohner spirituell zu begleiten. Einer sei des anderen Bruder, so lautete das Motiv. Schon damals unabhängig von Herkunft, Handicaps oder Begabung.

In einem Gebäude des Klosters befindet sich inzwischen eine Wohngruppe. Dort leben Menschen mit Behinderungen und junge Geflüchtete, derzeit auch ein Landwirtschafts-Praktikant aus Russland. Gegenüber befindet sich der Konvent mit neun Franziskanerbrüdern. Der Klostergarten ist ein grüner Begegnungsort der Hausgemeinschaft. Die jungen Leute verbringen dort ihre Freizeit, abends wird gegrillt.

Sinnvolle Beschäftigung und notwendige Arbeit

Die Geflüchteten arbeiten im Garten mit. Helfer sind notwendig. Einen Klostergärtner gibt es nicht mehr. Und auch andere Schwerpunkte sind möglich: Bruder Thomas Kreher entdeckte die Heilkräuter in den Beeten als Thema: „Mein persönliches Interesse gilt der Heilmedizin der Hildegard von Bingen.“

Gemeinsam mit Bruder Pascal Sommerstorfer bot er bereits eine öffentliche Gartenführung an – mit Bezug auf die Mystikerin und ihre Sicht auf Mensch, Natur, Kosmos und Heilsgeschichte. Für Jugendliche und jung Gebliebene organisierte Sommerstorfer das Klosterzelten „Work and Spirit“. Mit Klosterführung im Dunkeln und Lagerfeuer-Atmosphäre.Fuldaer Gymnasiasten begegneten im Klostergarten Startbahnschülern, alle brachten sich in praktische und handwerkliche Projekte ein. Gemeinsam laden „antonius“ und die Franziskaner auch die Bürger der Stadt ein, im Gartenfeld tätig zu werden. Becker: „Jeder ist willkommen. Das wird hier sehr eindrücklich gelebt.“

Besuchen Sie auch die Bildergalerie, in der mehr Fotos über die Arbeit der Startbahn-Schüler zu sehen sind.

 

Noch ein Geheimtipp

Spirituelles und Kulturelles: An Kinder, Jugendliche und Erwachsene richtet sich ein wachsendes Angebot auf dem Areal von „antonius Frauenberg“. Von Evelyn Schwab.

Die schönste Aussicht auf Fulda bietet sich direkt vor der Klosterkirche. Offene Türen sollen auf dem ein Hektar großen Areal verschiedenste Lebenswelten zusammenführen. Ob Gast im Tagungshaus oder Besucher einer Veranstaltung, an der Pforte werden alle herzlich begrüßt. Ab dem 3. September öffnet ein neues Café mit Domblick-Terrasse als kulinarischer Ort der Begegnung, ebenfalls ein Erprobungsfeld und Arbeitsort für Menschen mit Behinderung. In den Bereichen Gastronomie, Wäscherei und Änderungsschneiderei entstehen künftig zwanzig inklusive Ausbildungs- und Arbeitsplätze. Verkauft wird dann auch ein Frauenberg-Bier.
Für Grundschulkinder und im Herzen jung Gebliebene bietet Puppenspieler und Zauberer Andreas Wahler sein Programm an. Sogar Gruppen können sich anmelden. Regelmäßig gibt es Angebote zu offenen Klosterführungen, Lesungen, Gottesdiensten, Gebetszeiten, Andachten und Begegnungen. Die Gästezimmer auf dem Frauenberg sind übrigens auch ohne Programm buchbar.

Telefon 0661/1 09 51 16
Internet: www.frauenberg-fulda.de