17.09.2014

Ein Künstler aus dem Kosovo zeigt seine Bilder in der Friedberger Heilig-Geist-Kirche

Köpfe sind sein Thema

Seit knapp zehn Jahren wohnt Dalip Kryeziu in Gambach. Im Kosovo, wo er geboren wurde, ist der Maler ein Star. Auch in seiner Wahlheimat ist er aktiv. Mit seinen Bildern bereichert er das Kulturprojekt einer Kirchengemeinde. Von Jutta Martini.

Künstler bei der Arbeit an seinem Bild. Foto: Jutta Martini
Versunken in seine Arbeit: Dalip Kryeziu in seinem Atelier. Sein Lieblingsthema sind Köpfe, etwa in knalligem Rot
und Blau. Der Jugoslawienkrieg habe seinen künstlerischen Ausdruck geprägt, sagt Kryeziu.Fotos: Jutta Martini

Schon beim Betreten der Halle am Ortsausgang von Gambach ist klar: Hier ist das Atelier eines Künstlers. Zahllose großformatige Leinwände stehen überall in der Lagerhalle, Farbeimer und Pinsel sind in dem kreativen Chaos auszumachen, es riecht nach Farbe und Terpentin. Dalip Kryeziu steht hinter einem Tisch und verteilt mit großen Schwüngen dicke Ölfarbe auf einem Papier. Nach kurzer Zeit und einigen Farbwechseln entsteht ein Kopf, Vorlage für eine Monotypie (spezielles Verfahren in der Bildenden Kunst, Anm. d. Red.).

Mit zehn Jahren zu zeichnen begonnen

Seit 2005 lebt der Künstler in Deutschland, zog 2010 in den größten Münzenberger Stadtteil, wo er zusammen mit Ehefrau Enza und den beiden Söhnen wohnt. Geboren wurde Kryeziu 1964 in Bubavec im Kosovo. Von Jugend an interessierte er sich für Kunst, begann schon im Alter von zehn Jahren zu zeichnen. Später studierte er an der Akademie der Wissenschaften und Künste in Pristina. „Ich habe aber früh gemerkt, dass es für mich besser ist, im Alleingang zu arbeiten, als weiter zu studieren“, erinnert sich der Künstler. „Ich habe meinen eigenen Weg in der Kunst gefunden.“ Zahlreiche Reisen führten ihn durch Europa. Mit 20 Jahren kam Kryeziu nach Österreich und blieb dort.

„Das Gesicht ist ein Spiegel der menschlichen Existenz“

Das Thema Kryezius sind Köpfe; überdimensionale Köpfe in knalligem Rot und Blau, in sanftem Rosa, in düsterem Blau-Braun-Schwarz oder Grau; Köpfe, die den Betrachter anschauen oder ihm das Profil zuwenden; Köpfe wie hingekritzelt und solche, mit großem Strich gemalt. „Mit Köpfen male ich Blumen, Leidenschaft, Stille, Sehnsucht, Winter und Liebe“, sagt er und zeigt auf ein in sanften Pastellfarben gemaltes Bild, das den Besucher von der Wand des Esszimmers her anblickt. Das ist Enza, die italienische Ehefrau; das Bild Ausdruck der Liebe. „Der Kopf, das Gesicht ist ein Spiegel der menschlichen Existenz“, sagt der Künstler. Neben Gemälden, häufig auch Collagen von Notizen und Tagebucheintragungen, arbeitet der Künstler an Skulpturen.

Kryeziu ist ein künstlerisches Multitalent. Zu seinen Fertigkeiten gehört auch die Musik. Die vielen Gitarren des Sammlers und das Schlagzeug inmitten des heimischen Ateliers sind nicht nur Dekoration. Kryeziu tritt auch als Musiker, oft zusammen mit dem Serben Ljuba Jakupovic, auf.
Diese Konstellation ist keineswegs selbstverständlich, bekämpften sich doch beide Volksgruppen vor wenigen Jahren noch in der Heimat der beiden.

Auch Kryeziu und seinen künstlerischen Ausdruck hat der Jugoslawienkrieg geprägt, obwohl er selbst in den 1990er Jahren nicht mehr in seiner Heimat lebte. „Vor 2000, das war eine sehr schwere Zeit. Es war ungewiss, ob die Familie überleben würde“, erinnert er sich. Nur mit viel Mühe konnte er seine gesamte Familie aus den Kriegswirren in Sicherheit holen. Im Jahr 2000 wurde zudem der erste Sohn geboren. „Anschließend sind meine Bilder komplett anders“, sagt der Künstler.

Busfahrer: „Größter Star aller Zeiten“

In seiner Heimat ist Kryeziu ein Star. Das albanische Fernsehen drehte einen Dokumentarfilm, der wegen der großen Nachfrage mehrfach ausgestrahlt wurde. „Ich werde auch hier auf der Straße von Landsleuten angesprochen“, sagt der Wahl-Gambacher und erzählt die Anekdote, wie im schwedischen Malmö ein Busfahrer, den er nach dem Weg fragte, seinen erstaunten Fahrgästen mitteilte: „Das ist der größte Künstler aller Zeiten.“ Klar, dass der Busfahrer Albaner war. Zurzeit sind die Werke Kryezius, der nur mit seinem Vornamen Dalip signiert, in Gießen, Luxemburg, Antwerpen und Villach zu sehen. Bald auch in Friedberg.

Die Gemäldeausstellung wird am 26. September in der Heilig-Geist-Kirche in Friedberg eröffnet. Zu sehen ist sie dienstags, mittwochs und donnerstags von 16 bis 19 Uhr und nach Absprache bis zum 26. Oktober.
 

Termine: Ein Monat KuR

Während der Kulturtage in der Heilig-Geist-Kirche vom 26. September bis 26. Oktober sind jeden Donnerstag um 18.30 Uhr Kuratorenführungen durch die Ausstellung.
Um 19.15 Uhr beginnt jeweils das Programm. Am 2. Oktober spielt Xianji Liu Meisterwerke des 18. und
19. Jahrhunderts für klasssische Gitarre. Am 9. Oktober gestaltet Dalip Kryeziu zusammen mit Ljuba Jakupovic einen musikalischen Abend. Magdalena Stoyanova und Sven Krautwurst von der Tanzcompagnie Gießen/Stadttheater Gießen zeigen am 16. Oktober die Tanzperformance „Facing Faces“. Zum Abschluss ist am 25. Oktober um 16.30 Uhr die Stimme Afrikas, Chor und Band der Association des Bamboutos du Hessen, zu hören. (jm)