23.11.2016

Stefanie Wahl engagiert sich für Pax Christi

Mauern als Zeichen der Gewalt

Stefanie Wahl aus Petersberg bei Fulda will es verstehen. Warum wählen Menschen
den Weg der Gewalt statt des friedlichen Miteinanders – beispielsweise im Heiligen Land? Mit einer Gruppe ist das Vorstandsmitglied der katholischen Friedensbewegung Pax Christi dort hingefahren. Sie hat erkannt: Die Spur der Gewalt führt auch nach Deutschland. Von Hans-Joachim Stoehr.

Stefanie Wahl hat bei der Fuldaer Diözesanversammlung von Pax Christi von der Solidaritätsreise nach Palästina und Israel berichtet: Es war eine „Reise in ein gespaltenes Land“. Foto: Hans-Joachim Stoehr
Stefanie Wahl hat bei der Fuldaer Diözesanversammlung von Pax Christi von
der Solidaritätsreise nach Palästina und Israel berichtet: Es war eine „Reise in
ein gespaltenes Land“. Foto: Hans-Joachim Stoehr

Die Mauer in Jerusalem trennt eine der ältesten Straßen, die es gibt. Die Straße führt hinab nach Jericho. „Auf mich wirkt diese Mauer beklemmend und zugleich brachial“, sagt Stefanie Wahl. Die 32-jährige Sozialethikerin aus Petersberg bei Fulda gehört dem Bundesvorstand der katholischen Friedensbewegung Pax Christi an. „Mauern zu bauen liegt im Trend“, sagt sie mit Blick auf die Wahl Donald Trumps in den USA. Er will eine Mauer entlang der Grenze zu Mexiko bauen lassen, um die Einwanderung aus dem Süden zu stoppen. Auch Victor Orban, der starke Mann in Ungarn will zur Abwehr von Flüchtlingen eine Mauer oder zumindest einen Zaun errichten.

 

Mauer drückt Gewalt aus

Für Wahl ist so eine Mauer ein Zeichen der Gewalt. „Das ist für mich physisch wahrnehmbar.“ Und die Mauer verletzt die Menschenrechte. Im Heiligen Land umziehen Mauern palästinensische Orte und israelische Siedlungen. Anders als die frühere Grenze zwischen der DDR und der Bundesrepublik ist die Mauer in Jerusalem oder Betlehem allerdings nicht ständig bewacht. Wachtürme gibt es nur vereinzelt. Stattdessen gibt es Checkpoints an den Straßen und Städten. Sie dienen der Kontrolle durch das Militär und stören oft das alltägliche Leben der Menschen. Das Pax-Christi-Mitglied weist darauf hin, dass die Mauer wenn überhaupt der Sicherheit der Israelis dient, aber nicht dem Schutz der Palästinenser vor Israelis.

Ähnliches gilt für Flüchtlinge an den Grenzen Europas. Sie dürfen Grenzen nicht passieren. „Umge- kehrt erwarten wir Deutsche, dass wir in allen Ländern frei einreisen können und uns in anderen Län- dern frei bewegen können.“ Das Engagement der Wissenschaftlerin in der Friedensbewegung hat auch familiäre Wurzeln. „Meine Eltern engagierten sich in den 1980er Jahren in der Friedensbewegung. Das hat mich geprägt.“ Als weitere Prägung nennt sie die Anschläge des 11. September 2001 und deren Folgen. Sie hat gegen den den Irak-Krieg demonstriert.

 

Waffenexporte aus Deutschland

Stefanie Wahl sieht einen Zusammenhang zwischen Waffenlieferungen und den Flüchtlings- strömen. „Deutsche Firmen liefern Waffen in die Krisengebiete des Nahen und Mittleren Ostens – nach Syrien und Saudi-Arabien und Israel. Die Bundeswehr beteiligt sich am Krieg, der in Syrien herrscht“, sagt das Mitglied der Friedensbewegung. Ihre Forderung lautet daher: „Die Grenzen schließen für Waffenlieferungen und die Grenzen öffnen für Menschen.“

Grenzen öffnen und Brücken gegen Hass und für Versöhnung bauen – darum geht es Pax Christi seit seinen Anfängen am Ende des zweiten Weltkriegs. Einer der Mitbegründer, der französische Bischof Pierre Marie Théas, predigte Versöhnung mit dem Kriegsgegner Deutschland gegen große Widerstände unter seinen Landsleuten. Bei Pax Christi ist Stefanie Wahl seit vier Jahren, seit einem Jahr gehört sie dem Bundesvorstand an. Sie arbeitet in der „Kommission Globalisierung und soziale Gerechtigkeit“. Zu der katholischen Friedensbewegung kam sie über ihr sozialethisches Engagement. Im Studium setzte sie sich mit sozialethischen Themen wie Gerechtigkeit im Arbeitsleben auseinander.

 

Versöhung dem Hass entgegnen

In Israel und den Palästinensergebieten ist Stefanie Wahl Männern und Frauen begegnet, die
dem jahrzehntelangen Hass die Versöhnung und das Miteinander entgegensetzen. Sie erzählt von
einer Israelin, die an der Grenze zum Gazastreifen lebt. Die Frau ist mit einer Palästinenserin be-
freundet. Um den Menschen dort zu helfen, organisiert sie medizinische Hilfe und versucht Ausrei-
segenehmigungen zu erwirken. „Die Israelin selbst leidet unter den Raketenangriffen aus dem
Gazastreifen. Bei einem Angriff wurde eines ihrer Gewächshäuser getroffen. Zwei Arbeiter starben“, fügt Wahl hinzu. Sie selbst wolle nicht in so einer Lage leben. Um so mehr bewundert sie den Mut von Menschen, die sich in einer solchen Situation des Hasses für Versöhnung einsetzen. „Ich kann diesen sehr komplexen Konflikt nicht zu einem Ende bringen. Ich kann aber Initiativen unterstützen, die sich gegen Hass und für Versöhnung einsetzen“, sagt das Pax-Christi-Mitglied.

Dazu gehört für die Sozialethikerin auch, Ungerechtigkeiten anzuprangern. Als Beispiel nennt sie palästinensische Bauern im Westjordanland, die keinen freien Zugang zu Wasser haben. Das Wasser wird ihnen von der israelischen Verwaltung zugeteilt. „Das verstößt ebenso gegen die Menschenrechte wie die Kinderarbeit, die es auf Plantagen im Jordantal gibt.“ Auch die unterschiedliche Bezahlung von israelischen und palästinensischen Arbeitern zählt sie dazu. Wahl verweist darauf, dass es auch hier Organisationen gibt, die Palästinensern helfen, diese Ungerechtigkeit zu beseitigen. Wahl: „Dies sind Zeichen der Hoffnung für mich.“