18.11.2014

Mit einfachen Mitteln erinnern zwei Frauen an die Schönheit des Nahen Ostens

Mehr als ein syrisches Antikriegs-Video

Die syrischen Schwestern Faia und Rihan Younan haben mit ihrem Friedenslied "To Our Countries" auf YouTube einen kleinen, aber feinen Welthit gelandet.

Manchmal sind es die einfachen Dinge, die uns anrühren, unseren Blick auf die Welt verändern. Diesmal sind es zwei junge Frauen. Genauer gesagt: zwei Schwestern. Fast unbeweglich stehen sie vor einer Mauer. Eine der beiden singt, die andere erzählt. Fast acht Minuten geht das so. Obwohl das Video, das die Schwestern vor anderthalb Monaten auf YouTube ins Internet stellten, reichlich unspektakulär daherkommt, entwickelte es sich inzwischen zu einem kleinen, aber feinen Welthit. Rund 1,5 Millionen mal wurde es bisher geklickt.

Mit einfachen Mitteln zum Welthit

Die beiden Frauen vor der Kamera sind Faia und Rihan Younan. Die eine, Rihan singt, und zwar Lieder der libanesischen Gesangsikone Fairuz. Lieder, in denen dieser beziehungsweise jetzt sie (Rihan) die Schönheit des Nahen Ostens, von Damaskus, Bagdad, Beirut und Jerusalem preist. Die andere, Faia, beschreibt in den Gesangspausen die Kehrseite der Medaille. Genauer gesagt, prangert sie (mit zugegeben zuweilen etwas naiven, manchmal auch blumigen Worten) die aus ihrer Sicht sinnlosen Kriege in Syrien, dem Irak, Libanon und Palästina an. Und erzählt, wie in ihrer Heimat schon unzählige Kinder getötet oder zu Soldaten wurden oder wie Frauen als Sklavinnen verschleppt wurden …

Ausgewandert: von Syrien nach Schweden

Faia und Rihan stammen aus Syrien, wuchsen in Aleppo auf. Seit 2003 leben die beiden Frauen jedoch in Schweden und beobachten von dort mit zunehmender Sorge wie ihre Heimat mehr und mehr auch von den Schergen des Islamischen Staates (IS) zerrieben und zerstört wird. Auch die dortige Kultur! Spiegel Online erzählte Faia: „Wir wollten einfach unsere Wut und unsere Trauer darüber ausdrücken, was in unseren Ländern passiert.“ An ihrem Videoprojekt „To Our Countries – Für unsere Heimat“, so heißt es in dem Text weiter, sollen hinter den Kulissen auch Migranten aus dem Irak, Libanon und Palästina mitgewirkt haben.

Wollen an die Schönheit des Nahens Ostens erinnern:
Faia und Rihan Younan

Obwohl die Younan-Schwestern von sich sagen, sie wollten „einfach nur Frieden“ für ihr Land und auch bewusst jede Schuldzuweisung vermeiden, wurde ihnen inzwischen mehrfach schon vorgeworfen (sogar von dem anerkannten Internet-Magazin Quantara), sie würden sich mit dem Lied unkritisch vor den Karren von Syriens Staatspräsident Baschar al-Assad spannen lassen.

Wie dem auch sei. Das Video ist wahrscheinlich deswegen so erfolgreich, weil dort jeder Zuschauer etwas anderes hineinprojizieren kann. Dies legen zumindest die Kommentare unter dem Beitrag nahe. Während der eine tobt und die Schwestern gar als Agenten Israels bezeichnet, finden es wieder andere einfach nur gut, wenn den Menschen endlich mal wieder ein anderes Bild Syriens vor Augen geführt wird als jenes, das seit einigen Monaten in Form immer neuer IS-Enthauptungsvideos durch sämtliche Medien dieser Welt geistert. „Wir wollten die Menschen an die Schönheit unserer Länder erinnern“, sagt Faia. Das zumindest ist gelungen, und da sollte man vielleicht auch nicht allzu viel "hineingeheimnissen"!

Ihr Webreporter Andreas Kaiser