22.08.2010

Leserreise auf den Spuren von Bruder Klaus in der Schweiz

Mit dem Segen für den Tag

Stätten des christlichen Glaubens in der Schweiz: Die Leserreise der Kirchenzeitung bescherte Einblicke und Ausblicke.

Von Renate Fahn

Spätgotische Baukunst: „Untere Ranftkapelle“, erbaut 1501. Fotos: Renate Fahn

Saftige grüne Wiesen, Wasserfälle, Seen, soweit das Auge reicht und Schnee auf den Gipfeln der Berge, der bei blauem Himmel wie Zuckerguss anmutete. So wurden wir in Engelberg im Kanton Chur empfangen. „Wir“, eine 16-köpfige Gruppe, die sich auf „Erholsame Tage in Flüeli und Umgebung“ freute und bei der auf Anhieb die Chemie stimmte.

Zur persönlichen Grundausstattung gehörte nicht nur festes Schuhwerk, sondern auch das Pilgerbüchlein der Pallottiner. Während Busfahrer Siegfried Plötz die Gruppe zum täglichen Ziel brachte, in herrliche Landschaften und somit wunderschöne An- und Aussichten ermöglichte, versorgte Pater Walter Maader sie mit geistlichem Beistand. Gemeinsam sangen wir Pilgerlieder, beteten und erhielten den Segen für den Tag.

Ein lebendiger Heiliger und Friedensstifter

Das erste Ziel galt dem Schweizer „Nationalheiligen“ Niklaus von Flüe, genannt Bruder Klaus. Dieser lebte von 1417 bis 1487 in Flüeli-Ranft; die Heiligsprechung erfolgte im Jahre 1947. Zu Lebzeiten war er geschätzter Ratgeber und Friedensstifter, obschon er weder lesen noch schreiben konnte. Er wurde als „lebendiger Heiliger“ verehrt.

Im reifen Mannesalter und nach 20 Jahren Ehe mit Gattin Dorothea verließ Niklaus von Flüe die Familie – es gab zehn Kinder, das Jüngste war gerade mal ein viertel Jahr – und ging in die Fremde, einem Einsiedlerleben entgegen. Die Feministinnen unter uns dachten: „Also hallo, wo gibt’s denn so was? Unglaublich!“

Bronzerelief „Dorothea und Bruder Klaus“ in der Pfarr- und Wallfahrtskir¬che Sachseln, geschaffen 1984 von Alois Spichtig. Inschrift: „Selig die Frie¬den stiften, sie heißen Kinder Gottes 14. 6. 1984 – Pilger Johannes Paul II“

So einfach war es für Bruder Klaus dann aber doch nicht, wie sich bei näherer Betrachtung herausstellte, denn sein Leben war ein einziges Ringen und Kämpfen und Dorothea gab schließlich ihren Segen zum Weggang des Gemahls, was uns wieder beruhigte, zumal die Existenz der Familie gesichert war.

Seine Frau war es, die ihm eigenhändig zwei Eremitenröcke webte, als er, in die Heimat zurückgekehrt, die Einsiedler-Zelle bezog und 20 Jahre lang ohne jede Nahrung lebte.

Keine Frage, dass wir das einstige Wohnhaus von Bruder Klaus inspizierten, welches 1946 fachgerecht rekonstruiert wurde. Zudem feierten wir Gottesdienst in der „Unteren Ranftkapelle“ mit Pater Walter Maader und Pfarrer Hermann Kranz, der zur Reisegruppe gehörte.

Einen Eremitenrock sahen wir in der Pfarr- und Wallfahrtskirche in Sachseln, wo sich das Grab von Bruder Klaus befindet. Den Reliquiensegen empfingen wir durch Kaplan Philipp Specken.

In Sachseln hinter dem „Museum Bruder Klaus“ gibt’s ein Buchsbaumlabyrinth, wo mittig die Rose „Ingrid Bergmann“ blüht.

In Engelberg sahen wir den öffentlichen Gästeflügel sowie die Klosterkirche des 1120 erbauten Benediktinerklosters. Kostbar und bemerkenswert das in Gänze mit Holzintarsien ausgestaltete „Tugendzimmer“ von Bruder Columbian Louis, der 1966 starb.

Anschließend besuchten wir die dem Kloster angegliederte Schaukäserei. Wir durften im Schnellverfahren Käse herstellen und bei Verköstigung der ausnahmslos leckeren Sorten spiegelte sich auf den Gesichtern der Wunsch nach einem leeren Koffer, möglichst mit integriertem Kühlsystem, für einen gezielten und großzügigen „Käseabtransport“.

Die pittoreske Altstadt Luzerns besichtigten wir nach der Jesuitenkirche. Achtung: Zweiter Eremitenrock von Bruder Klaus! Selbstverständlich verweilten wir auch kurz vor dem Gebäude, in dem einstmals Goethe Station machte. Nachmittags genossen wir eine Schifffahrt über den Vierwaldstättersee nach Küsnacht, um dem Nationalhelden der Schweiz Wilhelm Tell unsere Aufwartung zu machen. Frei nach Schiller: „Durch diese Hohle Gasse müssen sie kommen“, setzten wir Selbiges in die Tat um.

Ein überwältigendes Gesamtkunstwerk

Die Koffer gepackt, wechselten wir in den Kanton Schwyz, nach Einsiedeln. Pater Maurus Burkhard führte uns in die Stiftsbibliothek der Benediktiner-Abtei. Erster Rundumblick: „Überwältigend“, allerdings die Überwachungskameras – hoch droben über der Eingangstür –, blieben dem Kennerblick nicht verborgen. Nun galt es, sich auf die Schätze des Raumes zu konzentrieren und möglichst die Hände im Zaum zu halten. Zu gern wird ja berührt, was gesehen wird. Anschließend nahmen wir teil am Konventamt der Mönche in der Klosterkirche. Pater Walter Maader und Pfarrer Hermann Kranz nutzten die Möglichkeit zur Konzelebration.

Einsiedeln: Beschreiben wir es als „Gesamtkunstwerk“, unmöglich, hier all die Eindrücke und Gedanken zu schildern. Erwähnt werden muss aber die „Schwarze Muttergottes“, zu der Pilger aus aller Welt mit ihren Anliegen kommen und jetzt waren auch wir dort. Wie schön und wie schade, dass am nächsten Morgen die Rückreise auf dem Plan stand.