11.04.2012

Warum Glaube schwer zu buchstabieren ist und doch gelebt werden kann

Mit Gott über Mauern

Kann man das? „Echter“ glauben, oder „tiefer“, „besser“, „engagierter“? Oder „mehr“? Bücher, die den christlichen Glauben deuten, gibt es viele. Nicht alle sind verständlich. Diese schon. Von Johannes Becher.

Timothy Radcliffe fragt nach dem Warum und hält sich an den Glauben, weil „der das Leben verändert“. Zum Guten. Davon ist er überzeugt.

David Steindl-Rast schreibt über das Wie des Glaubens. Er bekennt sich zu einem, „der alle verbindet“.

DreyerMartin Dreyer schließlich begibt sich auf Zeugenbefragung. Er sammelt persönliche Antworten – von Menschen, die an einen Gott glauben können, oder auch nicht.

Drei Bücher, drei Ansätze. Und doch geht es immer um den christlichen Glauben. Geht es darum, Erfahrungen weiterzugeben, Fragen zu stellen, Antworten zu versuchen, einen Beitrag zum gelingenden Leben mit dem christlichen Glauben zu bieten.

 

Cover RadcliffeTimothy Radcliffe will Mut machen. Und aus Gleichgültigkeit aufwecken. Für ihn geht es im Christentum zuallererst nicht um Regeln oder Moral. Für ihn geht es um Freiheit, um Lebensfreude, um Hoffnung. Gegen die Angst setzt er ein vatikanisches Bonmot aus napoleonischer Zeit: „,Eure Eminenz, die Situation ist sehr ernst. Napoleon will die Kirche zerstören.‘ Worauf der Kardinal erwiderte: „Das haben nicht einmal wir geschafft!‘“

 

SteindlDavid Steindl-Rast setzt bei den Gemeinsamkeiten aller Menschen an: dem Wunsch nach einem Leben in Fülle. Und er ist überzeugt: Den Glauben muss man selbst erfahren: „Glaube aus zweiter Hand ist nicht wirklich Glaube.“ Er lässt das Credo der Kirche lebendig werden. Persönlich. Echt. Modern. Glaubwürdig.

Was sich aus den drei Büchern aufbewahren lässt? Die Gewissheit, dass Glauben mit anderen Menschen zusammenführt. Dass er Brücken baut statt Mauern. Dass sich mit der Kraft des Glaubens Mauern überspringen lassen. Dass der Glaube ein Mittel gegen Einsamkeit und für gute Beziehungen ist. Dass die innigsten Momente im Glaubensleben nicht dem Wissen entspringen, sondern dem Erfahren. Und – neben all den klugen Gedanken, Fragen, Anwortschnipseln – ein herrlich tröstlicher Satz aus dem Zeugnis von Özlem Topcu („Woran glaube ich?“): „Ihr Kopftuch ist verrutscht, einzelne Haare schauen heraus. Ich schweige, weil ich sie nicht stören will. Und weil ich fi nde, dass Glaube auch unperfekt sein darf.“

Timothy Radcliffe: „Warum Christ sein. Wie der Glaube unser Leben verändert“, Herder, 22,99 Euro

David Steindl-Rast: „Credo. Ein Glaube, der alle verbindet“, Herder, 18,95 Euro

Martin Dreyer (Hg.): „Woran glaube ich? Ganz persönliche Antworten zu Glaube und Religion“, Beltz und Gelberg, 17,95 Euro

Die Kirchenzeitung verlost fünfmal das Buch von Timothy Radcliffe.
Bitte rufen Sie am Montag, 16. April, von 10 bis 10.15 Uhr an. Telefon: 0 61 31/ 2 87 55 35

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