28.08.2014

Christliche Fanclubs überzeugen mit Engagement für Jugendliche

Mit Jesus gegen Gewalt, Sucht und Rassismus

Sie heißen „Totale Offensive“ oder „TORa et Labora“. Die Rede ist von christlichen Fanclubs. Anders als einige sogenannte Ultras fallen sie weniger mit dem Zündeln von Bengalos auf als vielmehr durch ihr soziales Engagement für Jugendliche.

Ja, es gibt sie nicht nur. Nein, sie werden immer mehr. Den Anfang machte offenbar, soweit sich das heute noch verfolgen lässt, 1999 in Köln "TORa et Labora“. Die mehrheitlich katholischen Fans drücken natürlich ihrem FC die Daumen. In Stuttgart feuern die pietistischen „CVJM Buaben“ den VfB an. In Hamburg, Berlin, Dortmund (und einigen anderen Städten) jubelt die „Totale Offensive“ mit eher freikirchlichem Hintergrund für den HSV, die Hertha oder eben den BVB. In Wolfsburg macht sich seit 2006 der Club „In christ united" für den VfL stark.

Logo der TO Dortmund

Fast all diesen Fanclubs ist gemein, dass sie sich gerne um Jugendliche kümmern, die im Alltag eventuell etwas abseits stehen. Zu den „Public Viewings“, dem gemeinsamen Schauen von besonderen Spielen auf der Großbildleinwand, darf jedoch jeder kommen. Ohne Rücksicht auf Alter, Religions- oder fehlende Religionszugehörigkeit ...

Auffällig ist, dass die meisten christlichen Fanclubs nicht nur ähnlich heißen (Totale Offensive), sie arbeiten auch nach einem ähnlichen Konzept, das ich an dieser Stelle einfach mal von der Webseite des Dortmunder Fanclubs zitieren möchte: „Der Fanclub und Verein ‚Totale Offensive BVB 09 e.V.‘ hat sich zum Ziel gesetzt, Menschen im Umfeld des BVB - vor allem Jugendlichen - zu helfen, die Herausforderungen ihres Alltages zu bewältigen. Dabei möchten wir auch gerade die Menschen in den Blick nehmen, deren Leben in eine Schieflage geraten ist und denen ein sozialer Abstieg droht.

Alkohol- und nikotinfreie Auswärtsfahrten

Auch „These 96“ von Hannover betreut auf Anfrage Kinder von sechs bis 14 Jahren bei ihrem Stadionbesuch. Zudem bietet das Fanprojekt für Jugendliche bis 16 Jahren alkohol- und nikotinfreie Auswärtsfahrten an. Wer einmal eine bierselige, oft krakeelig-laute Auswärtsfahrt im Fanbus oder Zug mitgemacht hat, weiß wie erholsam so etwas sein kann.

Ex-Herthaner Raffael beim christlichen Fanclub
(Foto: Totale Offensive Berlin)

Wie bei den meisten Fanclubs geht auch das Konzept von These 96 zurück auf die kirchliche Jugendarbeit. Bei These 96 ist schon der Name Programm. Die Zahl 96 erinnert an die Vereinsgründung von Hannover 96 im Jahr 1896. „These“ wiederum ist eine Anspielung auf die Thesen von Martin Luther, die dieser  1517 an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg genagelt hat. Das waren damals allerdings nur 95…

„In Berlin an der Spree gibt’s nur Hertha BSC“, wie es in einem Fangesang der berühmt, berüchtigten Ostkurve heißt … Und natürlich Christoph Schuhmacher. Der Mann ist nicht nur Religionslehrer, sondern leitet in seiner Freizeit auch die hiesige Sektion der Totalen Offensive. Bei den Andachten oder ökumenischen Gottesdiensten in der Kapelle des Olympiastadions vor den Hertha-Heimspielen spielt er Gitarre. Zu den Festivitäten des Fanclubs (etwa den Weihnachtsfeiern) haben sich in der Vergangenheit auch immer mal prominente Hertha-Spieler wie Maik Franz oder Raffael (der jetzt allerdings bei Mönchengladbach unter Vertrag steht) blicken lassen. Das Engagement der christlichen Fußballfans in Berlin ist in dem Beitrag „Heimspiel mit Gott“ ganz gut beschrieben …

Kein Platz für Hooligans

Einen etwas anderen Weg geht - zumindest vom Namen her „der frommste Fanclub des 1. FC Köln, TORa et Labora“. Schon auf der Starseite der Homepage heißt es „Wir sind FC Kölner. Keine Chaoten“. Bengalo-Zündler oder sogar Hooligans wird man auch hier - wie bei allen anderen christlichen Fanclubs - vergeblich suchen. Dafür leisten sich die Kölschen Jungs und Mädels mit Katharina Krohm sogar eine eigene Jugendvertreterin. Auch dem katholischen-christlichen DOMradio waren TORa et Labora bereits eine Reportage wert. Die Sendung „Sternzeit“ kann man hier als Podcast nachhören. Ehrenmitglied im Fanclub ist übrigens der bekannte Komiker und TV-Moderator Guido Cantz. "Wenn dat nix is", meint

Ihr Webreporter Andreas Kaiser