12.04.2013

Kommentar

Neu starten oder beenden

Von Ulrich Waschki

Die „Woche für das Leben“ hat sich überlebt. Was soll eine Aktionswoche, wenn sie kaum noch öffentliche Aufmerksamkeit findet? Traurig genug, dass die „Woche für das Leben“ die einzig greifbare regelmäßige gesellschaftspolitische Aktion ist, die katholische und evangelische Kirche gemeinsam auf die Beine stellen. Aber ist sie wirklich mehr als eine Selbstbeschäftigung zentraler Einrichtungen?
Ja, es gibt viele, vor allem kleinere Veranstaltungen zur „Woche für das Leben“ im ganzen Bundesgebiet. Aber Ziel der Woche ist, „einen Beitrag zur Bewusstseinsbildung über den Wert und die Würde des menschlichen Lebens“ zu leisten. Dazu brauche ich Multiplikatoren – zum Beispiel Politiker – und öffentliche Aufmerksamkeit. Schon die zentrale – also bundesweite! – Auftaktveranstaltung in Mannheim wird eher eine Aktion von regionaler Relevanz sein. Die Aktiven der Gemeinden vom Wert des Lebens überzeugen zu wollen, ist „Eulen nach Athen tragen“, aber kein wirkungsvoller Beitrag zur Bewusstseinsbildung.

Ein Problem ist sicher, dass viele Fragen des menschlichen Lebens sehr differenziert und damit in den Medien schwer vermittelbar sind. Etwa beim Schutz des ungeborenen Lebens: Wir erinnern uns an die Diskussion um die „Pille danach“ im Falle einer Abtreibung. Dazu kommt aber ein kirchliches Problem: Kirchlich Verantwortliche haben oft den Drang, ein Thema möglichst umfassend und nach allen Seiten korrekt beschrieben zu bearbeiten. Das zeigt sich, wenn man nur den Einführungstext zum Jahresthema 2013 „Zusammenhalt gestalten“ liest. Eine Kostprobe: „Denn Zusammenhalt muss mit der Veränderung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen immer neu aktiv gestaltet werden.“ In solchen Texten sind sicher ganz viele wichtige Aspekte aufgeführt. Jeder und jede ist mit seinem und ihrem Anliegen gleich wichtig und ernst genommen. Der Sache dient das nicht. Worum geht es eigentlich? Irgendwie um alles. Und damit auch wieder um nichts.

Neue Aktionsformen und einfache Botschaften müssen her. Dass das keine Negativbotschaften im Sinne eines erhobenen Zeigefingers sein dürfen, haben die Organisatoren zum Glück schon lange begriffen. Jetzt gilt es, die Themen zu reduzieren und griffig zu formulieren. Und wenn man Aufmerksamkeit erreichen will, braucht man auch hochkarätig besetzte Veranstaltungen. Vielleicht ist weniger mehr: Nicht mehr jedes Jahr, nicht mehr überall. Wenn die Neuausrichtung der Woche nicht gelingt, sollte man auch nicht zögern, sie endgültig zu begraben.