13.09.2011

Protest mit Respekt, bitte

Wo der Papst hinkommt, gibt es Proteste: Das ist keinesfalls nur in Deutschland so. In England haben Papstgegner protestiert. Auch beim jetzt beginnenden Weltjugendtag in Madrid wollen sie es tun. Allerdings haben die Behörden in Spanien die Wunschroute der Demonstranten gerade verboten.

Woher der Protestzug im September in Berlin ziehen wird, ist noch unklar. Klar ist aber, dass es einen solchen Zug geben wird. Demonstrationen gehören zu den demokratischen Grundrechten. Damit muss und kann man leben.

Demonstrationen gibt es auch gegen Gipfeltreffen oder Besuche des US-Präsidenten. Und dass Menschen gegen den Papst protestieren, ist angesichts der Meinungsvielfalt in der Gesellschaft kaum verwunderlich – schließlich treten Papst und Kirche für manche unbequeme Position ein. Das erregt Widerspruch.

Allerdings werden auch in Berlin die Zahlen eine klare Sprache sprechen: Im Olympiastadion werden Zehntausende mit dem Papst beten und ihm zujubeln. Am Protestzug gegen den Papst werden, damit verglichen, nur wenige teilnehmen.

So akzeptabel die Demonstrationen an sich sind, so falsch sind manche Blüten dieser Meinungsfreiheit. Die Gegendemonstranten werden auch vor Beleidigungen nicht zurückschrecken: Als Johannes Paul II. nach Berlin kam, warfen Demonstranten Eier auf den Gast. Einige der Gruppen, die sich derzeit an der Organisation des Protestes beteiligen, nutzen schon jetzt derbe und beleidigende Sprüche gegen den Papst. Und schließlich vermischen die Demonstranten Dinge, die nicht zusammengehören. Warum bitte soll ein Demonstrationszug gegen den Papst am Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homo-sexuellen vorbeiziehen? Was hat das mit Papst Benedikt zu tun? Nichts. Eine solche Verknüpfung ist eine Unverschämtheit.

Zu den Unterstützern der Proteste gehören auch Gruppen, die der autonomen Szene nahestehen. Wenn es im Internet heißt, man solle dem Papst und seinen Anhängern keine ruhige Minute gönnen, klingt das fast wie eine Drohung. Die anderen Beteiligten müssen sich von diesen Tönen distanzieren.

Der Protest in Berlin darf sein, auch laut, von mir aus auch schrill. Gleichzeitig dürfen wir aber Respekt einfordern. Respekt vor unserem Glauben und dem Repräsentanten unserer Kirche, der als Gast nach Deutschland kommt. Schade, dass diese Bitte bei vielen nicht auf offene Ohren treffen wird.

Ulrich Waschki