26.07.2016

Jahresserie: Das Jesus-Team (5) – Kirche und Politik

Schallende Stimme des Gewissens

Sein erster Besuch als Papst führt ihn ins Flüchtlingslager auf Lampedusa. Seine politische Diplomatie bringt Amerikaner und Kubaner wieder miteinander ins Gespräch. Als Anwalt der Armen mischt sich Papst Franziskus in die Politik ein. Auch deshalb gehört er zum Jesus-Team. Eine Text-Collage seiner Aussagen:

Papst Franziskus in der UN Vollversammlung in New York Foto: Kna-bild
2015. Papst Franziskus spricht vor der UN-Vollversammlung.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon nennt ihn einen „Mann des
Glaubens für alle Glaubensrichtungen“ und lobt seine „schallende
Stimme des Gewissens“. Foto: kna

Umweltzerstörung, Klimawandel, Flüchtlingsströme … Wie steht es um die Mutter Erde?
„Die Erde, unser Haus, scheint sich immer mehr in eine unermessliche Mülldeponie zu verwandeln. (21)
Der Rhythmus des Konsums, der Verschwendung und der Veränderung der Umwelt hat die Kapazitäten des Planeten derart überschritten, dass der gegenwärtige Lebensstil … nur in Katastrophen enden kann. (161)“
(Enzyklika „Laudato si“, 2015)

Wie können die Menschen den Planeten Erde bewahren?
„Die Menschheit muss darauf verzichten, das Geld zu vergötzen, und den Menschen, seine Würde, das Gemeinwohl, die Zukunft der Generationen, die die Erde nach uns bevölkern werden, wieder in den Mittelpunkt stellen. Sonst werden unsere Nachkommen gezwungen sein, auf Haufen aus Schutt und Unrat zu leben.“
(Interview mit Paris Match, Oktober 2015)

Sie setzen auf die Liebe – auch im politischen Miteinander. Warum?
„Wir müssen wieder spüren, dass wir einander brauchen, dass wir eine Verantwortung für die anderen und für die Welt haben und dass es sich lohnt, gut und ehrlich zu sein. Wir haben sehr viel Zeit moralischen Verfalls verstreichen lassen, indem wir die Ethik, die Güte, den Glauben und die Ehrlichkeit bespöttelt haben, und es ist der Moment gekommen zu merken, dass diese fröhliche Oberflächlichkeit uns wenig genützt hat. (229)
Die Liebe voller kleiner Gesten gegenseitiger Achtsamkeit betrifft auch das bürgerliche und das politische Leben und zeigt sich bei allen Gelegenheiten, die zum Aufbau einer besseren Welt beitragen.(231)“
(Enzyklika „Laudato si“, 2015)

Was fühlt der Papst bei den täglich eintreffenden Nachrichten von Terror und Krieg?
„Was bleibt? Ruinen, Tausende von Kindern ohne Bildung, so viele unschuldige Opfer: viele! Und viel Geld in den Taschen der Waffenhändler.
Jene, die am Krieg arbeiten, die den Krieg machen, sind verdammt, sind schuldig. Ein Krieg kann gerechtfertigt sein – in Anführungszeichen – mit vielen, vielen Gründen. Aber wenn die ganze Welt im Krieg ist, wie heute, dann ist das ein Weltkrieg! Hier, da, da überall. Dafür gibt es keine Rechtfertigung. Und Gott weint. Jesus weint.“
(Predigt im Gästehaus Santa Marta, November 2015)

Was können Regierungen, was können wir für Frieden tun?
„Um das Gut des Friedens zu gewinnen, muss man vor allem zum Frieden erziehen, indem man eine Kultur des Konflikts fernhält, die auf die Angst vor dem anderen, auf die Ausgrenzung dessen, der anders denkt oder lebt, ausgerichtet ist. Freilich darf der Konflikt nicht ignoriert oder beschönigt werden; man muss sich ihm stellen. Wenn wir uns aber in ihn verstricken, verlieren wir die Perspektive, die Horizonte verengen sich, und die Wirklichkeit selbst zerbröckelt.“
(Ansprache vor dem Europarat, November 2014)

Sie beklagen Gier und Egoismus. Sind Kapitalismus und Profit diabolische Worte?
Kapitalismus und Profit sind nicht diabolisch, wenn sie nicht zu Götzen gemacht werden. Sie sind es nicht, solange sie Werkzeuge bleiben. Wenn jedoch die ungehemmte Gier nach Geld herrscht und das Gemeinwohl und die Würde des Menschen an die zweite oder dritte Stelle gesetzt werden, wenn Geld und Profit um jeden Preis zum Fetisch werden, der angebetet wird, wenn Habgier die Grundlage unseres sozialen und wirtschaftlichen Systems bildet, dann sind unsere Gesellschaften zum Untergang bestimmt. Die Menschen und die Schöpfung dürfen nicht im Dienst des Geldes stehen. Was daraus folgt, wenn das geschieht, sehen wir alle sehr deutlich!
(Interview mit Paris Match, Oktober 2015)

Haben Sie ein Beispiel dafür?
„Es ist unglaublich, dass es kein Aufsehen erregt, wenn ein alter Mann, der gezwungen ist, auf der Straße zu leben, erfriert, während eine Baisse um zwei Punkte in der Börse Schlagzeilen macht. Das ist Ausschließung.“
(Evangelium gaudii, 53)

Sie sehen auch in der wachsenden Zahl der Flüchtlinge eine Folge des Wirtschaftens?
„An der Wurzel gibt es eine Ursache: ein böses, ungerechtes sozio-ökonomisches System.
Der Mensch muss im Zentrum des Systems, der Politik stehen. Doch das heute dominierende Wirtschaftssystem hat den Menschen an den Rand gedrängt und stattdessen den Gott Geld, das Idol der Stunde, ins Zentrum gerückt … Heute führt die Welt Krieg gegen sich selbst!“
(Interview mit „Radio Renascenca“, September 2015)

Große Worte. Und konkret?
„Es gibt immer jemanden in unserer Nähe, der in Not ist, materiell, emotional oder spirituell. Das größte Geschenk, das wir ihnen machen können, ist unsere Freundschaft, unser Interesse, unsere zärtliche Zuwendung, unsere Liebe zu Jesus.“
(Begegnung mit Jugendlichen in Manila, Januar 2015)

Collage: Johannes Becher