30.11.2011

Kommentar

Scheffel der Gehässigkeit

Von Roland Juchem

Die katholischen Bischöfe in Deutschland haben beschlossen, den Weltbild Verlag zu verkaufen. Damit wollen sie einen Schlussstrich ziehen unter eine Debatte, die seit Jahren geführt wird. Ihr Thema ist berechtigt, die Form aber, zu der sie zuletzt teilweise verkommen ist, ist skandalös. „Bischöfe als Pornoproduzenten?“ titelte ein vermeintlich katholisches Magazin. In Internetforen wird dem Sekretär der Bischofskonferenz die Mentalität Adolf Eichmanns unterstellt. Publizistische Kopfgeldjäger reiben sich die Hände wegen möglicher Abschüsse, also personeller Konsequenzen wie den Rücktritt des Aufsichtsratsvorsitzenden bei Weltbild, Klaus Donaubauer, Finanzdirektor des Bistums Augsburg.

Keine Frage: Das Geschäftsgebahren des Weltbild-Konzerns, der zu einem ganz Großen im deutschen Buch- und Versandhandel geworden ist, gab schon länger Anlass zu Kritik – gerade weil er zu 100 Prozent der katholischen Kirche gehört. Reichhaltige Angebote aus der Esoterik-szene, mitunter billigster Kitsch aus der Softpornoszene gehören ebenso dazu wie die Folgen der Weltbild-Plus-Kette für den örtlichen Buchhandel.

Über Weltbild wird also nicht erst diskutiert seit Oktober, als der „buchreport“ berichtete, dort werde Erotik publiziert. (Gegen gute erotische Literatur an sich wäre aus katholischer Sicht nichts einzuwenden.) Für Kontroversen sorgten aber ebenso bei der Unternehmenstochter Hugendubel eingesetzte Internetfilter, die kirchenkritische Literatur sperrten. Zensur darf es also auch nicht sein. Oder ist es das, was die Extremisten einschlägiger Internetforen wollen? Als katholischer Christ jedenfalls will ich auch bei einem katholischen Unternehmen nicht bevormundet werden. So richtig es ist, dass die katholische Kirche in einzelnen Fragen eine klar erkennbare Haltung einnimmt, so falsch ist der Tunnelblick schwarz-weißer Weltbilder.

Nun wird der Konzern verkauft, vermutlich zu spät und doch wohl richtig. Nur: Bringt der Verkauf die Kirche schon aus dem Schneider? Mal sehen, wie die nächsten Schlagzeilen lauten, sollten Millionenverluste entstehen oder Hunderte Mitarbeiter entlassen werden? Als Eigentümerin eines solchen Unternehmens kann die Kirche eben nur verlieren – vor allem an Glaubwürdigkeit. Die ist ohnehin geschmälert durch die jüngste Debatte, weil Extremisten die innerkirchliche Tonlage weiter verschärfen. Bei aller Sympathie für Freunde der klaren Aussprache – wenn die Atmosphäre vergiftet ist, erlischt das Licht des Evangeliums unter dem Scheffel der Gehässigkeit.