16.07.2014

Benediktinerin bindet sich auf Lebenszeit

"Schneise nach oben offen halten"

Ewige Gelübde sind selten geworden. Nach sechs Jahren im Fuldaer Benediktinerinnenkloster hat Schwester Regina Duzy ihre Ewigen Gelübde abgelegt. Was hat die 30-Jährige zu diesem Schritt motiviert? Interview von Evelyn Schwab.

Regina Duzy mit gelbem Blumenkranz. Foto: Evelyn Schwab
Regina Duzy legt ihre Ewigen Gelübde ab. Foto: Evelyn Schwab

Wie bekamen Sie Kontakt zu den Fuldaer Benediktinerinnen?

Das kam durch eine Fehlinformation: Im Internet – schon vor knapp zehn Jahren wichtige Informationsquelle – fand ich heraus, dass es hier eine Buchbinderei und andere kunsthandwerkliche Betriebe gibt. Das war meine Entscheidungshilfe, als ich während meines zweiten Studiensemesters nach einem Benediktinerinnenkloster gesucht habe, in dem ich ein paar Tage mitleben könnte. Als ich dann in den Semesterferien eine Woche im Gästehaus der Abtei verbrachte musste ich allerdings feststellen, dass diese Angaben veraltet waren und das Kloster vor allem für den Gartenbau bekannt ist – was mich so gut wie gar nicht interessierte.

 

Warum traten Sie dennoch in die Abtei St. Maria ein?

Nach dem ersten Gastaufenthalt fuhr ich mit der Erkenntnis weg, dass mir der benediktinische Lebensrhythmus und die Spiritualität sehr entgegenkommen. Aber ich war sicher nicht davon überzeugt, dass St. Maria „mein Ort“ sei. Ich hatte vor, erstmal ein, zwei andere Benediktinerinnenklöster anzuschauen. Trotzdem war ich schon nach wenigen Wochen wieder hier, und das Bedürfnis noch woanders hinzuschauen, verflog.

 

Gab es einen alternativen Lebensplan?

Ich war 21, als ich das Kloster kennenlernte, und der Wunsch, einmal ganz dort zu leben, entwickelte sich sehr rasch. – Also: nein, konkrete Pläne hatte ich vorher nicht. Wenn mir ein Mann über den Weg gelaufen wäre, mit dem ich eine Familie hätte gründen wollen, wäre auch das ein denkbarer Lebensweg gewesen. Aber dieser Wunsch war tatsächlich nie sehr ausgeprägt. Dennoch war und ist für mich das Leben im Kloster nicht alternativlos. Wenn es hier nicht für mich gepasst hätte, wäre mir bestimmt etwas eingefallen.

 

Wie reagierten Freunde und Familie?

Meine Eltern sehr aufgeschlossen, meine Geschwister etwas zurückhaltender, aber nicht grundsätzlich abgeneigt. Bei Freunden und Bekannten löste die Nachricht, dass ich in ein Kloster eintreten wolle, selten große Überraschung aus, wenn auch viele es nicht nachvollziehen konnten und manche es als Vergeudung meines Lebens betrachteten. Diejenigen, die mich irgendwann einmal hier besucht haben, konnten mich danach oft besser verstehen, meist, weil sich ihre Vorstellung von Klosterleben durch den Besuch verändert hatte.

 

Welche Aufgaben übernehmen Sie im Kloster?

Meine Hauptaufgabe besteht in der Mitarbeit in unserem Klosterladen. Das ist sehr vielseitig: neben dem Dasein für die Kunden auch Dekoration und Verwaltungs- und Büro-Tätigkeiten.

Daneben ist jede von uns in einem großen Haushalt eingebunden: ein wenig putzen, hin und wieder in der Küche helfen und so weiter. Ich habe mich in den letzten Jahren auch etwas an der Orgel bei der Begleitung der Vesper versucht – das finde ich die schwierigste Aufgabe.

Und ich beteilige mich an der Pflege der Homepage.

 

Können Sie Ihre vorherigen beruflichen Neigungen einbringen?

Ich habe Theologie studiert. Das kommt in meinem jetzigen Leben durchaus vor, aber Mönchsleben ist weit vom bloß akademischen Denken entfernt. Vielleicht überschneiden sich meine beruflichen Neigungen und mein Leben als Benediktinerin am ehesten in der Wertschätzung eines weiten Horizonts, dem Interesse für Vieles und für das Ganze der Wirklichkeit.

 

Was bedeutet Ihnen Gebet und Gesang im Rahmen der Tagesstruktur?

Vor allem empfinde ich es als Luxus, drei bis vier Stunden des Tages dem gemeinsamen Beten und Hören und Singen zu reservieren. Unser Leben ist schlicht, in vieler Hinsicht sehr normal. Aber wir versuchen, dem Wort Gottes Raum zu geben, oder wie es mal jemand formuliert hat: eine Schneise nach oben offen zu halten. Das ist, so hoffe ich, auch ein Dienst für die Stadt und die Menschen hier, und in einer größeren Perspektive für die Welt.

 

Woher nehmen Sie die Sicherheit, sich für diese Lebensform dauerhaft zu entscheiden?

Ich nehme an, aus einer ähnlichen Quelle wie Eheleute, die sich das Jawort geben. Eine völlige Sicherheit für ein Gelingen hat man wohl nie, kann man gar nicht haben. Aber immerhin lebe ich jetzt seit fast sechs Jahren hier, und die Faszination für das Mönchsleben hat mich nicht verlassen. Letztlich kann ich nur darauf vertrauen, dass mich die Treue Gottes und seine Nähe und Hilfe hier halten.

 

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Zur Person: Regina Duzy

  • geboren 1984 in Erfurt
  • 2003 Abitur an der Edith-Stein-Schule Erfurt
  • 2003/04 Freiwilliges Soziales Jahr in Liverpool, UK, in einer Behindertenwerkstätte
  • 2004-09 Studium der Katholischen Theologie, Psychologie und Vergleichenden Sprachwissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Abschluss M.A.
  • 2008 Eintritt in die Benediktinerinnen-Abtei zur Heiligen Maria Fulda