19.04.2016

Jahresserie: Das Jesus-Team (4) – Gemeinschaft

Seht, wie sie einander lieben

Wie Christen heute Gemeinschaft leben: Vier Beispiele aus Wiesbaden, Fulda, Darmstadt und dem Internet.

Anschluss in der neuen Heimat

Tanz im Kreis Foto: privat
Mit in den Kreis kommen: Im BauHof Wiesbaden finden Menschen aus
aller Welt ersten Anschluss in ihrer neuen Heimatstadt Wiesbaden.
Foto: privat

„In Vielfalt miteinander leben – dem Anderen die Hand reichen“: Das ist das Motto des BauHofs in Wiesbaden, einem sozial-kulturellen Stadtteilbüro in Trägerschaft der Caritas.
„Die Menschen kommen aus dem Irak, aus Syrien, Eritrea, Afghanistan, der Türkei oder Marokko und finden im BauHof ohne jede Hürde ersten Anschluss in ihrer neuen Heimatstadt Wiesbaden“, sagt der Leiter des Quartierzentrums, Walter Barth. „Wir wenden uns mit Empathie den Fremden und Armen unserer Gesellschaft zu, grenzen sie nicht aus und lassen sie teilhaben in unserer Gemeinschaft – eine tägliche christliche Herausforderung.“

Getreu dem Bibelwort „Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen“ (Matthäus 25,35) bilden Solidarität und Aufnahmebereitschaft „zentrale Werte für Christinnen und Christen“. Der BauHof sei für viele Kinder, Jugendliche, Familien und Senioren unterschiedlicher Herkunft zu einem zweiten Zuhause geworden. „In den sozial-caritativen Projekten erfahren sie Respekt, werden unterstützt und beteiligt – und können selbst aktiv werden“, erläutert der BauHof-Leiter. Seine Erfahrung: „Haben sie erst einmal Fuß gefasst, bringen sie ihre Potentiale, ihre Kreativität in die Gemeinschaft ein. Ein Geschenk für beide Seiten!“ (kai)

Kontakt: 06 11 / 949 115-21

 

Funcity im Internet

St. Bonifatius Funcity Foto: Funcity
Das Eingangsportal zur Online-Kirche funcity Foto: funcity

„Guter Gott, ich bitte um Vertrauen in deine Wege. Im Moment können wir deine Wege nicht verstehen“, schreibt Hugo66 an die virtuelle Fürbitt-Wand. Seine und andere Fürbitten stehen in der Kirche St. Bonifatius in „Funcity“, einer Internetplattform.

Die Mitglieder der Online-Community können sich anonym registrieren. Die etwa 20 Seelsorgerinnen und Seelsorger der Online-Gemeinde zeigen sich mit ihrem Namen und ihrem Gesicht. Das spirituelle Angebot umfasst einen Kirchenchat mit wechselnden Themen jeden Donnerstag, Gottesdienste, persönliche Chats und eben die Fürbitten. „Auf Wunsch werden diese Bitten in eine Ordensgemeinschaft mitgenommen, und dort wird für das Anliegen gebetet“, erklärt Norbert Lübke, Internetbeauftragter des Bistums Hildesheim.

Warum dürfen die Mitglieder anonym bleiben? „Unser wichtigster Grundsatz lautet: ,Anonymität schafft Vertrauen‘“, erklärt Lübke. In virtuellen Zimmern kann man mit Ordensleuten über seine persönlichen Anliegen chatten. Oder es entsteht ein Austausch per E-Mail.

Einmal kam im Chat das Gespräch auf eine Suppenküche, die nach Essensspenden suchte. „Da spielten Entfernungen plötzlich keine Rolle mehr“, sagt Lübke. Die Mitglieder brachten ihre Essensspenden vorbei. Ganz real. (jul)

www.funcity.de

 

„Sie machen es mit Herzblut“

Café Malta für Menschen mit Demenz Foto: Malteser Fulda
Eine Mitarbeiterin der Malteser spielt mit einer an Demenz erkrankten Frau.
Foto: Malteser Fulda

Das Café Malta für Menschen mit Demenz in Fulda öffnet viermal in der Woche für drei Stunden. Betreut werden die Gäste des Café Malta von fachlich geschulten Demenzbegleitern. Die erledigen nicht einfach einen Job. „Sie tun das mit Herzblut. Es macht ihnen wirklich Spaß“,  sagt Swetlana Wolf, Leiterin der Demenzdienste der Malteser in Fulda. Die Begleiter sitzen nicht nur ihre Stunden ab und gehen wieder heim. „Das ist der feine Unterschied. Hier steht der christliche Glaube im Vordergrund.“

Die Begleiter sind dabei nicht nur Gebende, sondern auch Beschenkte. Etwa wenn die Gäste sich freuen und dankbar zeigen – mit Worten oder durch ein Strahlen im Gesicht. „Eine solche Bestätigung hat einen großen Wert“, weiß Swetlana Wolf. So hat sie beobachtet: „Wenn einer der Gäste oder der Begleiter krank ist und deshalb nicht da sein kann, wird er von anderen Mitgliedern der Gruppe vermisst.“

Die Gäste im Café Malta werden vom Malteser Fahrdienst von zu Hause abgeholt und nach den Treffen wieder nach Hause gebracht. Wichtig ist den Begleitern, dass die Gäste ein Gemeinschaftsgefühl erfahren und fester Bestandteil einer Gruppe werden. Dazu verhilft das Gedächtnistraining, handwerkliches Arbeiten und Bewegung – etwa Tanzen im Sitzen. (st)

Telefon 06 61 / 953 1027

 

Dann setze ich mich dazu

Studenten-WG Foto: Sara Mierzwa
Treffpunkt WG-Küche. Lena Kreisl, der Hochschulpfarrer Stephan
Weißbäcker und einige Mitbewohner. Foto: Sara Mierzwa

Fünf Wohngemeinschaften (WG) mit 32 Zimmern und fünf Küchen und in einem anderen Haus eine WG für neun Personen: Das sind die Lebensräume der katholischen Hochschulgemeinde in Darmstadt. „Manchmal laufe ich durch den Flur und rieche Essen, dann setze ich mich einfach dazu“, sagt Lena Kreisl (21). Da hier Studenten aus vielen Ländern leben, werden oft Kochrezepte ausgetauscht. Im Partykeller spielen die Bewohner Tischfußball, im Wohnzimmer wird nicht nur ferngesehen, sondern auch „Tabu“ gespielt.

Nicht alle Bewohner sind katholisch, aber der Glaube spielt eine wichtige Rolle: In der Kapelle im Keller treffen sich die jungen Erwachsenen mit Hochschulpfarrer Stephan Weißbäcker zu Taizégebet, Eucharistiefeier und Meditation.  

„Mein Freundeskreis und die anderen Wohnheimstudenten sind eins“, bemerkt Lena: „Wenn einer von uns eine Krise hat, ist immer jemand da, der sagt: Das wird wieder.“ Was ist das Rezept für so viel Gemeinschaft? Heimleitung, Pastoralreferentin und Pfarrer organisieren jedes Semester ein Programm mit vielen gemeinsamen Aktivitäten. Für Putzplan und WG-Treffen sind die Studenten selbst verantwortlich. Struktur einerseits und Raum zum Selbstgestalten – zusammen ergibt das die gute Atmosphäre. (mia)

www.khg-darmstadt.de