14.06.2016

Eine Intellektuelle im Garten: Schwester Igna Kramp

Sie kennt sich aus

Eine Ordensschwester ohne Ordensgewand, eine Gartenexpertin ohne grünen Daumen, eine katholisch Fromme ohne katholische Erziehung. Igna Kramp birgt Überraschungen. Ein Porträt von Ruth Lehnen.
 

In der Erde von Sankt Georgen sollte Neues wachsen: Drei Sorten Samen bekam Schwester Igna Kramp zum Abschied von der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Frankfurt geschenkt: Banane, Ginkgo und Strelitzie. „Die Strelitzie, die hat es geschafft“, meint die Ordensschwester mit einem Lachen. Die Strelitzie, eine extravagante südafrikanische Schönheit, wird jetzt von ihr gehegt und gepflegt. Aber es gibt keinen Anlass für übertriebenen Optimismus. Igna Kramp hat „einfach keinen grünen Daumen“.
Und dass, obwohl sie eine Menge Lebenszeit dem Thema „Gärten“ gewidmet hat, genauer gesagt, den „Gärten im Johannesevangelium“.

Igna Kramp
"Mehr Freiheit, mehr Leben, mehr Heilung": Schwester Igna Kramp
Foto: Ruth Lehnen

Ihre zweite Doktorarbeit ist das, 300 Seiten Theologie, für die ein monatelanger Aufenthalt im Heiligen Land  nützlich war. Kramp kann etwas, was viele nicht können. Sie fasst ihr Forschungsergebnis in einem Satz zusammen. Bei den Gärten im Johannesevangelium geht es um das Paradies: Durch die Passion Christi wird das Paradies wieder eröffnet. „Eden entriegelt“ – so hat es einer ihrer Professoren zusammengefasst.

Katholisch gesehen ist sie erst 21 Jahre alt
Schwester Igna, die auf den Namen Marion getauft wurde, ist 41 Jahre alt. Katholisch gesehen ist sie aber jünger, erst 21 Jahre. 1995 ist sie konvertiert. Im katholischen Glauben habe sie „mehr Freiheit, mehr Leben und mehr Heilung gefunden“, sagt sie. Wie den meisten Konvertiten sei es ihr um die Sakramente gegangen, vor allem um die Eucharistie.
Anders als viele ihrer Altersgenossen, die von der Kirche enttäuscht sind, hat sie in 21 Jahren „sehr gute Erfahrungen“ mit der katholischen Kirche gemacht: Mit den Sakramenten, vor allem der Eucharistie und der Beichte, mit geistlicher Begleitung, mit der ignatianischen Spiritualität. Sie nennt es „Tiefenerfahrungen“, die 2002 zu ihrem Eintritt in die Congregatio Jesu (früher: „Maria-Ward-Schwestern“) geführt haben. Mit zwei weiteren Schwestern lebt sie heute im Ignatius-Haus in Frankfurt. In Mainz arbeitet sie als Dozentin beim Theologisch-Pastoralen Institut (siehe „Stichwort").
Einen Habit, das klassische Ordensgewand, hat sie gar nicht mehr. Sie trägt eine gestreifte Hose und ein schwarzes Poloshirt, in das das Kreuz ihres Ordens eingestickt ist. „Ein bisschen burschikos“, so beschreibt sie sich. Früher hat sie Rennen gerudert – „die anderen waren alle Jungs“ – und dabei gelernt, „Dinge durchzuhalten, nicht gleich wieder aufzuhören“. Allerdings sei Rudern ja ein Sport „ohne Feindberührung“, philosophiert sie, die direkte Auseinandersetzung sei eher nicht ihr Ding.

Erfahrungen im „Jahr der Barmherzigkeit“
Heute rudert sie nicht mehr, aber fährt noch viel Rad und wandert auch. Zuletzt hat sie mit Freunden ihre persönliche Wallfahrt zur Heiligen Pforte nach Limburg unternommen, von Frankfurt mit Zwischenstopp in Gnadenthal. Als Referentin bietet sie zwar vor allem Kurse zur Heiligen Schrift an, aber auch Besinnungstage zum „Jahr der Barmherzigkeit“. Barmherzigkeit: „Das verändert alles, das verändert die Welt!“ Darüber wollte sie nicht nur reden, sondern sich selbst einlassen, selbst durch diese Tür treten. Es war „ein Wochenende der Gnade“.

Weil Gott milde und zärtlich ist
Solche Sätze haut sie raus, fröhlich und unbefangen. Es fällt leicht, sich vorzustellen, wie sie in ihren Gruppen ab und zu das  angeht, was sie „Schattenthemen“ nennt; traditionell Katholisches, über das in der Kirche nicht mehr oft gesprochen wird: Sünde, Keuschheit, sogar Ablass. Denn die Heiligen Pforten in diesem „Jahr der Barmherzigkeit“ zu durchschreiten, soll Ablass bringen. Und sie erläutert, dass das lateinische Wort für Ablass – „indulgentia“ – Nachsicht, Milde, Güte, Gnade und Zärtlichkeit bedeutet. Absolut berechtigt findet sie die Kritik am historischen Ablasshandel. Aber  sie hält es für möglich, Menschen Gottes zärtlich-gütiges Wesen neu nahezubringen: „Vielleicht können wir die Tradition des Ablasses als Medizin für unsere verwundete Seele sehen, die man besser – wenn man das will – probiert als diskutiert.“

Stichwort: Theologisch-pastorales Institut

Das TPI ist das Fort- und Weiterbildungsinstitut der Diözesen Fulda, Limburg, Mainz und Trier für Priester, Diakone, Pastoralreferentinnen  und Pastoralreferenten, Gemeindereferentinnen und Gemeindereferenten.
Leiter ist Dr. Christoph Rüdesheim; Dozentinnen sind Schwester Dr. Igna Kramp und Dr. Regina Heyder.
Das TPI legt ein umfangreiches Kursprogramm auf.
Einige künftige Kurse von Schwester Igna: „Himmlische Aussichten. Die Johannes-apokalypse entdecken“; „Eros profan und Eros sacré. Entdeckungen mit dem Hohen Lied“; „Was in den Psalmen über mich geschrieben steht. Das Buch der Psalmen im Alten und Neuen Testament“.

Theologisch-pastorales Institut
Große Weißgasse 15;
55 11 6 Mainz; Telefon:
06131/ 2 70 88-0
E-Mail: info@tpi-mainz.de
www. tpi-mainz.de