24.08.2016

Jahresserie: Das Jesus-Team (8) – Bewahrer der Schöpfung

Sonnengesang im Regen

Gottes gute Schöpfung mit allen Sinnen erfahren – dazu kommt eine Gruppe im Fuldaer Franziskanerkloster Frauenberg zu Wanderxerzitien zusammen. Menschen, die sich wie sie für den Erhalt der Umwelt einsetzen, werden heute im „Jesus-Team“ gebraucht. Hans-Joachim Stoehr hat sie ein Stück begleitet.

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„Bei Sonne kann jeder wandern.“ Beate Rützel aus Großenlüder bei Fulda ist mit 20 weiteren Männern und Frauen in der Nähe  von Bad Salzschlirf unterwegs. Fast alle halten einen Schirm über sich. Es regnet – anfangs schwach, dann aber wird der Niederschlag stärker. Böse Mienen in den Gesichtern der Gruppe sucht man vergebens. Klar, könnte das Wetter besser sein. Aber deshalb im Haus bleiben?
„Wir wollten heute den Friedensweg in der Rhön gehen. Aber für dort gibt es eine Gewitterwarnung“, sagt Franziskanerpater Max Rademacher. Er leitet mit Angelika Umlauf, Mitglied der Franziskanischen Gemeinschaft in Fulda, die Exerzitien. Deshalb entschließt sich der Ordensmann, auf einem näher gelegenen Rundkurs in Bad Salzschlirf, einem Kurort westlich von Fulda, zu wandern.
Im Kurpark von Bad Salzschlirf wird trotz des Regens eine Wiese mit einem Wassersprenger befeuchtet. „Das muss doch nicht sein. Das ist doch nicht umweltfreundlich“, meint eine Teilnehmerin. Währenddessen durchbricht ein Gartenarbeiter mit seinem motorisierten Laubentferner die Stille des Morgens.

„Den Regen hatte Franziskus nicht auf dem Schirm“

„Ist im Sonnengesang des „Franziskus auch vom Regen die Rede“, fragt ein Teilnehmer. Pater Max schüttelt den Kopf und lacht. „Den  Regen  hatte  Franziskus nicht auf dem Schirm.“ Im Sonnengesang  sei vom  „Wind  und jeglichem Wetter“ die Rede. Für den Ordensmann darf der Sonnengesang nicht als romantische Dichtung missverstanden werden. Wenn Franziskus von „Brüdern“ und „Schwestern“ spreche, dann gelte das auch für die leidende Schöpfung, die unter dem Tun des Menschen ächze und stöhne.
„Im Sonnengesang ist alles angesprochen, was wir zum Leben brauchen. Selbst der Frieden und das Verzeihen sowie der Tod“, sagt Angelika Umlauf dazu. Die Menschen müssten das jedoch in ihrem Alltag leben. Jeder da, wo er kann und was er kann – in vielen kleinen Schritten. Umlauf fügt hinzu: „Wir sollten dafür Sorge tragen, damit es ein Dank und Lobpreis an Gott sein kann und nicht ein romantisches Bild von irgendeiner Welt. Es ist unsere Welt – wir sind in eine Verantwortung genommen!“

Regentropfen klingen im Wald wie ein Wasserfall

„Wir wollen auf die Schöpfung hören“, hat Pater Max die Teilnehmer beim morgendlichen Gottesdienst aufgefordert. In Stille gehen die Mitglieder der Gruppe durch ein Waldstück. Regen prasselt auf die Schirme. Aber das ist nicht das einzige Geräusch, das der Wanderer vernimmt. Die Regentropfen, die auf die Blätter fallen, erzeugen ein Rauschen, als ob in der Nähe ein Wasserfall in die Tiefe stürzt. In dieses Rauschen mischt sich in der Ferne das Geräusch des dieselbetriebenen Regionalzugs. „Ja. Man hört eine ganze Menge“, meint Erika Wolfschütz aus Wiesbaden.
Aber nicht nur die Ohren hören auf die Schöpfung. „Wie das duftet!“, unterbricht Ursula Zehfuß leise das Schweigen. Sie stammt aus Böhl-Iggelheim in der Nähe von Speyer. Die Wanderin atmet tief durch die Nase ein. Durch die warmen Temperaturen und den Regen ist der Geruch des Waldes in ganz neuer Weise für manchen zu spüren.
Zehfuß pflückt immer wieder Blumen am Wegesrand. Das macht sie bei jeder Wanderung. Später dann werden sie Blumenschmuck sein im Meditationsraum, in dem sich die Gruppe zum Gebet trifft. „Blumen und Neugeborene sind für mich besondere Zeichen der Gegenwart Gottes“, erklärt sie . Denn: „Blumen sind unnütz und zweckfrei. Sie stehen für den Überfluss der Schöpfung, mit dem uns Gott so reich beschenkt.“ Sie verweist auf das Evangelium. Dort heißt es: „Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen ... Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen.“ Und so bückt sich Zehfuß  immer wieder unter dem Regenschirm, um eine weitere Pflanze zu pflücken, die ihren Strauß bereichert.
Weil es einen Anstieg hinaufgeht, ist die Gruppe etwas auseinandergezogen. Jeder geht für sich und folgt seinen Gedanken. „Im Gehen wird man still. Und man hört anders“, sagt Schwester Klara Weiß aus dem fränkischen Mellrichstadt. Franziskus ist der Patron ihrer Ordensgemeinschaft. Sie hat schon öfter an Wanderexerzitien teilgenommen. Den Sonnengesang, den singen sie oft in der Schwesterngemeinschaft. „Gott will uns mit allem etwas sagen. Wir müssen nur bereit sein, zu hören“, hat Schwes-ter Klara erkannt.