29.07.2014

Auch Ordensleute brauchen mal eine Auszeit

Urlaub vom Kloster

Urlaub im Kloster wird immer beliebter. Doch wie machen eigentlich Ordensleute Urlaub? Haben sie überhaupt einen Anspruch auf ein paar freie Tage, wer bezahlt die verdiente Auszeit - und wohin zieht es Mitglieder geistlicher Gemeinschaften, wenn sie die Koffer packen? Ein Streifzug durch die Ordenslandschaft.

Eine Auszeit am Meer – auch für Ordensleute ist Erholung wichtig. Foto: kna-bild

Angehörige streng klausuriert lebender Gemeinschaften wie Karmelitinnen und Kartäuser fahren aufgrund der "Stabilitas loci" - der Beständigkeit des Ortes, die ihnen auf Lebenszeit das Verlassen des Klostergeländes untersagt - gar nicht in Urlaub. So dürfen die Trappisten in der Eifel-Abtei Mariawald allenfalls bei schlimmen Krankheiten oder einem Todesfall in der Familie die Abtei verlassen, wie ein Ordensmann verrät.

Alle anderen Gemeinschaften sehen durchaus vor, dass sich Ordensfrauen und -männer erholen dürfen. Wie viele Tage ihnen dafür im Jahr zustehen, das sei von Kongregation zu Kongregation verschieden, erklärt Arnulf Salmen, Sprecher der Ordensobernkonferenz. Fest steht nur: Bei Gemeinschaften, deren Mitglieder anstrengenden Arbeiten nachgehen und im Erwerbsleben stehen, sei Urlaub durchaus üblich; meist sind das zwischen zwei und vier Wochen pro Jahr.

Doch wovon bezahlen Ordensleute die freien Tage? Schließlich verdienen sie kein eigenes Geld. "Das wird aus unserem Gemeinschaftstopf finanziert", erläutert etwa Schwester Ruth Schönenberger von den Missions-Benediktinerinnen Tutzing. Dort hinein komme alles, was die Schwestern im Rahmen ihrer Beschäftigungen im Kloster oder außerhalb erwirtschafteten.
 

"Was wollen wir uns leisten?"

Benötige eine Schwester etwas, oder möchte sie in Urlaub fahren, werde gemeinsam beraten: "Was wollen wir uns leisten? Was passt zu unserem Lebensstil?" - das sei nicht anders als ein einer Ehe. Dann werde ein individueller Betrag festgelegt, die jede Schwester für ihren Urlaub verwenden könne. Dieses Urlaubsgeld könne sie dann "ohne Abrechnung verputzen", schließlich müsse man "nicht päpstlicher als der Papst sein", bemerkt die Benediktinerin schmunzelnd. Und: Wer im einen Jahr etwas sparsamer sei, könne im nächsten Jahr für seinen Urlaub vielleicht etwas mehr ausgeben.

Die Tutzinger Benediktinerinnen unterhalten in ihrem Kloster zudem ein eigenes Ferienhaus für Ordensfrauen. Dort können diese sich entweder Vollpension verwöhnen lassen oder als Selbstversorger wohnen. Es gebe eine interne Liste mit zahlreichen weiteren Gästehäusern, "wo Ordensleute im Urlaub unterkommen können", verrät Schwester Ruth.

"Spiritualität und Wellness - Erholung für Leib und Seele" verspricht das Kloster Arenberg bei Koblenz auf seiner Homepage. Doch auch die Dominikanerinnen selbst, die unter anderem ein Gästehaus mit Wohlfühlangeboten betreiben, nehmen sich regelmäßig Zeit zum Auftanken. Ab der Ersten Profess habe jede Ordensfrau vier Wochen Jahresurlaub, verrät Schwester Ursula Hertewich. Die Ferien könnten frei gestaltet werden, allerdings verbrächten sie den Urlaub nur in dem Schweizer Ordenskonvent in Rickenbach oder innerhalb Deutschlands. "Dabei nehmen wir uns natürlich kein Zimmer in irgendeinem Luxushotel, sondern sollten uns an einem Pensionspreis von circa 40 Euro pro Nacht orientieren", stellt Schwester Ursula klar.
 

Urlaub zur "Regeneration und geistlichem Aufbau"

Auch im oberfränkischen Vierzehnheiligen hat jede Ordensfrau einen Anspruch auf 28 Tage Urlaub, "inklusive den Samstagen und Sonntagen". Dieser solle "der Regeneration und dem geistlichem Aufbau" dienen, erklärt die Generaloberin. Wie die Franziskanerinnen diese Zeit verbringen, können sie selbst entscheiden: mit Familienbesuchen, einer Bildungsreise oder Bergwandern mit Mitschwestern. So unterhält die Gemeinschaft in Österreich eine kleine Berghütte, die zum Urlaub einlade. Beliebt sei auch ein Ferienaufenthalt in anderen Klöstern, etwa am Bodensee.

Was aber machen Missionare im Auslandseinsatz? Auch sie dürfen regelmäßig Urlaub machen und in ihre Heimat reisen, aufgrund der Entfernung aber in größeren Abständen und dann meist für zwei bis drei Monate. In Deutschland erwarte sie nicht selten ein "strammes Programm, weil die Missionare auch Gemeinden besuchen, die ihre Arbeit unterstützen und Vorträge halten", weiß Arnulf Salmen.

kna