30.03.2016

Helmut Schlegel leitet ein Meditationszentrum, schreibt Bücher und nimmt Menschen die Beichte ab

Viele Berufe, eine Berufung

Auf dem Bauernhof, in einem Hochhaus in Frankfurt und jetzt im Exerzitienhaus in Hofheim: Helmut Schlegel hat an vielen Orten gelebt und gearbeitet. Seit kurzem hat der Franziskanerpater noch eine neue Berufung: Er ist „Missionar der Barmherzigkeit“. Von Sara Mierzwa.

 

Helmut Schlegel Foto: Sara Mierzwa
Geduldig und voller Liebe und Teilnahme sollen die Missionare der Barmherzigkeit
sein.Helmut Schlegel versucht, so zu leben. Foto: Sara Mierzwa

„Wenn wir mit uns selbst barmherziger werden, können wir auch mit anderen Menschen tolerant sein“, sagt Helmut Schlegel. Diese Botschaft will er den Menschen näher bringen: Als Meditationslehrer, als Franziskanerpater, als Autor und seit Beginn des Jahres auch als „Missionar der Barmherzigkeit.“
Mit sieben anderen Geistlichen im Bistum Limburg wurde er vom Papst dazu ernannt. Die Missionare sollen dem Thema Barmherzigkeit ein Gesicht geben und können von besonders schwerer Schuld, so genannten reservierten Sünden, frei sprechen.

Barmherzigkeit im Pendler-Alltag

Bei der Aussendungsfeier in Rom am Aschermittwoch war Helmut Schlegel nicht dabei, weil er den „Aschermittwoch für Lebenskünstler“ im Zentrum für christliche Meditation und Spiritualität Heilig Kreuz in Frankfurt organisiert hat. Dort ist er seit 2007 Leiter und bietet Meditationstage und Exerzitienkurse an. Mehrmals pro Woche fährt er von Hofheim mit dem Auto oder Zug nach Frankfurt. Auf dem Weg begegnet ihm alltägliche Barmherzigkeit: Jemand gewährt ihm die Vorfahrt oder ein Schüler in der Straßenbahn bietet ihm einen Sitz an. Vor ein paar Wochen ist er nach Limburg gefahren, um sich mit den anderen „Missionaren der Barmherzigkeit“ zu treffen.Wie kann das Thema Barmherzigkeit und Beichte mehr in die Öffentlichkeit gebracht werden? Wie können Frauen als Missionarinnen der Barmherzigkeit mehr gewürdigt werden? Diese Frage haben sich die Männer beim Treffen mit Weihbischof Thomas Löhr gestellt.

Acht Missionare der Barmherzigkeit aus dem Bistum Limburg: Diese große Zahl führt Helmut Schlegel auf das Engagement des Weihbischofs für das Thema zurück. „Mir war nicht wichtig, einen besonderen Titel zu haben, sondern die Bereitschaft, in der Versöhnungspastoral zu wirken“, sagt er.

„Versöhnung spielt im Leben eine große Rolle“

Viel verändert hat sich für Helmut Schlegel mit dem neuen Titel nicht, aber er bekommt häufiger Anrufe von Menschen, die um ein seelsorgerliches Gespräch bitten. Wie immer bietet er Einkehrtage, Vorträge und Impulse zum Thema Barmherzigkeit an. Einmal hat er von einer reservierten Sünde losgesprochen. „Unabhängig vom Jahr der Barmherzigkeit merke ich, dass das Thema Versöhnung im Leben der Menschen eine große Rolle spielt: Versöhnung mit sich selbst, mit der eigenen Lebensgeschichte und mit anderen“, sagt er.

Seine Lebensgeschichte begann 1943 in Riedlingen an der Donau. Seine Kindheit erlebte er auf einem Bauernhof in Oberschwaben. Jetzt lebt er mit fünf Ordensbrüdern im Exerzitienhaus. 1988 bis 1998 war er dort Leiter des „Franziskanischen Zentrums für Stille und Begegnung“.

Helmut Schlegel mag nicht nur die Stille, er mag auch Musik. Er schreibt Bücher und Texte für geistliche Lieder. Sein neues Werk in diesem Jahr mit Kirchenmusiker Peter Reulein heißt: „Laudato Si – ein franziskanisches Magnificat“.

Wenn die Menschen zu Gesprächen mit ihm kommen,  zündet er eine Kerze an, hört aufmerksam zu und antwortet mit achtsam gewählten Worten. Nach dem Reden soll es weitergehen: Barmherzigkeit und Schuld sind für Helmut Schlegel nicht nur innere Prozesse, sondern sollen sich auch in Aktionen zeigen. So legt er etwa nach den Gottesdiensten in Heilig Kreuz Listen aus, um Unterschriften gegen Menschenrechtsverstöße zu sammeln.

In Alltagssituationen kann jeder Mensch Vergebung üben, meint Schlegel. „Morgens bin ich ein Einsiedler und kriege den Mund nicht auf“, sagt er. Sein Schweigen beim Frühstück nehmen ihm seine Mitbrüder nicht übel. Umgekehrt versucht Helmut Schlegel gegenüber den „Vielrednern“ tolerant zu sein.
„Ich bin nicht

perfekt und habe Gefühle wie Eifersucht oder Neid. Alleine schaffe ich es manchmal nicht, aus solchen unreifen Gedanken und Verhaltensweisen herauszukommen. Dafür brauche ich die Zuwendung Gottes“, sagt er.

Gesprächsangebote sind ihm wichtig, aber er merkt auch, dass die klassische Beichte von immer weniger Menschen angenommen wird. Junge Menschen kommen kaum zu ihm. Und das, obwohl Helmut Schlegel sich mit ihnen gut unterhalten könnte, er ist nicht weltfremd. Beim letzten Kinobesuch hat er sich Star Wars angesehen.

Er selbst spricht ebenfalls regelmäßig mit jemandem über sein Leben. Zu dieser Begleitung gehört für ihn auch das Bußsakrament. Barmherzigkeit ist ihm nicht nur gegenüber den Mitmenschen,  sondern auch gegenüber der Schöpfung wichtig. Er versucht,  seinen Wasserverbrauch zu reduzieren, isst in der Fastenzeit weniger Fleisch und zieht sich warm an, um Heizkosten zu sparen. Es sei denn, er ist erkältet.
Sich Schuld einzugestehen ist ein wichtiger Schritt, sich verändern der nächste. Vielleicht ist das der Grund, warum Helmut Schlegel gerne meditiert und pilgert: erst innehalten und dann loslaufen.

www.helmut-schlegel.de