06.04.2016

Johannes Kopp ist Pallottiner-Pater und Zen-Meister

Was ist das mit dem Menschsein?

Vermessungstechniker, Gebirgsjäger, Schauspieler, Pallottiner und Zen-Meister. Pater Johannes Kopp, Jahrgang 1927, hat einen ungewöhnlichen Lebensweg. Er gilt als deutscher Wegbereiter der Begegnung von Christentum und Zen-Buddhismus. Von Anken Bohnhorst-Vollmer.

Johannes Kopp Foto: Anken Bonhorst Vollmer
Johannes Kopp ist Pallottiner-Pater und Zen-Meistert.
Foto: Anken Bohnhorst-Vollmer

„Seien Sie mir willkommen“, verabschiedet sich Pater Johannes Kopp am Telefon. Selbstverständlich stehe er für ein Gespräch zur Verfügung. Auch fotografieren dürfe man ihn: „Ich mache dann ein nettes Gesicht.“ Pater Johannes Kopp ist 88 Jahre alt, er ist Pallottiner, Meister des Zen-Buddhismus. Er hat viel zu erzählen aus seinem langen, erfüllten Leben, das in der Adventszeit des Jahres 1927 im schwäbischen Allmendingen bei Ulm begann. Er könne also, falls gewünscht, die Unterhaltung in perfektem Schwäbisch führen, sagt er vergnügt.

Sein erster Berufswunsch als Grundschulbub sei Cowboy gewesen, erzählt er. Und weil daraus nichts wurde, er keine andere Idee hatte und die „damalige Situation extrem depressiv“ war, „haben Sie es nun mit einem staatlich geprüften Vermessungstechniker zu tun“, stellt der 88-Jährige schmunzelnd klar. Gegen Kriegsende hat er sich freiwillig bei den Gebirgsjägern als Reserveoffizier beworben. Eine Entscheidung, die Johannes Kopp das Leben gerettet haben dürfte, „weil die Ausbildung mit den Schwerpunkten ,Schießen und Skifahren’ so lange dauerte, dass ich nicht an die Front geschickt wurde“.

Vom Kriegsgefangenen zum Schauspieler und Priester

Er geriet in amerikanische Kriegsgefangenschaft – zur gleichen Zeit und am gleichen Ort wie der spätere Papst Benedikt XVI. – und kehrte nach seiner Freilassung in seinen erlernten Beruf zurück. Aber, sagt der Geistliche, er habe gespürt, „es stimmt etwas nicht im Bewusstsein“. Er entdeckte eine weitere Begabung: die Schauspielerei. Lange habe er sich geprüft, ehe er sich dieser Leidenschaft widmete. „Die Schauspielschule in Stuttgart ist die intensivste Lebensschule gewesen“, ist Pater Johannes Kopp überzeugt, denn stets ging es um die Frage: „Was ist das mit dem Menschsein?“ Er beschäftigte sich mit den Abschiedsreden im Johannes-Evangelium, spielte bei den Freiburger Passionsspielen den Johannes unterm Kreuz und merkte, dass er weitergehen musste: „Für mich gab es nur einen Weg. Ich wollte Priester werden.“

Es sei ein schwerer Weg gewesen, räumt er ein, „aber ich habe durchgehalten, weil ich auf den Tod entschlossen war, das zu tun“. Die Entscheidung habe er keinen einzigen Tag bereut.

An der Spätberufenenschule der Pallottiner in Limburg holte Johannes Kopp 1957 das Abitur nach. Nach Noviziat und Studium wurde er 1963 zum Priester geweiht, ein paar Jahre später unterrichtete er an einer Gesamtschule in Mülheim an der Ruhr. Zu Beginn der 1970-er Jahre wurde er gefragt, ob er sich „im Bereich der Meditation einbringen“ könne. „Ich übernahm die Aufgabe“, berichtet Pater Kopp, „zunächst allerdings ohne Begeisterung“.

Verbindung von Christentum und Buddhismus

Er unternahm seine ersten Reisen nach Japan und begann die Faszination des Zen-Weges zu entdecken. „Christliche und buddhistische Tradition inspirieren sich gegenseitig zu einem neuen Weg der Selbstfindung und Gotteserfahrung“, ist er überzeugt. Er habe die „weltbeste Ausbildung für Meditation“ genossen, erklärt der Pallottiner, hält einen kurzen Augenblick inne und lächelt. „Die unendliche Wirklichkeit ist in mir.“ Das ist sein großer Glaube. Bereits 1985 erhielt Kopp die Zen-Lehrbefähigung. 2005 wurde er zum Zen-Meister ernannt und von der Aufforderung seines eigenen japanischen Meisters Yamada Kôun Roshi geleitet: „You must realize that Jesus Christ is in you.“ („Du musst erkennen, dass Jesus Christus in dir ist.“) Auf das „in“ kommt es an, unterstreicht Pater Johannes Kopp. Wieder tritt sein schauspielerisches Talent hervor, weil er sorgfältig spricht und jede Silbe nicht nur mit den Lippen, sondern auch mit seinen Händen zu formen scheint. Nur: Pater Johannes spielt nicht. Er ist authentisch.

Er ist er selbst. Pater Johannes Kopp lebt, was schon Vinzenz Pallotti, Priester und Gründer der Pallottiner, so formuliert hat: „Meine Lieblingsbeschäftigung ist es, Alles im Nichts zu sehen.“ Einmal mehr beweise diese Erkenntnis von Vinzenz Pallotti die tiefe Verbundenheit von Buddhismus und Christentum, weshalb Pallotti als erstem Christen die Zen-typische Erleuchtung zuerkannt worden sei, erklärt Pater Johannes und strahlt. Alles im Nichts zu sehen, die Überwindung der Dualität von Körper und Geist – Tag und Nacht könne er darüber sprechen, versichert der Geistliche. In seinem aktuellen Buch „Gebet als Selbstgespräch“ habe er darüber geschrieben, „weil es mich erfüllt und weil ich dankbar bin für alles“, sagt er. „Ich möchte die Menschen hinführen zur Dankbarkeit.“ Denn wer dankbar sei, der werde erhoben. Wer aber klagt, der werde erdrückt.

 

Das Buch "Gebet als Selbstgespräch"

„Gebet als Selbstgespräch. Gebet und Koan als Beziehung zu Gott in mir“ heißt das aktuelle Buch von Pater Johannes Kopp. Koan ist der Ausdruck für eine kleine Anekdote über die beispielhafte Handlung oder Aussage eines Zen-Meisters. „So sei diese Schrift Suchenden gewidmet, die offen sind für die Geheimniswirklichkeit des Menschen“, schreibt Pater Kopp. Gebet als Selbstgespräch – „einen anderen Weg zum Einswerden mit sich selbst gibt es nicht“. Reden mit Gott sei letztlich ein Selbstgespräch, so der Autor. Er ist davon überzeugt, dass die Zen-Kontemplation für Christen zu einem Weg der Glaubenserfahrung werden kann. Die Begegnung von Zen-Buddhismus und Chris-tentum sieht er „als Forderung und Inspiration für die Suche nach dem Gemeinsamen, dem kostbaren Potenzial der Weltreligionen für den Frieden in der Welt“.

Johannes Kopp, „Gebet als Selbstgespräch“, 23,90 Euro, Pallotti-Verlag, Friedberg. Versandkostenfrei zu bestellen unter www.pallotti-verlag.de