25.02.2014

Was ist ein „Hilfspfarrer“?

Was ist ein „Hilfspfarrer“? So wird zum Beispiel der Texter des Liedes „Stille Nacht, heilige Nacht“, Joseph Mohr, betitelt.
U. G., Eggermühlen


Bisweilen wird in Kreuzworträtseln nach einem „katholischen Hilfspfarrer“ mit sechs Buchstaben gesucht. Die Lösung lautet dann „Kaplan“. Das ist jedoch nicht ganz richtig. Ein Kaplan ist kein Pfarrer, wohl aber ist er Priester, der zum Beispiel in der Pfarrei (Aushilfs-)Dienste leistet. In der Regel ist die Bezeichnung Kaplan eine „Durchgangsstufe“ der Ausbildung für einen erst vor kurzer Zeit geweihten Priester auf dem Weg zum Pfarrer.
Pfarrer ist der Leiter einer Pfarrei (siehe im Kirchenrecht Canon 515,1). Der Titel Pfarrer kann aber auch als persönlicher Titel verliehen werden an Priester, die eine bestimmte Aufgabe übernommen haben – etwa als Bischofskaplan, also Sekretär des Bischofs, oder als Schul- oder Krankenhausseelsorger. Für Priester, die nicht leitende Pfarrer in einer Pfarrei sind, gibt es die Bezeichnung (Pfarr-)Vikar (lateinisch vicarius cooperator), die in der Pfarrseelsorge mit dem Leiter kooperieren (Canon 517,1).
Das Kirchenrecht kennt den Begriff des Vikars auch in Wortverbindungen wie Generalvikar oder Bischofsvikar oder Apostolischer Vikar. Damit sind Stellvertreteraufgaben gemeint: etwa der Generalvikar, der den Bischof in den Verwaltungsangelegenheiten einer Diözese vertritt.
„Hilfspfarrer“ ist also eine volkstümliche Bezeichnung für einen Priester, der in einer Pfarrei aushilft; es ist keine ausdrückliche Bezeichnung, die das Kirchenrecht kennt. Am ehesten ist diese Aufgabe heute mit dem Begriff des Pfarrvikars umschrieben (Canon 545 ff.), der dem Pfarrer untersteht und ihn in dessen Abwesenheit vertreten kann. Es ist auch möglich, dass – sofern genügend Personal verfügbar ist – mehrere Pfarrvikare mit einem Pfarrer für ein größeres Pfarrgebiet kooperieren.
Michael Kinnen