05.01.2017

Acht Gründe, warum es dir Gruppe Horizont seit 30 Jahren gibt

Weder Band noch Chor

Musikgruppe klingt zu langweilig, finden die „Horizont“- Musiker. Ein Chor sind sie nicht, eine Band und ein Orchester auch nicht. Vielleicht passt Ensemble gut zu den 13 Mitgliedern, die vor allem eins möchten: mit Freude musizieren: acht Gründe, warum das seit 30 Jahren funktioniert. Von Sara Mierzwa.

1. Weil sie lebendige Kirchenmusik machen

„Die meisten Zuhörer singen spätestens bei der zweiten Strophe mit“, sagt Albert Kobinger, der das Ensemble leitet und von Anfang an mit dabei ist. Die Musikgruppe „Horizont“ will nicht nur Stücke vortragen, sondern vor allem die Menschen zum Mitsingen begeistern. Sie will gemeinsam mit der Gemeinde Gott bitten, loben und danken. Wenn die ältere Frau zu „Hevenu Shalom“ aufsteht und ihren Schal schwingt oder ein Kind nach dem Gottesdienst eine Melodie weitersummt, dann ist lebendige Musik geglückt, findet Albert Kobinger.

2. Weil sie in Wohnzimmeratmosphäre proben

Musikprobe im Wohnzimmer. Foto:Helmut Kobinger
Musikprobe im Wohnzimmer. Foto: Helmut Kobinger

Die meisten Proben finden bei Familie Kobinger im „Lebe-Zimmer“ statt. Dort stehen ein Klavier, das Playmobilhaus der Tochter zum Spielen, ein Sofa und eine Anrichte. Wenn sich die Musikgruppe trifft, dann wird der Esstisch zur Seite geschoben und die Stühle werden im Kreis aufgestellt. Manche Musiker sitzen auf dem Sofa, andere auf den Stühlen oder auf dem Boden. Hauptsache bequem und mit Blick zum Klavier. Dort sitzt Albert Kobinger (47) oder seine Tochter Anna (16). Die beiden leiten den Chor inzwischen  öfter gemeinsam.

3. Weil sie sich um Nachwuchs kümmern

Neuzugezogene in der Gemeinde lädt die Gruppe Horizont zum Kennenlernen und Mitmachen ein. Und wenn es für die Jüngeren mit dem Rhythmus oder Taktezählen noch nicht so klappt, dann helfen die Älteren mit und zeigen den richtigen Einsatz. Eine Zeitlang gab es in der Gemeinde die „Klimperkinder“, die unter anderem von Walburga Kobinger geleitet wurden. Da wurde musikalischer Nachwuchs gefördert.  Ein Jahr lang machte Horizont auch beim Firmprojekt mit und lud gezielt Firmlinge zum Musizieren ein.

4. Weil verschiedene Generationen mitmachen

Die Gruppe musiziert im Freien. Foto:privat
Die Gruppe musiziert bei der Dekanatswallfahrt. Foto:privat

Das jüngste Mitglied ist neun Jahre alt. Antonia Kobinger spielt Geige, weil ihre große Schwester auch Geige spielt. „Wenn ich mit Musik mache, dann ist der Gottesdienst nicht so langweilig und ich muss nicht nur rumsitzen“, sagt Antonia. „Musik hält Finger, Gelenke und meinen Geist jung. Das ist gut“, sagt ihre Großmutter Walburga Kobinger (69), die Gitarre spielt. Zwischen jüngstem und ältestem Mitglied ist die Gründergeneration mit ihren Kindern. Wie es weiter geht, wenn die Kinder für das Studium wegziehen, wissen die Älteren noch nicht.

5. Weil sie eine bunte Mischung sind

Manche Musiker klappen ihren mehrfarbigen Notenständer für die Notenblätter aus. Zwei Frauen tragen eine regenbogenbunte Perlenkette. Die Kinder und Männer tragen einen Regenbogenschal – das Erkennungszeichen der Gruppe. Auch die Berufe der Musiker sind verschieden: Hausfrau, Schüler, Bankmitarbeiter, Geologin und Buchhalterinnen machen mit. Und die Instrumente-Mischung ist ebenfalls vielfältig und hat sich über die 30 Jahre immer wieder verändert. Zwei Klarinetten, Gitarre, Trommel, Geige, Flöten, Fagott und das Klavier sind bei Proben und Auftritten dabei.

6. Weil sie Krisen mit Humor meistern können

Inzwischen gibt es viele Menschen, die nur in den Gottesdienst kommen, wenn die Gruppe Horizont spielt. Am Anfang, berichtet Helmut Kobinger scherzhaft, gab es auch Leute, die dem Gottesdienst fern blieben, wenn die Gruppe spielte. Die Ausstattung zu Beginn war mager: kein eigenes Mischpult, ein Keyboard und kleine Boxen. Einige Jugendliche aus dem Ried taten sich 1986 unter dem Namen Horizont zusammen, um andere mit Musik für Jesus zu begeistern. Der Pfarrer Philipp Haubrich unterstützte die Gruppe. „Das Pflänzchen muss wachsen“, sagte er. Gerissene Saiten, vergessene Instrumente, defekte Mischpulte und pubertierende Firmlinge bringen die Gruppe nicht aus der Fassung. Sie machen weiter Musik – dann eben improvisiert.

7. Weil sie ihr Repertoire erweitern und überarbeiten

Die Musiker tragen als Erkennungszeichen einen Regenbogenschal. Foto: privat
Die Musiker tragen als Erkennungszeichen einen
Regenbogenschal. Foto: privat

Früher hat die Gruppe viele „neue geistliche Lieder“ gesungen. Jetzt spielen sie auch christliche Popularmusik – mit Rock, Pop, Jazz und Swing. Von Kirchentagen und Katholikentagen bringen sie Stücke mit in die Gemeinde.  Die Gruppe ist konfessionsverbindend mit evangelischen und katholischen Musikern. Auch vom Weltgebetstag sind schon öfter Lieder hängen geblieben, wie das Halleluja aus Hawaii oder ein Wasserlied aus Ägypten. Andere Stücke sind schon jahrelang im Repertoire und werden immer weiter ausgebaut. Das „Kyrie Eleison“ ist so ein wachsendes Musikstück. Am Anfang gab es nur eine Strophe. Jetzt gibt es viele instrumentale Zwischenspiele, und Anna Kobinger, die auch in einem Jazz-Orchester spielt, hilft ihrem Vater und Gabi Hönisch, mit der Klarinette den Rhythmus zu halten.

8. Weil ihr Name zugleich Motto der Gruppe ist

Im Lexikon steht als Definition für den Horizont: „die scheinbare Trennnungslinie zwischen der Erdoberfläche und dem Himmelsgewölbe“. Die Musiker wollen Himmel und Erde mit Musik verbinden. Bei der jährlichen Dekanatswallfahrt in Maria Einsiedel spielen sie dafür bei gutem Wetter auch im Freien.

 

Weitere Informationen: www.bonifatius-riedstadt.de/musik/horizont.php