25.01.2012

Jahresserie (1) – Hierarchie der Werte

Weil der Laptop nicht trösten kann

Kindern und Jugendlichen wird oft nachgesagt, sie hätten keine Werte mehr, würden nicht damit vertraut gemacht, wüssten gar nicht, was das ist. Die Kirchenzeitung hat ein Experiment gewagt, um herauszufinden, ob das stimmt. Von Julia Hoffmann.

Kinder sortieren ihre Werte auf Karteikarten
Tilman Weber (9), Chantel Mirzaei (9), Karla Weber (9) und Karlo Kaminski
(10, von links) aus Fulda hantieren mit ihren Werten. Die Schulkinder überlegen
sich eine Reihenfolge für das, was ihnen am wichtigsten ist. Foto: Julia Hoffmann

„Wert bedeutet, wieviel etwas wert sein kann, wenn man es zum Beispiel wiegt. Auch im Vergleich zu anderen Dingen“, sagt Tilman Weber auf die Frage, was Werte sind. Gemeinsam mit drei anderen Kindern aus den Klassen 4 A und B der Adolf-von-Dalberg- Schule in Fulda sitzt er am Tisch und diskutiert.

Karlo Kaminski kennt Werte aus dem Deutschunterricht: „Da ging es um Geld, und wenn man das eintauscht, wieviel es wert war. Zum Beispiel ging es darum, dass eine Kuh mehr wert ist, als ein Apfel“, sagt er.

„Also für mich bedeuten Werte, dass kein Mensch mehr wert ist als ein anderer Mensch“, schiebt Karla Weber hinterher. Dieser Aussage stimmen die anderen zu. „Das hast du bestimmt in der Kirche gelernt“, sagt Chantel Mirzaei. Karla sagt, dass sie mit ihrer Mutter darüber gesprochen hat. „Ich verbinde das Wort mit menschlichen Werten. Jeder kann etwas gut und ist etwas wert“, sagt Karlo Kaminski.

Nach diesem Einstieg stellt sich die Frage: „Was ist euch etwas wert?“ Chantel muss nicht lange überlegen: „Meine Familie und meine Freunde sind mir am wichtigsten“, sagt die Neunjährige. „Genau, Familie“, bestätigt Karla. „Aber auch Gott, Jesus und die Kirche“, ergänzt das Mädchen aus Fulda. Als weitere Werte nennen die Kinder Spielzeug, einen Laptop, schöne Haare und Haustiere. Auch Oma und Opa sind wichtig, findet Tilman.

Auch Jesus, der Laptop und Oma und Opa sind Werte

Alle Begriffe werden auf Karteikarten geschrieben. Dann geht es an das Sortieren. Schon bald droht ein Streit darüber auszubrechen, ob die Familie oder Gott wichtiger ist. Und ob Gott so wichtig ist wie Jesus. Bevor es an die Feinabstimmung geht, sortieren die Kinder ihre Werte zunächst in Gruppen. Die oberen Bereiche sind schnell gefüllt. In der Mitte platzieren die Fuldaer Kinder Tiere und Haustiere. Die seien zwar nicht ganz so wichtig wie Eltern und Freunde, aber auch nicht so unwichtig wie etwa Spielzeug. Im unteren Drittel – da sind sich die Kinder schnell einig – landen Spielzeuge, der Laptop, und auch die schönen Haare.

Um eine Einigung zu erzielen, dürfen die Kinder je zwei Stimmen für die Werte vergeben, die ihnen am wichtigsten sind. Der wichtigste Wert ist demnach die Familie, jeder gibt ihr seine Stimme. Die Karte „Oma und Opa“ legen die Kinder daneben, denn sie gehören schließlich zur Familie dazu.

Die zweite Stimme geht an Gott

„Mir ist meine Familie am Wichtigsten, weil mich mein Vater und meine Mutter trösten, wenn ich traurig bin, und weil sie immer für mich da sind“, sagt Karlo zu seiner Entscheidung. „Mir steht meine Familie am nächsten“, bestätigt Karla. Sie hat ihre zweite Stimme Gott gegeben, weil er sie beschützt und auf sie aufpasst.

Chantel hat ihre Stimme der Familie geben, weil diese viel für sie tue und weil sie sie einfach mag. „Und weil meine Familie wichtiger ist als ein Laptop“, sagt Tilman. „Genau“, bekräftigt Karlo: „Weil mich ein Laptop nicht trösten kann, und nichts mit mir unternimmt, wie meine Familie es tut.“

 

Zur Sache: Ihre Werte sind gefragt

Machen Sie mit: Ihre persönlichen Werte sind gefragt. Halten Sie es mit Augustinus? „Liebe, und tue, was du willst.“ So sagte der Kirchenlehrer. Im festen Vertrauen darauf, dass der Liebende richtig handelt. Welche „Werte“ bestimmen Ihren Alltag? Sind es dieselben im Familienleben und im Beruf?
Gibt es eine Rangfolge der Werte? Und wie gehen Sie damit um, wenn Sie hinter den eigenen wertvollen Ansprüchen zurückbleiben?

Gibt es für Sie „Werte“, die Sie lieber als „Moden“ bezeichnen? Die dem Zeitgeist folgen und
nicht dem Heiligen Geist? Und gibt es solche Werte, die für Sie in eine andere Zeit passten und
längst unmodern geworden sind? (job)

Schreiben Sie uns unter dem Stichwort „Werte“!
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