30.08.2014

Kommentar

Welch ein Wahnsinn …

Von Roland Juchem

Es ist zum Verzweifeln: IS-Terroristen, deren Horror immer offenbarer wird, haben in Syrien einen Militärflughafen erobert – samt Kampfflugzeugen und Raketen. 1,5 Millionen Menschen haben sie bereits vertrieben. Mit Gräuelvideos versuchen sie den Westen in einen Krieg zu ziehen, der ihnen in der bisher kritischen arabischen Welt Sympathien bescheren könnte.

Ausgerechnet Syriens Dikator Assad, der die IS-Kämpfer einst gewähren ließ, um die Opposition gegen ihn zu diskreditieren, bietet sich nun als Gefährte im Kampf gegen die Verrückten an. In Nigeria fliehen Regierungstruppen nach Kamerun, während Boko Haram es IS gleichtut und ebenfalls ein „Kalifat“ errichtet. In Libyen herrscht ein Chaos, in dem Extremisten aus dem Vollen rekrutieren. Ägypten und die Arabischen Emirate, in großer Angst vor IS, bombardieren den Flughafen von Tripolis, da der in die Hände von Islamisten zu fallen droht. Schließlich: Israel und die Hamas sind weiter von einer Einigung entfernt als zuvor – dort herrschen Hass und Verachtung.
In Nordafrika und dem Nahen Osten droht ein „Dreißigjähriger Krieg“, der länger dauern könnte als der europäische. Vor allem droht er, viel weitere Kreise zu ziehen. Was ist, wenn der IS auch noch zur „Befreiung“ Jerusalems aufruft …?

Schiere Hilfslosigkeit droht sich breitzumachen angesichts von Gewalt, Hass und Verzweiflung. Wie weit die gediehen sind, zeigt sich auch daran, dass selbst westliche Kirchenführer, einschließlich des Papstes, für die Lieferung und den Einsatz von Waffen plädieren, um zumindest den Terror des IS zu stoppen. Allerdings geraten Waffen oft bald in „falsche Hände“; der Nahe Osten ist voll davon – auch „dank“ bisheriger Kriege und entsprechender Waffenlieferungen.

Unstrittig ist die Hilfe für die Millionen Flüchtlinge, die in Syrien, Libanon, der Türkei, Jordanien und im kurdischen Teil des Irak festsitzen. So schwierig es ist, sie nach Europa zu lassen, sie hier zu versorgen: Es muss getan werden. Auch wenn man der Säuberungspolitik wahnwitziger Kalifatskämpfer zunächst in die Hände spielen könnte.

Schließlich muss Europa etwas dagegen tun, dass auch hier für den Terror angeworben wird. Junge Menschen ohne Perspektiven hat unser Kontinent zu viele. Und Radikale haben auch deswegen Zulauf, weil sie scheinbaren Sinn bieten. Dass sie den religiös begründen – wenn auch fanatisch häretisch – macht die Auseinandersetzung noch schwerer als bei innerweltlichen Ideologien. Deswegen müssen Führer und Gläubige aller Religionen immer wieder klar „Nein“ sagen zur Gewalt.