30.04.2014

Werden nur katholische Christen heiliggesprochen?

Können theoretisch bzw. praktisch nur Katholiken selig- und heiliggesprochen werden?
A. S., Aachen

Theoretisch können alle Christen selig- oder heiliggesprochen werden, denn das Kirchenrecht und die päpstlichen Verordnungen kennen keine Einschränkung auf Katholiken. Praktisch werden sie es aber nicht – und zwar aus Respekt vor der je eigenen Glaubensauffassung.

Konkret wurde das 2011 bei der Seligsprechung der „Lübecker Märtyrer“. Die vier Geistlichen – drei katholische Kapläne und ein evangelischer Pastor – standen zusammen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, wurden zusammen verhaftet und vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und zusammen am 10. November 1943 hingerichtet. Seliggesprochen wurden aber nur die katholischen Geistlichen.

Das „Aufbrechen ihrer Einheit“ war dem Erzbistum Hamburg bewusst, als es den Prozess zur Seligsprechung einleitete. Doch für eine Seligsprechung des evangelischen Pastors Karl Friedrich Stellbrink hätte man dessen Einverständnis voraussetzen müssen – und das war undenkbar. Trotzdem blieb er in der Feier der Seligsprechung nicht unbeachtet. So wurde symbolisch eine Kerze mit vier Dochten entzündet, für Stellbrink gab es ausdrücklich ein „ehrendes Gedenken“, evangelische Vertreter aus der Kirche Lübecks und seiner Familie waren beteiligt und ein evangelischer Gottesdienst am Vorabend leitete die Feierlichkeiten ein.

Dennoch: Die katholische Auffassung, dass Selige und Heilige mehr als Vorbilder sind, nämlich Fürsprecher bei Gott, teilt die evangelische Kirche nicht, und sie lehnt auch eine ausdrücklich-amtliche Selig- oder Heiligsprechung ab. Das respektiert die katholische Kirche.
Die orthodoxen Kirchen kennen dagegen eigene (und jeweils unterschiedliche) Verfahren zur Heiligsprechung. So wurde etwa das Mitglied der „Weißen Rose“, Alexander Schmorell, ein russisch-orthodoxer Christ, von seiner Kirche 2012 heiliggesprochen.

Von Susanne Haverkamp