14.05.2014

Wie Wein und Wasser sich verbinden ...

Vor der Wandlung wird Wasser in den zu konsekrierenden Wein gemischt. Welche Bedeutung hat diese Handlung? A.-M. S.-R., 31241 Ilsede

Dass bei der Bereitung der Gaben ein wenig Wasser in den Kelch mit Wein gegossen wird, ist ein sehr alter christlicher Brauch. Schon bei der ältesten Beschreibung der gottesdienstlichen Feiern, die Justin, der Märtyrer um 155 nach Christus verfasst hat, wird er erwähnt. Man nimmt an, dass bereits Jesus beim letzten Abendmahl eine solche Vermischung vorgenommen hat, da dies in südlichen Ländern ein noch heute häufig vorkommender Brauch bei den Mahlzeiten ist. Auch deshalb wird der Ritus in den meisten christlichen Kirchen, etwa in der Orthodoxie, angewendet. Die wichtigste Ausnahme sind die reformatorischen Kirchen: Sie verwenden den Ritus der Vermischung nicht.

Aber wie das so ist in der Liturgie: Riten werden nicht nur sachlich oder historisch betrachtet, ihnen werden auch symbolische Bedeutungen zugeordnet. In diesem Fall kommt sie deutlich in dem leisen Gebet zum Ausdruck, das der Priester bei der Vermischung spricht: „Wie das Wasser sich mit dem Wein verbindet zum heiligen Zeichen, so lasse uns dieser Kelch teilhaben an der Gottheit Christi, der unsere Menschennatur angenommen hat.“

Die Vermischung weist damit weniger auf die Gottheit und Menschheit Jesu hin, die das Konzil von Chalcedon ja gerade als „ungeteilt und unvermischt“ definiert hat; vielmehr sah man schon im Altertum in der Vermischung ein Symbol für die Einbeziehung der Kirche und der Gläubigen in das Opfer Christi.

Aufgenommen wurde dieser Gedanke besonders deutlich in dem bekannten Lied zur Gabenbereitung „Was uns die Erde Gutes spendet“ (GL 186/altes GL 490). In der dritten Strophe heißt es dort: „Wie Wein und Wasser sich verbinden, so gehen wir in Christus ein. Wir werden die Vollendung finden und seiner Gottheit teilhaft sein.“

Von Susanne Haverkamp