20.12.2013

Schwester Maria Grech heilt an Leib und Seele

Wo arabische Männer weinen

Sie ist Ordensfrau, Unternehmerin, Erziehungsbeauftragte, Psychologin, "Beichtmutter". Und für viele christliche Familien in der Stadt Davids und Jesu ist sie die letzte Rettung: Schwester Maria Grech. Ein Porträt von Johannes Becher

 

Ihr Name ist eng verbunden mit der Weihnachtsaktion der Dormitio-Abtei auf dem Zionsberg in Jerusalem: Schwester Maria Grech bekommt die Hälfte der Spenden für ihre Arbeit in Betlehem. Dort leitet sie das Franziskanische Familienzentrum.

Wer es nicht von ihr selbst hört, der mag es kaum glauben: Hier, in Schwester Maria Grechs kleinem Zimmer fließen Tränen. Männer weinen. Araber, denen man so viel Gefühl kaum zutraut. Doch bis die Männer so weit sind, ist es meist ein langer Weg.

Maria Grech
Schwester Maria Grech stammt aus Malta,
lebt aber schon seit 33 Jahren im Heiligen
Land.

Erst kommen die Frauen. Bitten um Brot und Milch für die Kinder. Und hoffen auf ein wenig Licht in ihrer Seelennacht. Denn nicht wenige wissen keinen Ausweg mehr: das Geld für das Nötigste fehlt, die Kinder haben Hunger und die Männer seit langem keine Arbeit. Schuldzuweisungen, Vorwürfe, Streit ... Von Scheidung ist die Rede. Schwester Maria hört zu. Und dann fordert sie die Frauen dazu auf, ihre Männer mitzubringen zum nächsten Treffen. Es folgen – wenn es gut geht – ein Dutzend gemeinsame Gespräche. Oft sind auch die Kinder dabei. Schwester Maria macht sich ein Bild. Gibt Rat für Partnerschaft, Erziehung, Ausbildung und manchmal kann sie auch Arbeit beschaffen oder zu einer schöneren Wohnung verhelfen.

"Der Kaffee sorgt hier für Wunder"

Wie sie das macht, dass die Männer zu ihr kommen? Ein Schmunzeln. „Der Kaffee sorgt hier für Wunder. Er öffnet Türen“, sagt sie. „Schwester Maria möchte einen Kaffee mit dir trinken“, haben die Männer zu Hause von ihren Frauen gehört. Und sie kommen. Sprechen sich aus. Öffnen Mund und Herzen. Sie wissen genau: „Keines ihrer Worte verlässt diesen Raum.“ Vertrauen pur. Schwester Maria ist Ausländerin. Sie wird nicht plaudern in der Gemeinde. Und so wird die Ordensfrau zur Psychologin und "Beichtmutter". Sie steht für das, was die Menschen hier meinen, wenn sie von der „Power of Sisters“, der besonderen Kraft der Ordensfrauen sprechen.  Aufgeben gilt nicht: „Ich versuche, Hoffnung weiterzugeben. Mit dieser Hoffnung lebe ich auch seit Jahrzehnten hier.“

Abt Gregory und Pater Jonas mit Schwester Maria Grech: Sie freut sich über die Solidarität.
Fotos: Johannes Becher

Maria Grech stammt aus Malta. Seit 33 Jahren lebt sie im Heiligen Land. Und mit dessen Spannungen und mit den Sorgen der Menschen. Ihre Aufgabe: „Wir helfen den Ärmsten der Armen.“ Seit 2004 tut sie dies im von ihr gegründeten Franziskanischen Familienzentrum in Betlehem. Denn die Palästinenser in der Stadt leiden. „Ich als Ausländerin kann rein und raus, wann und wo ich will“, sagt Schwester Maria. Nicht so die Einheimischen. „Seit die Mauer steht, haben die Menschen hier sehr schwere Probleme. Keine Arbeit. Keine Pilger…“ Wer noch einen Aushilfsjob in Jerusalem – 9 Kilometer entfernt – hat, der muss um vier Uhr in der Früh am Checkpoint sein, um seine Tageserlaubnis zum Ausreisen zu besorgen. Und wehe, er verspätet sich am Abend bei der Wiedereinreise. Viele Menschen sind seit den Unruhen der zweiten Intifada gegen die israelische Besatzung Anfang des Jahrtausends ohne Arbeit und ohne geregeltes Einkommen. Zuletzt, sagt Schwester Maria, hat sich das Vorgehen der israelischen Behörden aber ein wenig entspannt. Und es kommen auch wieder mehr Pilger nach Betlehem. Trotzdem: Die Lage der Menschen bleibt angespannt, viele christliche Familien verlassen die Stadt für immer, wenn sie können.

Ihre Idee: arbeitslose Männer bringen ihre Talente ein

Oft stillt Schwester Maria nicht nur den ersten Hunger mit Brot und Milch, sie beschafft auch Arbeit. Mit ihrem „Job Creation Project“ hat sie in den vergangenen Jahren mehr als 300 Wohnungen von Christen in Betlehem renoviert oder ausgebaut. Die Idee: Arbeitslose Männer bringen ihre Talente ein und die Häuser erhalten einen Anbau, eine neue Küche, sanitäre Anlagen oder Strom. Die beteiligten Handwerker können sich außerdem weiterbilden und durch die Projekte zeigen, was sie können. Ein Bewerbungsschreiben besonderer Art und Güte. Doch ebenso wichtig wie das Einkommen ist das Gefühl, wieder gebraucht zu werden. Deshalb sagen die Männer dankbar: „Schwester Maria gibt uns unsere Würde zurück!“

Das Geld für diese Projekte, für Baumaterial und Löhne stammt auch aus der Weihnachtsaktion der Benediktiner auf dem Zionsberg in Jerusalem: Gut 41 000 Euro hat die Ordensfrau in diesem Jahr bekommen. Die Hälfte des Erlöses der Weihnachtsaktion 2012. Den Erlös der jetzt anstehenden Weihnachtsaktion möchte die Ordensschwester für einen anderen Schwerpunkt verwenden: Erziehung und medizinische Hilfe. Denn auch in diesem Bereich hat sie Projekte angestoßen. Fast hundert Kinder aus Betlehem hat sie bereits in guten Schulen untergebracht. „Mit einem guten Unterricht, Sprachen.“ Mit Hilfe einer franziskanischen Schul-Stiftung. Und einigen Studenten hat sie Stipendien für die Universität besorgt. Wenn die mutlos in die Zukunft blicken, dann sagt sie: „Die Dinge ändern sich. Das Diplom bleibt.“

Ein Signal an die palästinensischen Christen: "Bleibt hier!"

Und manchmal gelingt es ihr auch, die Kranken zu einem guten Krankenhaus zu bringen. Das kostet. In Israel und Palästina zahlt man, wenn man das Krankenhaus betritt – noch bevor eine Untersuchung oder Operation gemacht ist. Auch dabei soll die benediktinische Weihnachtsaktion 2013 – „Ich trage Deinen Namen nach Betlehem“ – helfen.

Die Ordensfrau aus Malta freut sich über die mehrfache Solidarität der Benediktiner: über Ordensgrenzen hinweg – mit einer Franziskanerin. Über Landesgrenzen hinweg – von Israel in die Palästinensischen Gebiete. Von Davidsstadt zu Davidsstadt – von Jerusalem nach Betlehem… Und die Hilfe ist, da ist sich Schwester Maria Grech sicher, ist auch ein Signal an die palästinensischen Christen: „Bitte, bleibt hier!“

 

Kontakt: Schwester Maria Grech FMM, P.O. Box 19049, 91190 Jerusalem;
E-Mail: mariasgrech2003@hotmail.com

Weihnachtsaktion der Benediktinerabtei Dormitio auf dem Zionsberg