06.06.2013

Misstravel und Co: Ein Imperium zweifelhafter Internet-Plattformen

Zwischen Online-Dating und Prostitution

Er gibt Geld. Sie gibt Liebe: Auf diesem simplen Prinzip in der Grauzone zwischen Onlinedating und Prostitution hat der US-Amerikaner Brandon Wade ein ganzes Imperium zweifelhafter Internet-Plattformen aufgebaut. Auf „Miss Travel“ bieten reiche, meist verheiratete Männer hübschen Frauen einen kostenlosen Urlaub an …

Prostituierte in Tijuana, Mexiko
Foto: Tomas Castelazot, Wikipedia

Auch wenn das unsere aktuelle Bundesreregierung gerne bestreitet: Die Kluft zwischen arm und reich wird immer größer. Nicht nur in Deutschland. Sondern weltweit. Ein Beleg dafür ist das laut UN noch immer ungebremste Wachstums des sogenannten Sextourismus. Das Prinzip dabei ist immer das gleiche: Männer aus eher reichen Regionen (sagen wir zum Beispiel Deutschland) treffen auf Frauen (oder Knaben) aus eher armen Ländern (sagen wir Kenia, Thailand oder Tschechien). Auf einem sehr ähnlichen Prinzip basiert die Webseite von „Miss Travel“. Zwar werden auf der Onlineplattform keine Körperflüssigkeiten ausgetauscht. Doch der Prostitution wird hier zumindest virtuell das Feld bereitet. Eine US-Bloggerin des Portals Jezebel stellte zudem fest, dass die meisten Männer, die hier jungen Frauen einen Segeltörn auf ihrer Jacht oder einen Aufenthalt im Luxusressort in der Karibik anbieten, verheiratet sind …

Nur schöne Frauen dürfen mitmachen

Gratis-Urlaub gegen „angenehme Gesellschaft“ heißt das Tauschprinzip offiziell. Doch schon ein Blick auf die Gebührenordnung des Portals macht deutlich, um was es bei „Miss Travel“ wirklich geht. Männer zahlen 70 Euro monatlich. Für Frauen dagegen ist die Mitgliedschaft kostenlos. Vorausgesetzt sie sind hübsch. Nur wenn das Foto auch den Ansprüchen der Betreiber genügt, wird man als Frau in den Pool potenzieller Urlauberinnen aufgenommen. „Natürlich sind solche Angebote moralisch fragwürdig“, erkannte jüngst die österreichische Psychologin Gerti Senger im Gespräch mit pressetext.com. Um dann aber sofort einzuschränken, dass es  solcherlei Tauschhandel auch außerhalb des Internets gäbe. Ja, ja. So sind sie wohl, unsere Psychologen. Alles wird relativiert. Alles irgendwie verstanden …

Dass Geld auch gerne mal eine eher schmutzige Welt regiert, wissen wir nicht erst, seitdem sich etliche Männer ihre Frauen per Katalog aus Thailand oder Russland bestellten. Nein. Das war, laut Brandon Wade, dem Betreiber von „Miss Travel“, angeblich schon immer so. „Ich glaube, dass die Paarung 'schönes Mädchen und reicher Mann' ganz natürlich ist. Das liegt uns in den Genen, so sind wir programmiert. Schon in der Urzeit haben Frauen immer nach dem besten Jäger gesucht, damit er sie gut versorgen kann.“ Auf solchen simplen wie zugleich zynischen Weltsichten hat der Sohn chinesischer Einwanderer bereits ein ganzes Imperium zweifelhafter Dating-Plattformen aufgebaut. Auf „Seeking Arrangement“ etwa suchen Damen einen sogenannten Sugar Daddy, der ihnen einen schönen Abend, das Studium oder gleich ein ganzes luxuriöses Leben finanziert. Auf „Whatsyourprice.com“ werden Dates versteigert, und bei „Seeking Millionaire“ ist bereits der Name Programm.

"Ich fühle mich nicht wie eine Prostituierte, aber wahrscheinlich bin ich eine"

Der US-Nachrichtensender CNN nannte Wade ob seines Geschäftsgebarens bereits einen „Zuhälter mit Elite-Uni-Abschluss“. Und schon 2009 gestand eine "Seeking-Arrangements-Kundin" der "New York Times" gegenüber ein: „Ich fühle mich mit meinem Sponsor nicht wie eine Prostituierte, aber wahrscheinlich bin ich eine.“

Der katholische Frauenverband hilft!

Dem ist eigentlich nicht viel hinzuzufügen … Außer vielleicht der Tatsache, dass wir heute aus gutem Grund alle soeben besprochenen Angebote nicht(!) verlinkt haben. Mit den dagegen allerbesten Gründen seien hier noch einige Anlaufstellen für Frauen genannt, die in die Fängen der Prostitution geraten sind: In Nordrhein-Westfalen etwa bietet die Organisation KoopKoma Beratungs- und Bildungsangebote für sogenannte Sexarbeiterinnen an. Auf der Seite der christlichen Hilfsorganisation Neustart e.V. findet sich eine Übersicht über Hilfsangebote für Prostituierte in Berlin. Solwodi wiederum heißt das bekannte, internationale Hilfswerk der deutschen Ordensschwester Lea Ackermann; mit inzwischen immerhin 15 Beratungsstellen in Deutschland. Opfer von sexueller Gewalt, Prostitution, Menschenhandel und Sextourismus erhalten hier einfühlsame Hilfe. Auch der katholische Frauenverband „InVia“, unter dem Dach des Deutschen Caritasverbandes, bietet in Not geratenen Mädchen und Frauen seit Jahren gute Dienste an! Das ist einen Klick wert. 

Ihr Webreporter Andreas Kaiser