02.05.2018

"Wort des Bischofs" Peter Kohlgraf

Das Programm der Heiligkeit

Wenn das Wort Heilige fällt, dann denken wohl die meisten Menschen nicht an sich selbst. Papst Franziskus lädt alle Getauften zu einem Leben in Heiligkeit ein. Gedanken dazu von Peter Kohlgraf im „Wort des Bischofs“.

Gesichter im Schrein der Mainzer Heiligen in der Ostkrypta des Doms. Doch heilig sind nicht nur jene, die ausdrücklich heilig gesprochen wurden. | Foto: Paavo Ondreka
Gesichter im Schrein der Mainzer Heiligen
in der Ostkrypta des Doms. Doch heilig
sind nicht nur jene, die ausdrücklich heilig
gesprochen wurden.
Foto: Paavo Ondreka

„Gaudete et exultate“ – „Freuet euch und jubelt“: Papst Franziskus hat ein „Apostolisches Schreiben“ unter diesem Titel veröffentlicht, in dem er alle Getauften zu einem Leben in Heiligkeit in der Welt von heute einlädt.

Heiligkeit ist ein großes Wort, das sicher vielen Menschen nichts mehr sagt. Heilige sind oft weit entrückt. Dem Papst gelingt es zu zeigen, dass Heiligkeit eine Lebensweise ist, die allen Glaubenden als Weg zu einem erfüllten Leben angeboten wird. Der Papst geht davon aus, dass mancher Mensch erlebt, dass ihn eine „mittelmäßige, verwässerte, flüchtige Existenz“ auch in Fragen des Glaubens nicht zufriedenstellt.

Das Mittelmaß in der Liebe zu Gott und dem Nächsten heißt ja, dass ein Mensch eigentlich für nichts und niemanden wirklich Begeisterung empfindet, selbst für seinen Schöpfer und Erlöser nicht. Das Bemühen um Heiligkeit bedeutet, dieses Feuer neu zu entfachen. Die großen Heiligen, die wir in der Kirche verehren, sind solche Menschen gewesen, und sie begleiten uns in unserem Bemühen. Für Papst Franziskus sind aber die „Heiligen von nebenan“ genauso wichtige Vorbilder und Helfer im Glauben und in der Nachfolge. Oft sind es die kleinen und unauffälligen Dinge und Aufmerksamkeiten, die Menschen einander schenken und die unsere Welt zum Leuchten bringen.

Bischof Peter Kohlgraf Foto: Bistum Mainz
Bischof Peter Kohlgraf
Foto:

Niemand soll auf seinem Weg jemanden anderen kopieren. Jeder soll seinen „eigenen Weg erkennen“ und dabei „sein Bestes zum Vorschein bringen, das, was Gott so persönlich in ihn hineingelegt hat“. Die Grundlage dieses Glaubens besteht darin, dass Gott einen Menschen heilig macht, indem er in ihm wohnt, ihn beruft, ihn begleitet. Ein Bischof ist nicht heiliger als jeder Mensch, der sich um seine Weise der Liebe im Alltag bemüht: „Lass zu, dass die Taufgnade in dir Frucht bringt auf einem Weg der Heiligkeit.“ Mit Gottes Geist den Weg des Lebens gehen, bedeutet Lebensqualität und Hoffnung zu gewinnen.

Heilig ist man nicht für sich, sondern Christus sendet den, der an ihn glaubt, zu anderen Menschen. Wer versucht, heilig zu leben, verbindet sich mit Christus und versucht, „die Geheimnisse seines Lebens“ ins eigene Leben und damit in die Welt hinein zu übertragen. Dabei geht es nicht um Perfektion, sondern um das Bemühen, seinem Leben eine Richtung geben zu lassen.

Papst Franziskus ist davon überzeugt, dass das Leben dadurch menschlicher und freudiger wird. Dabei nennt er auch zwei Hindernisse: den „Gnostizismus“, der meint, Heiligkeit bestünde allein im Denken und Fühlen, oder den „Pelagianismus“, der die Heiligkeit auf die Aktion reduziert. Beides muss zusammenkommen: Denken, Beten, Glauben und die Tat.
Die Seligpreisungen der Bergpredigt stellt der Papst als Programm der Heiligkeit vor. Leben in Gemeinschaft, Humor, Wagemut, Aufmerksamkeit und Vertrauen sind Haltungen des Heiligen, die durch das Gebet immer neu gestärkt werden. Vielleicht sind Sie neugierig geworden, das Schreiben des Papstes einmal selbst ganz zu lesen? Schön, wenn wir immer mehr diesen Weg der Heiligkeit gemeinsam gehen.