31.01.2018

Der Begriff Heimat ist in aller Munde

Adolf Hampel Foto: privat
Professor Adolf Hampel
Foto: privat

Der Begriff Heimat hat heute Konjunktur. Linke und rechte Denker nehmen sich seiner an. Sie bemühen sich, eine Definition des komplexen Begriffes zu formulieren.
Für den Gläubigen ist die Erkenntnis des heiligen Augustinus die umfassendste Formulierung: „Du hast uns auf Dich hin erschaffen, o Herr, und unruhig ist unser Herz bis dass es ruht in Dir.“ Mit dem Verweis auf die ewige Heimat werden wir Gläubigen der Frage nach der Heimat nicht gerecht. Jesus hat das Reich Gottes nicht nur gepredigt, sondern sich um Kranke und Arme bemüht.

Die Komplexität der Heimat lässt sich durch den Vergleich mit konzentrischen Kreisen noch am ehesten erfassen: Familie, Verwandtschaft, Nachbarschaft, Kirchenzugehörigkeit, Frömmigkeitsformen, Landschaft. In der Begegnung konkurrierender Ansprüche auf das gleiche Territorium taucht die Frage auf: Wem gehört die Heimat?

Die Entscheidung, ob diese Begegnung zur Fortsetzung von Feindschaft oder zur Versöhnung führt, hat persönliche und politische Konsequenzen. In allen Versuchen einer Definition des Heimatbegriffs taucht die Forderung nach einer dauerhaften Verbindung mit den heimatstiftenden Faktoren auf. Der erste UN-Hochkomissar für Menschenrechte, José Ayala Lasso, erklärte am 28. Mai 1995: „Das Recht, aus der angestammten Heimat nicht vertrieben zu werden, ist ein fundamentales Menschenrecht.“

Schon die Haager Landkriegsordnung verurteilte 1907 die Vertreibungen der Zivilbevölkerung.

Die Zahl der Heimatlosen wächst täglich um Tausende. Ein Vergleich mit den Heimatvertriebenen und Flüchtlingen nach dem Zweiten Weltkrieg führt aus wichtigen Gründen nicht weiter. Ursache der Vertreibung und die Faktoren der Findung einer neuen Heimat sind grundverschieden. Das Fehlen der gemeinsamen Sprache und des gemeinsamen religiös-kulturellen Hintergrunds stellt heute eine Hauptschwierigkeit für die Beheimatung der Flüchtlinge dar. Es ist ein ermutigendes Zeichen, dass sich Tausende Helfer bereit gefunden haben, den Heimatlosen beizustehen.

Professor Adolf Hampel,
Theologe und emeritierter Professor für Kirchengeschichte an der Justus-Liebig-Universität Gießen

 

Hier geht's zurück zum Artikel.