23.05.2018

Stella Matutina prangert Goldabbau auf den Philippinen an

Der Kampf ums Gold

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Für Stella Matutina gilt das Gegenteil. Sie prangert den Goldabbau auf den Philippinen an und setzt ihr Leben aufs Spiel. Bei einem Besuch im Bistum Limburg hat die frühere Ordensfrau darüber gesprochen. Von Matthias Böhnke.

Stella Matutina hatte im Bistum Limburg ein straffes Programm. | Foto: Matthias Böhnke
Stella Matutina hatte im Bistum Limburg ein straffes Programm. Foto: Matthias Böhnke

Es ist mitten in der Nacht, als plötzlich Soldaten in die Wohnung eindringen und ihr im Schlafzimmer einen Gewehrlauf ins Gesicht halten. Für Stella Matutina kein böser Albtraum, aus dem sie hätte erwachen können. „Es war für mich ein Weckruf. Ein Weckruf dafür, mich noch entschiedener gegen die Ungerechtigkeiten in unserem Land einzusetzen“, berichtet die philippinische Menschenrechtsaktivistin über den Vorfall, der inzwischen einige Jahre zurückliegt. Die zierliche Frau, die in den nächsten Tagen 50 Jahre alt wird, erzählt bei einer persönlichen Begegnung im Limburger Priesterseminar in sachlich-nüchternem Tonfall von den Bedrohungen, denen sie in ihrer Heimat immer wieder ausgesetzt ist.

Stella Matutina stammt von der Insel Mindanao, der zweitgrößten der Philippinen. Aus über 7000 Inseln besteht der Pazifikstaat, der neben Osttimor als einziger in Asien eine katholische Bevölkerungsmehrheit aufweist. Nachdem die Christin 18 Jahre in Europa gelebt hatte und in Rom dem Benediktiner-Orden beigetreten war, kehrte sie 2007 nach Mindanao zurück. Dort hat inzwischen ein Gesetz internationalen Großkonzernen ermöglicht, die Bodenschätze der Region großflächig abzubauen und durch die katastrophale Umweltzerstörung den dort lebenden Ureinwohnern jegliche Lebensgrundlage zu entziehen. „Der Abbau bedeutet eine gigantische Naturzerstörung“, beklagt Stella Matutina. „Was bleibt, sind viele Tonnen Abfall.“ Sie fordert, den Goldabbau zu stoppen, solange er auf menschenverachtende und ausbeuterische Weise betrieben wird: „Da muss die Regierung wieder patriotischer denken.“

Unwiederbringlich zerstört

Seit Jahren kritisiert Stella Matutina dieses System und auch die Agroindustrie, die riesige Flächen mit Monokulturen für Palmöl, Bananen, Ananas und Gummibäumen unwiederbringlich zerstört. Sie organisiert Aufklärungskampagnen und verschafft den Betroffenen Gehör. Dafür wurde ihr vor drei Jahren der Weimarer Menschenrechtspreis zuerkannt.

Die Kehrseite der Medaille: Regelmäßig wird sie bedroht und erhält sogar Morddrohungen. Immer wieder erwähnt sie befreundete Aktivisten und Priester, die ihr Engagement mit dem Leben bezahlen mussten. Als auch noch ein Kopfgeld auf sie ausgesetzt wurde, hat ihr Orden sie 2016 nach Tansania geschickt. Aus sicherer Entfernung setzte sie ihre Aktivitäten fort und hielt den Kontakt zu den Menschen in Mindanao.

Seit Stella Matutina vor einigen Wochen ihren Orden verlassen hat, um sich ausschließlich den Menschenrechten und dem Naturschutz zu widmen, ist sie mit einem Drei-Monats-Visum in Europa unterwegs. Unterstützt vom Hilfswerk Missio trat sie beim Katholikentag in Münster auf, um eine breite Öffentlichkeit über die Vorgänge in ihrer Heimat zu informieren. Direkt vor unserem Gespräch bewegte sie zahlreiche Schülerinnen und Schüler in der Limburger Marienschule mit ihren Erzählungen, am Abend folgte schon die
nächste Infoveranstaltung in Frankfurt. Ein straffes Programm.

Wie es langfristig weitergeht, weiß Stella Matutina noch nicht. „Meine Brüder raten mir dringend, momentan nicht nach Hause zurückzukehren. Die Lage ist viel zu unsicher“, sagt die Philippinerin, deren elf Geschwister alle in der Heimat leben. Die Gefahr für sie ist groß, erschossen oder verhaftet zu werden, da in Mindanaos Millionenmetropole Davao Steckbriefe mit Fotos von ihr und der Überschrift „Wanted“ („Gesucht“) aufgetaucht sind. Ihr Zukunftstraum von einem gewaltfreien Land, in dem sie irgendwann leben könnte, scheint da noch in weiter Ferne.

Zur Sache: Ausbeutung

Die Philippinen sind Asiens wichtigster Goldproduzent. Seit ein Gesetz von 1995 ausländischen Firmen den Rohstoffabbau erlaubt, beuten internationale Konzerne die Region ohne Rücksicht auf Mensch und Natur aus und hinterlassen tonnenweise toxischen Abfall – geschützt vom Militär und paramilitärischen Einheiten. (mat)