18.12.2019

„Jesus im Advent entdecken“ – Teil 3

Die Madonna aus dem Kessel

In der Serie „Jesus im Advent entdecken“ öffnen wir Türen. An jedem Sonntag eine. Wir zeigen Exponate, die versteckt oder unbekannt sind. Diesmal geht es um die Schutzmantelmadonna in der Dorfkirche von Wichmannshausen. Von Hans-Joachim Stoehr.

Das Original der Stalingradmadonna in Berlin Foto: Wikimedia
Das Original der Stalingradmadonna in
Berlin Foto: Wikimedia

Wichmannshausen ist ein kleines Dorf zwischen Bad Hersfeld und Eschwege. In der Dorfkirche befindet sich ein Juwel: die Kopie der „Stalingradmadonna“. Das Original hängt in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin.

Der Ort in der nordhessischen Diaspora liegt seit dem Jubiläumsjahr 2007 am Elisabethpfad. Dieser ökumenische Pilgerweg verbindet Eisenach und Marburg, Wirkungsstätten der heiligen Elisabeth. Und wie Elisabeth
sorgte sich ein Mann aus Wichmannshausen um Leib und Seele von Menschen, die Hilfe brauchten. Kurt Reuber war von 1933 bis 1939 Pfarrer dort. Der 1906 in Kassel geborene Theologe studierte während seiner Seelsorgetätigkeit Medizin an der Universität in Göttingen. Und Reuber war begeisterter Maler, der auch den Kontakt zu Kunstkreisen suchte.

Ein Jahr nach Abschluss seines Studiums wurde er zum Sanitätsdienst einberufen. In Stalingrad, das zu einem Synonym für die Grausamkeit des Kriegs wurde, schuf Reuber ein Bild, das zum Symbol von Menschlichkeit und Geborgenheit wurde: die Stalingradmadonna. Gezeichnet hat er das Bild 1942 auf die Rückseite einer russischen Landkarte. Um dieses Bild scharten sich an Heiligabend die Soldaten.

Reuber hat die Gottesmutter gemalt, wie sie behutsam ihr Neugeborenes mit dem Mantel umhüllt. Mit dem letzten Flugzeug gelangte das Madonnenbild aus dem Kessel von Stalingrad nach Deutschland. Reuber selbst starb 1944 in russischer Kriegsgefangenschaft. Was bleibt, ist sein Bild der Madonna.

Die Kirche in Wichmannshausen ist von 10 Uhr bis 16 Uhr geöffnet. Sollte sie verschlossen sein: Telefon 05658 / 10 86