04.01.2021

Wie wird 2021 für die Kirchen?

Ein Jahr voller Ungewissheiten

Das Jahr 2020 war auch für die Kirchen voller Herausforderungen. 2021 werden die wohl nahtlos weitergehen: die Corona-Pandemie, der Synodale Weg, steigende Austrittszahlen, sinkende Kirchensteuereinnahmen. Ein Kernthema wird zudem die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals. 

In einer Kirche sind Bänke wegen der Corona
Weiterhin gesperrt: Auch 2021 kann wegen der Corona-Pandemie erstmal
nur ein Sparprogramm an Gottesdiensten stattfinden. 

Er sollte einer der Höhepunkte im kirchlichen Leben 2021 werden - der Ökumenische Kirchentag im Mai in Frankfurt. Fünf Tage mit mehr als 100.000 Teilnehmern. Doch Corona lässt das geplante Groß-Event als weitgehend digitale Veranstaltung und ohne Besucher vor Ort stattfinden.

Vor ähnlichen Problemen steht der Synodale Weg, der unter großem Presseecho vor rund einem Jahr gestartete Dialog zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland. Die aus 230 Mitgliedern bestehende Synodalversammlung wird nach derzeitigem Stand der Dinge frühestens im Herbst 2021 ein zweites Mal tagen. Hinter den Kulissen und in kleineren Gruppen sollen die Gespräche zwischen Bischöfen und Laien aber weitergehen.

Die Themen sind gesetzt: Sexualmoral, die priesterliche Lebensform, Macht und Gewaltenteilung sowie die Rolle von Frauen in der Kirche. Im Vatikan und der Weltkirche wird der Fortgang der Debatten genau beobachtet. Mit der Kirchenleitung in Rom wollen Vertreter der Bischöfe und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) im kommenden Jahr verstärkt das Gespräch suchen.

"Der Synodale Weg ist singulär in Europa, aber er wird in anderen Ländern sehr genau beobachtet", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, zum Jahreswechsel in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur . "Daher sollten wir den Weg sorgsam und aufmerksam gehen, im Dialog mit Rom, um die Kirche hier in unserem Land voranzubringen."

Coronabedingt voraussichtlich sinkende Kirchensteuereinnahmen, aber vor allem ein stetiger Mitgliederschwund machen Vertretern beider Kirchen große Sorgen. Die Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bereitet sich auf finanzielle Einschnitte und strukturelle Veränderungen vor. Bis 2030 sollen 17 Millionen Euro im EKD-Haushalt eingespart werden.

Dieses Ziel umzusetzen, ist eine Aufgabe der Synode, die sich im Mai neu konstituiert. Offen ist, wer als Präses das Kirchenparlament in der Nachfolge der ehemaligen FDP-Politikerin Irmgard Schwaetzer leiten wird. Da für das Amt Kandidaten mit politischer Erfahrung gefragt sind, kämen etwa die ehemaligen Bundesminister Herrmann Gröhe und Thomas de Maiziere (beide CDU) in Frage.

Im Herbst wählt die Synode den neuen Rat der EKD. Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat bereits auf eine erneute Kandidatur für den Vorsitz verzichtet, so dass - nach Margot Käßmann 2009 - zum zweiten Mal eine Bischöfin in dieses Spitzenamt gewählt werden könnte, etwa die stellvertretende Ratsvorsitzende, die westfälische Präses Annette Kurschus, oder die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs.

Ein Großthema bleibt beiden Kirchen auf jeden Fall erhalten: die Aufarbeitung von Missbrauch. In der evangelischen Kirche hat die lange angekündigte wissenschaftliche Studie zu sexualisierter Gewalt begonnen; Ergebnisse werden im Herbst 2023 erwartet. Und während die katholischen Bischöfe zum Jahreswechsel neue Modalitäten für Ausgleichszahlungen an Betroffene in Kraft setzten, wächst der Druck auf den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki. Betroffene halten ihm vor, sie für seinen Kurs der Aufarbeitung instrumentalisiert zu haben. Zuletzt wurden Vertuschungsvorwürfe gegen ihn selbst laut. Er hat die Angelegenheit zur Prüfung nach Rom weitergegeben.

Der Hamburger Erzbischof Stephan Heße, früher Personalchef und Generalvikar in Köln, wehrt sich ebenfalls gegen derartige Anschuldigungen und will die Bischofskongregation im Vatikan über seinen Verbleib im Amt entscheiden lassen. Spannend wird es, wenn im März dann tatsächlich ein Gutachten über den Umgang von Führungskräften im Erzbistum Köln mit Missbrauchsfällen vorliegt.

Weitere Kreise könnte zudem ein Ende des Jahres öffentlich gewordener Missbrauchsskandal um die Ordensgemeinschaft der Niederbronner Schwestern ziehen. Mehr als genug Gesprächsstoff für die deutschen Bischöfe wenn sie Ende Februar zu ihrer Frühjahrsvollversammlung zusammenkommen. Die wird erstmals rein digital stattfinden und nicht wie geplant in Dresden, wo das Bistum Dresden-Meißen sein 100-jähriges Bestehen feiert. Corona macht auch hier einen Strich durch die Rechnung.

kna/Joachim Heinz