24.09.2020

Proteste gegen Corona-Maßnahmen

Ein Lob auf die stille Mehrheit!

Über die laute Minderheit der Corona-Leugner und Maskenverweigerer wird viel diskutiert. Höchste Zeit, diejenigen zu loben, die ohne Gezeter die Corona-Beschränkungen mittragen und dafür sorgen, dass unsere Gesellschaft funktioniert.

Menschen tragen am Bahnhof Masken
Klar nervt die Maske. Die meisten Menschen tragen sie trotzdem klaglos – um andere vor dem Coronavirus zu schützen. 

Von Andreas Lesch

Am nächsten Wochenende kämpft die Initiative „Querdenken“ wieder um Aufmerksamkeit. Für den 4. Oktober plant sie in Konstanz eine Großdemonstration gegen die deutsche Corona-Politik. Ihre Kundgebung Ende August in Berlin hatte für Schlagzeilen gesorgt. Weil die meisten Demonstranten Maskenpflicht und Abstandsregeln ignorierten; weil sie zahllose Rechtsextreme in ihren Reihen duldeten; weil Rechtsradikale mit schwarz-weiß-roten Reichsflaggen auf die Treppe des Bundestages stürmten.

Über die Pöbler, Corona-Leugner, Maskenverweigerer wird viel gesprochen. Medien machen sie gern zum Thema. Weil sie Quote, Auflage, Klicks versprechen. In all dem Getöse geht leicht unter, dass diese Gruppe eine Minderheit ist. Die überwältigende Mehrheit der Bundesbürger glaubt, dass Deutschland gut mit der Corona-Krise umgeht. 88 Prozent der Befragten haben Ende August in einer Umfrage des Forschungsinstituts Pew diese Meinung vertreten. Sie verstehen, dass wir bisher vergleichsweise gut durch die Pandemie gekommen sind, weil die Politik entschlossen reagiert hat.

Die stille Mehrheit hat ein Lob verdient. Jene Menschen, die pragmatisch die Corona-Beschränkungen mittragen. Viele von ihnen zweifeln auch am Sinn mancher Regel und hinterfragen, ob sie verhältnismäßig ist. Einige sorgen sich um ihre Existenz; Vertreter der Eventbranche etwa haben ihre Ängste öffentlich kundgetan, mit Maske und Abstand. 

Aber die stille Mehrheit macht aus berechtigter Kritik keine schrille Grundsatzdebatte. Sie kreist nicht nur um sich und ihre Probleme, sondern akzeptiert, dass die Lage kompliziert ist. Sie findet sich damit ab, dass die Erkenntnisse der Wissenschaft sich permanent ändern und dass es viele offene Fragen und kaum simple Antworten gibt. Im Übrigen glaubt sie auch nicht, alles besser zu wissen als die besten Virologen. 

Die heimlichen Helden verhalten sich konstruktiv

Mit ihrer Gelassenheit tragen diese Menschen dazu bei, dass unsere Gesellschaft auch in der Krise funktioniert. Denn sie verhalten sich nicht destruktiv, sondern konstruktiv. Statt zu lamentieren, was alles schlecht läuft, fragen sie: Was jetzt? Wie kann ich helfen, dass es besser wird? Was kann ich tun, an meinem Platz, mit meinen Talenten? 

Die heimlichen Helden der Pandemie, das sind Menschen, die wir jeden Tag treffen. Die alleinerziehende Mutter mit drei Kindern, die zwei Jobs machen muss und trotzdem dem kranken Nachbarn die Einkäufe schleppt; der Schaffner im Zug, der auch dann noch ruhig bleibt, wenn ihn der zehnte Maskenverweigerer beschimpft; die Bestatterin, die für Angehörige von einsam auf der Isolierstation Verstorbenen noch einfühlsamer als sonst nach tröstenden Worten sucht. Jeder dieser Menschen hat zurzeit seine Probleme. Aber zusammen sind sie stark.