20.09.2017

Deutsche Bischofskonferenz tagt seit 150 Jahren in Fulda

Erinnerung und Symbolik

Immer im Herbst findet das Fuldaer Arbeitstreffen des höchsten Gremiums der deutschen katholischen Kirche statt. Für Gäste und Gastgeber sind inzwischen 150 Jahre Bischofsvollversammlung ein Gewinn. Von Evelyn Schwab.

Bonifatiussegen im Dom in Fulda Foto: kna-bild
In der Vesper zum Abschluss der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda wird traditionell der Bonifatius-Segen gespendet. Auf diesem Bild von 2016 erteilen Kardinal Rainer Maria Woelki (links), Erzbischof von Köln, und Heinz Josef Algermissen, Bischof von Fulda, den Segen.

Ende September schafft es die Szenerie des Fuldaer Barockviertels garantiert in die Medien. Die Architektur von Dom, Theologischer Fakultät oder Priesterseminar ist Kulisse beim Eintreffen der Bischöfe. Fernsehteams, Fotoreporter und Journalisten hoffen auf exklusive Bilder und Worte. Selbst Randnotizen sind interessant.
Schon am Nachmittag des Ankunftstags gewährt Kardinal Reinhard Marx als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ein Pressestatement mit Fototermin. Und noch vor dem Auftakt der Vollversammlung lassen die 69 angekündigten Konferenzteilnehmer im Sitzungssaal des Priesterseminars die Medienvertreter für Fotos kurz an sich heran. Dann wird hinter verschlossenen Türen beraten. Nur jeweils zur Mittagszeit an den folgenden drei Tagen gibt es Pressegespräche zu den aktuell bearbeiteten und beschlossenen Themen.
Fulda hat eine eigene Bedeutung als Beratungsort der deutschen Bischöfe. Das liegt vor allem an der langen Tradition der Herbsttreffen. Es liegt aber auch an der geistigen Atmosphäre. Die am Grab des Bonifatius versammelten Bischöfe knüpfen mit ihrer Zusammenkunft an Erinnerung und Symbolik.

Wahl des Orts als logische Folge

Für Dieter Trousil, ehemaliger Schulleiter des Domgymnasiums in Fulda, ist die beständige Wahl des Versammlungsortes seit 150 Jahren „eine logische Folge“. Bonifatius habe den Glauben nach Deutschland gebracht. Die Bischofskonferenz arbeite in unmittelbarer Nähe von dessen letzter Ruhestätte jeden Herbst daran, auf die Glaubensfragen der Zukunft zu reagieren.
Bevor die Bischöfe kommen, wollen Nick Josephs und Rainer Adams von „Glasmalerei Peters Studios“ aus Paderborn mit ihrer Instandsetzungsarbeit an den Laternen des Doms fertig sein. Dazu versiegeln sie die Bleiverglasungen an den Fenstern der turmartigen Dachaufsätze neu. Die namhafte Werkstätte hat Kundenaufträge in Europa, USA, Kanada, Asien und neuerdings auch in der arabischen Welt. „Bei uns in Paderborn wäre Volksfest, wenn so viele Bischöfe in die Stadt kämen wie nach Fulda“, lacht Josephs. Dass die Vollversammlung jedes Jahr im Barockviertel stattfinde, sei wohl gut für den Dom als Bauwerk, vermutet Adams.
Ein Ehepaar aus Leverkusen, unterwegs nach Thüringen, pausiert auf einem Parkplatz vor der Theologischen Fakultät. Beide sind „kirchlich fest verwurzelt“, er katholisch, sie evangelisch. Beide verfolgen die Verlautbarungen der Bischöfe mit Interesse. „Was uns nicht gefällt, ist, dass die Kirche zu offen gegenüber dem Islam ist“, erklärt er. „Das darf alles nicht überhand nehmen und unseren Glauben kaputt machen!“ Ihre Namen möchten beide aber nicht nennen.

Ein schönes Ereignis für die Stadt
 

Den Besuch der Schlussvesper mit dem Bonifatiussegen im Dom hat sich Diakon Josef Gebauer schon als festen Kalendertermin vermerkt. „Es ist wunderbar, dass die deutschen Bischöfe in jedem Herbst nach Fulda kommen. Das ist ein schönes Ereignis für die Stadt“, hält er fest. Große Aufmerksamkeit für die kirchlichen Würdenträger, aber auch viel Unterstützung von den Katholiken, die das Teffen begleiten. Seit 1867.

 

MEINUNG

Besonderer Kirchgang

Evelyn Schwab
Evelyn Schwab, Redakteurin

Vier Tage lang sind die deutschen Bischöfe Gäste des Bistums. In drei Gottesdiensten im Dom, morgens ab 7.30 Uhr (26., 27., 28. September), predigen der Reihe nach Kardinal Reinhard Marx, Kardinal Rainer Maria Woelki und Erzbischof Stephan Burger. Die Predigt in der Schlussvesper (28.9., 18 Uhr) übernimmt Bischof Rudolf Voderholzer. Ihre Teilnahme an diesen Gottesdiensten ist für viele Katholiken der Region eine Art „Ehrensache“. Traditionell holen sich die Schüler aus der Umgebung eine Unterrichtsbefreiung für den Kirchgang. Ein Hinweis darauf, dass recht Viele in der Region keine Probleme damit haben, ihre Beziehung zu Gott öffentlich zu machen. Sie füllen die Bänke im Dom während der Bischofskonferenz vielleicht auch, um die kirchlichen Würdenträger zu motivieren. Denn die Bischöfe müssen bei ihren wichtigen Beschlüssen Neues wagen und ebenso das Gute bewahren.