21.06.2017

Paar feiert silberne Hochzeit

Es passt noch alles!

Wenn sie einander anschauen, ist Liebe in ihren Augen. Zärtlichkeit. Und eine Übereinstimmung, die keine Worte braucht. Seit 25 Jahren sind Bärbel Hasselbach und Johannes Edelmann verheiratet. Es geht also. Und es geht nicht nur – es geht gut. Es geht beiden gut in und mit ihrer Beziehung. Wie das „geht“ – und warum dabei gerade auch Worte eine große Rolle spielen – darum geht es im Gespräch mit der Kirchenzeitung.Von Maria Weissenberger.

Ihre Hochzeitskleidung haben Bärbel Hasselbach und Johannes Edelmann die ganze Zeit über aufgehoben. Als sie die Sachen neulich herausholten und anprobierten, stellten sie fest: Alles passt noch! Wer ihnen zuhört, wenn sie lebhaft von ihrer Hochzeit erzählen, der spürt, dass sie sich gern daran erinnern, wie sie ihre Feier gestaltet haben. Für andere mag es befremdlich wirken, zumindest ungewöhnlich – für sie hat es gepasst: Ein regelrechtes Festwochenende haben sie aus ihrer Hochzeit gemacht – und doch weit entfernt von pompösen Hochzeits-Events, wie sie für viele gang und gäbe sind. „Wir haben ganz schlicht gefeiert“, betonen beide, „aber mit vielen Gästen.“ Nicht nur mit den Familienangehörigen, auch mit den Freunden, die sie bis dahin begleitet hatten, wollte das junge Paar seine Lebensentscheidung feiern.
 

Hochzeitsfest am Lagerfeuer mit Liedern zur Gitarre

Bärbel Hasselbach und Johannes Edelmann. Foto: Maria Weissenberger
Bärbel Hasselbach und Johannes Edelmann. Foto: Maria Weissenberger

Die Begeisterung schwingt noch mit, als sie das Wochenende vor 25 Jahren in Kirchähr im Westerwald schildern: Freitags abends feierten sie auf der Wiese, am Lagerfeuer mit Liedern zur Gitarre. Als sie samstags nachmittags ihren Traugottesdienst feierten, „war die kleine Dorfkirche richtig voll“, schwärmt Bärbel Hasselbach. Sonntags klang die Feier bei einem Frühstück des Brautpaars mit seinen Gästen aus.  Zwischendurch nach Hause fahren musste niemand: „Für einige Gäste war Platz in der Jugendbegegnungsstätte des Bistums, die anderen haben in Zelten übernachtet“, erzählt Johannes Edelmann. „Passend zu unserem Trauspruch“, sagt seine Frau lächelnd und zitiert: „In deinem Zelt möchte ich Gast sein auf ewig, mich bergen im Schutz deiner Flügel.“ Nicht nur, weil sie damals gern zelten gingen, haben sie den Satz aus dem Psalm 61 ausgewählt. Er trifft für sie nicht nur auf ihre Beziehung zu Gott zu, sondern auch auf ihr Miteinander. Bei einander Gast zu sein, das macht klar: Die Partner gehören einander nicht. Das Bild vom Zelt zeigt: Die Ehe ist nichts Statisches, vielmehr entwickeln sich die Partner auf ihrem gemeinsamen Weg weiter – und mit ihnen verändert sich auch ihre Beziehung. Die ersten beiden Jahre ihrer Ehe hatten tatsächlich etwas von einem Nomadenleben: Dreimal sind sie umzogen.

Seit 23 Jahren aber steht ihr „Zelt“ nun an seinem festen Platz in Hofheim im Taunus. Und die schöne Wohnung im sechsten Stock möchten sie auch nicht aufgeben – nicht nur wegen der super Aussicht. „Gewohntes“ steht eben nicht immer für Stillstand – in mancher Hinsicht können gute Gewohnheiten sogar dazu verhelfen, dass eine Ehe nicht in der Gewöhnung erstarrt. Für die beiden 53-Jährigen sind ihre regelmäßigen „Ehegespräche“ eine solche gute Gewohnheit. Bei ihrer Ehevorbereitung bekamen sie die Anregung zu dieser ritualisierten Form des Gesprächs, die sie nun seit 25 Jahren alle 14 Tage pflegen: Jeder hat 20 Minuten Redezeit, in denen der andere ihn nicht unterbrechen darf – erst danach tauschen sich die Partner miteinander aus. Die Regelmäßigkeit dieser Gespräche, betonen die Eheleute, sorgt dafür, „dass sich nichts zu lange aufstaut“. Und sie sind überzeugt: Dieses Ritual hat viel dazu beigetragen, dass sie einander nicht „verloren“ haben. Deshalb sind sie sich auch einig: Dieser „Termin“ darf nicht ausfallen! Dass beide Theologen sind – sie Gemeindereferentin, er Pastoralreferent – ist sicher keine Garantie dafür, dass die Ehe „hält“. Doch abgesehen davon, dass beider Entscheidung zu einem Seelsorgeberuf sie in einer Ausbildungsveranstaltung zusammenführte: Der gemeinsame Glaube und das „Arbeitsfeld“ Kirche brachten von vornherein gemeinsame Interessen mit sich. Damit aber aus der ersten Anziehung eine tiefe, beständige Beziehung wachsen kann, braucht es mehr. Es sind „viele Kleinigkeiten, die passen“, sagt Bärbel Hasselbach. Lächelnd erinnert sich auch ihr Mann daran, wie sie als frisch Verliebte nach und nach entdeckten, was „passt“. Zum Beispiel die Kleinigkeit, dass beide alle 73 Karl-May-Bände gelesen hatten ...

Gemeinsame Zeiten stehen lange im voraus im Terminkalender

„Das Verständnis füreinander ist wichtig“, sagt seine Frau. Und das fällt leichter, „wenn man sich vorstellen kann, was der andere arbeitet und warum er vielleicht abends total k. o. ist“. Außerdem ist beiden von Anfang an klar: Durch die Arbeit in der Gemeinde sehen sie sich in manchen Wochen nur selten und haben kaum Gelegenheit zum Austausch. Umso wichtiger ist es, Zeiten füreinander sicherzustellen. Deshalb stehen bei dem Ehepaar immer auf lange Sicht gemeinsame Tage im Terminkalender. „Diese Zeiten sind uns heilig“, betonen sie. Nur wenn es gar nicht zu vermeiden ist, wird so ein Termin verschoben – dann wird aus dem gemeinsamen Abend vielleicht mal ein ausgedehntes Frühstück zu zweit.
Einmal in der Woche setzen sie sich zusammen, schauen miteinander, was in den nächsten Tagen bevorsteht. Der „Familienkalender“ – nachdem die Kinder Ronja (21) und Janis (19) selbstständiger geworden sind, ist es eher ein „Partnerkalender“ – sorgt für den Überblick. Es kostet Mühe, mit den Eintragungen „am Ball zu bleiben“, aber es lohnt sich. Natürlich gab es, wie in jeder Ehe, auch schwierige Zeiten. „Größere Krisen hatten wir zum Glück nicht“, sagen die beiden dankbar. Phasen, in denen vorhersehbar ist, dass es kritisch werden kann, haben sie planvoll gemeistert. Der Gefahr, durch ihre Elternrolle die Paarbeziehung zu vernachlässigen, begegneten sie etwa gezielt mit „kleinen Höhepunkten“ im Alltag. So organisierten sie eine Kinderbetreuung, um sich auch mal einen Restaurantbesuch, einen Abend im Kino, Theater oder beim Kabarett zu gönnen. Die Arbeit im Haushalt und in der Kindererziehung haben sie sich immer geteilt. Dass dies möglich war, dafür sind sie dem Bistum Limburg dankbar, das sich als Arbeitgeber flexibel zeigte: So konnte der junge Vater seine Arbeitszeit auf 80 Prozent reduzieren, später konnten sich die Partner eine Stelle im Verhältnis 75 zu 25 Prozent teilen. Exerzitienangebote für Familien und Fortbildungsveranstaltungen für Paare im pastoralen Dienst, immer mit Kinderbetreuung, waren darüber hinaus hilfreich. Heute ist Johannes Edelmann Vollzeit in der Gemeinde in Eppstein tätig, seine Frau arbeitet mit halber Stelle in der Hofheimer Gemeinde. „Schade ist, dass wir die Hochfeste nie miteinander feiern können – aber das war uns ja klar, und damit können wir umgehen.“

Im Lauf der Zeit haben sie unterschiedliche Hobbys für sich entdeckt

Bärbel Hasselbach und Johannes Edelmann. Foto: privat
Bärbel Hasselbach und Johannes Edelmann. Foto:privat

Gut umgehen können sie auch mit den unterschiedlichen Hobbys, die sie im Lauf der Jahre für sich entdeckt haben: Sie spielt in mehreren Ensembles Querflöte, hat Spaß am Tanzsport, am Wandern und Klettern. Er hat’s eher mit dem Fußballspielen. Und mit Johannes Mockenhaupt, Gemeindereferent in Wiesbaden, macht Johannes Edelmann Kirchenkabarett: Als „JoJos“ betrachten sie das kirchliche Leben von der heiteren Seite – und unterstützen mit dem Erlös das katholische Hilfswerk Missio. Das alles geht nur, weil die Eheleute einander Freiräume lassen – was umso besser funktioniert, als sie ihre Zweisamkeit nicht vernachlässigen. Aber dieses Thema hatten wir ja schon ... Siehe oben! Hilft der gemeinsame Glaube, die Entscheidung zu Ehe und Familie durchzutragen? Ja, da sind sich Bärbel Hasselbach und Johannes Edelmann sicher. Besser als Papst Franziskus in seinem Apostolischen Schreiben „Amoris laetitia“, sind sie sich einig, kann man es kaum sagen: Die Partner sind füreinander „Widerschein der göttlichen Liebe“, heißt es da. Und der Wunsch, eine Familie zu gründen, ist bei allem Bewusstsein für die menschliche Begrenztheit „der Entschluss, ein Teil von Gottes Traum zu sein, der Entschluss, mit ihm zu träumen, der Entschluss, mit ihm aufzubauen, der Entschluss, sich mit ihm in dieses Abenteuer zu stürzen, eine Welt aufzubauen, wo keiner sich allein fühlt“. 25 Jahre Teil von Gottes Traum – das muss gefeiert werden. Mehr als einmal: Am Tag der Silberjubelpaare in Limburg. Mit einem gemeinsamen Urlaub in Südtirol. Und bei einem kleinen Fest mit der Familie und den Trauzeugen. Auf der Einladung dazu zwei Fotos des Paares in Hochzeitskleidung – vor 25 Jahren und heute. „Wir sind ins gesetzte Alter gekommen – aber es passt noch alles.“ Nicht nur das Brautkleid und der Anzug.