25.04.2018

Etwas Besonderes

Einige Kirchen und Pfarreien sind mit dem Namen der Gottesmutter Maria verbunden. „Der Sonntag“ hat nachgehört, ob sich die Menschen dort wegen des Patronats besonders aufgerufen fühlen, den Mai als Marienmonat zu begehen. Von Barbara Schmidt.

Die Franziskaner in Geisenheim laden im Mai zu vielen Veranstaltungen in ihre Wallfahrtskirche mit dem Gnadenbild ein. Infos: http://franziskaner-marienthal.de | Foto: Archiv
Die Franziskaner in Geisenheim laden im Mai zu vielen Veranstaltungen in ihre
Wallfahrtskirche mit dem Gnadenbild ein.
Infos auf der Homepage der Franziskaner Foto: Archiv

In Bad Homburg heißt die „Pfarrei neuen Typs“ St. Marien. Und tatsächlich sagt Pfarrer Werner Meuer spontan „Ja“ auf die Frage, ob der Mai als Marienmonat dort auch gefeiert wird. „Wir haben am ersten Samstag im Monat eine Lichterprozession gemeinsam mit den muttersprachlichen Gemeinden, das sind Philippinen, Kroaten und Italiener“, so Meuer. Dazu gebe es Mai-Andachten in allen Kirchen, gestaltet von Ehrenamtlichen.

In St. Marien werde der Marienmonat am 1. Mai feierlich eröffnet, in einer anderen Kirche der Pfarrei am 31. Mai dann ebenso feierlich beschlossen. In seinen Ansprachen versuche er „in theologisch verheutigter Sprache Maria als Mutter Jesu den Menschen nahe zu bringen“, so Pfarrer Meuer. Auch der Marienaltar sei im Mai „sehr frequentiert“. Vor der Homburger Pietà entzündeten Gläubige täglich aber auch sonst schon bis zu 100 Kerzen. „Für eine Nicht-Wallfahrtskirche schon eine stattliche Anzahl“, findet Meuer.

Mai-Andachten werden auch in St. Maria Himmelfahrt im Taunus gepflegt, in diesem Jahr zentral „in St. Alban im Kirchort Schönberg“, wie Kaplan Tobias Blechschmidt weiß. Getragen würden sie – mittlerweile fast die Regel – von Ehrenamtlichen. Da die Feiertage Christi Himmelfahrt, Pfingsten und Fronleichnam in diesem Jahr allesamt im Mai lägen und ein Schwerpunkt der Pfarrei die Schulseelsorge sei, gebe es zu den „langen Wochenenden“ zahlreiche Fahrten. Damit bleibe im Kalender diesmal kaum Platz für anderes. Der Fatima-Tag falle immerhin auf einen Sonntag. „Da werden wir dann eine besondere Marienandacht haben“, so Blechschmidt.

Pater Karl Knott ist Pfarrer von „St. Marien in der Augst“ im Westerwald. Namensgeberin der „Pfarrei neuen Typs“ sei eine kleine Kapelle in Kadenbach namens St. Maria in der Augst, erläutert Knott. Das verpflichtet aber nicht erst jetzt: Zu Beginn und zum Ende des Mai-Monats werde hier stets eine Marienandacht gefeiert, zu der alle eingeladen seien. „Das ist schon etwas Besonderes“, sagt der Pallottiner. Zudem gebe es seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine Gelobte Fußwallfahrt am 1. Mai, deren Ziel das Marienkapellchen in Vallendar sei.

Ebenfalls der Gottesmutter Maria geweiht ist die Bergkapelle in Hofheim. Hier hält die Kolpingfamilie die Tradition der Mai-Andacht hoch und lädt dazu alle Kolpingfamilien im Bezirk ein.

In der Region verwurzelt

In Hadamar hat Andreas Fuchs mehrere Marienkirchen in seiner Pfarrei und drei Wallfahrtsorte. „Hier ist die Marienverehrung noch verwurzelt, die sich besonders – aber nicht nur – im Mai zeigt,“ sagt der Pfarrer. An den drei Marienwallfahrtsorten „Sieben Schmerzen“ im Wald von Oberzeuzheim, in Beselich und auf dem Herzenberg beginne zum 1. Mai die Wallfahrtszeit. An den zwei letztgenannten Orten wird dann wöchentlich Eucharistie gefeiert, sonntags gibt es eine Eucharistische Andacht. Die Eröffnung am 1. Mai ziehe nach wie vor viele Menschen an. „So beginnen sie hier ihren Mai“, weiß der Pfarrer. Von Gemeindemitgliedern gestaltete Mai-Andachten gebe es zudem, aber nicht mehr „flächendeckend“, sagt Fuchs. In einigen Familien werde noch die Tradition des Blumen-geschmückten „Mai-Altars“ gepflegt.

In Wiesbaden-Freudenberg weist Schwester Cordula-Marien Leidig auf die Andachten im Pater-Kentenich-Haus am 1. Mai und an den Maisonntagen, jeweils 15.30 Uhr, hin.

 

Meinung: Mehr als Tradition

Bernhard Perrefort
Bernhard Perrefort
Foto: privat

Wenn eine Kirche, eine Pfarrei den Namen „Maria“ trägt, wissen selbst Menschen, die sich im Heiligenkalender weniger gut auskennen, um wen es sich handelt. Und wenn die Gottesmutter in diesen Orten einen Monat lang besonders im Mittelpunkt steht und dies gut angenommen wird, wird ihre Bedeutung auch in der heutigen Zeit einmal mehr deutlich. Dass sich vielerorts Ehrenamtliche einbringen, Andachten und Ähnliches zu organisieren, ist wahrscheinlich nicht nur mit Traditionspflege zu erklären. Hier wird Maria verehrt – als Mensch, als Trösterin oder als eine Glaubende, die zeigt, wie man sich für Gott öffnen und ihm Raum geben kann.