30.06.2020

Sommerserie 2020 - Teil 1

Bei gefiederten Gefährten

Mit der Kirchenzeitung geht es in einen „Tierischen Sommer“. Erste Station ist der Besuch im Wildpark „Alte Fasanerie“ in Hanau. Hier ist die Chance groß, Wildschweine, Fasane oder Wölfe zu Gesicht zu bekommen. Besonders angenehm in Corona-Zeiten: Der Park bietet viel Platz. Von Julia Hoffmann.

Pfau
Der Pfau darf in der Fasanerie frei umherstolzieren.

Es ist schon zu einem Ritual geworden: Vom Eingang aus erstmal nach rechts laufen, zu den Volieren der Fasane. Deshalb bekommen wir nie die Bisons zu Gesicht, die links vom Eingang auf einer Weide stehen. Aber das stört den Sohn nicht, er mag am liebsten Vögel anschauen. Nachdem wir die bunt gefiederten Namensgeber des Parks ausführlich bewundert haben, folgen wir dem Weg weiter zu einem Streichelzoo. Dieser ist allerdings wegen Corona geschlossen. Sehen kann man die Tiere dennoch, nur nicht wie sonst hineingehen in ihr Gehege, um sie zu streicheln. Dort gibt es vor allem einheimische Tiere wie Kaninchen und Ziegen. In Nicht-Corona-Zeiten gibt es Tierfutter am Eingang zu kaufen. Jetzt wirken die Tiere entspannter als sonst. Sie sind nicht mehr so auf das gekaufte Tierfutter der Besucher fixiert. 

Logo SommerserieAuch sonst herrscht im Park im Moment eine besondere Atmosphäre. Es ist ruhiger, kein Gedränge an den Gehegen. Sehr angenehm, dass hier Abstand halten problemlos gelingt. Und nach der Maskenpflicht im Eingangsbereich kann man diese abnehmen und Corona für ein paar Stunden vergessen. 

107 Hektar groß ist das Gelände der Alten Fasanerie. Auf 15 Kilometern Wanderwegen kann man den Wald durchstreifen. Auch die Tiere haben hier viel Platz: Allein das Gehege des Rotwilds ist zwölf Hektar groß. Das entspricht ungefähr der Fläche des gesamten Frankfurter Zoos. 

Jetzt, wo es kein zusätzliches Futter von den Besuchern gibt, verteilen sich die Wildtiere im Wald. Es gibt aber Erhöhungen am Rand der Gehege, von denen aus sie trotzdem gut zu beobachten sind. 

Spielende Kinder Foto: Julia Hoffmann
Mehrere Spielplätze bieten Kindern Abwechslung. Foto: Julia Hoffmann

Weiter führt der Weg an einem von mehreren Spielplätzen vorbei. Spätestens jetzt nehmen die Kinder Reißaus und klettern und turnen über die Spielgeräte. Gut, dass direkt daneben zwei Wagen stehen, an denen es Eiscreme und Kaffee zu kaufen gibt. Die Sitzbänke stehen weiter auseinander als sonst, auch hier fällt das Abstandhalten deshalb nicht schwer. Nach dem Spielplatz geht die Runde weiter, vorbei an Störchen, die hier zu Besuch sind, Richtung Rotwild. Dann stehen wir plötzlich direkt vor mehreren weißen Wölfen. Sehr nah trauen sie sich an den Zaun heran, und wir können sie beim Wassertrinken beobachten. Direkt daneben wohnen die Präriewölfe, deren Fell dunkler ist. Sie sind heute zurückhaltender als ihre weißen Artgenossen und lassen sich nur kurz zwischen den Bäumen blicken.

Nach dem nächsten Spielplatz weist ein Schild den Weg zu einem Klettergarten, der von einem externen Anbieter auf dem Gelände betrieben wird. Und zur Falknerei. Dort können Besucher sonst die Flugkünste von Greifvögeln bewundern, aber derzeit finden keine Vorführungen statt. 

Wir kommen an weiteren Volieren vorbei. Hier wohnen Uhus, Greifvögel, und auch Schneeeulen wollen bewundert werden. Dazwischen wohnen Luchse, die sich heute nicht blicken lassen, und in einem Gehege wohnt der Goldfasan. Mit seinem leuchtend goldenen und roten Gefieder zieht das Männchen alle Blicke auf sich, das Weibchen hat sich in ein dezenteres Federkleid gehüllt. Auf einer Wiese stolziert ein Pfau umher. Sein lautes Schreien haben wir schon beim Betreten des Parks gehört. Wer mag, kann eine Runde Ponyreiten. Gegen Gebühr. 

Diesen schönen Nachmittag haben wir dem Mainzer Erzbischof Karl Friedrich von Ostein zu verdanken. Er ließ die Fasanerie 1750 anlegen (siehe „Zur Sache“). Damals gefiel es Adligen und Kirchenoberen, in solchen Parks Tieren hinterherzujagen. Das Jagdhaus zeugt davon. Es wurde ursprünglich vom Mainzer Erzbischof Lothar Franz von Schönborn gebaut und dient heute als Gaststätte. Während früher Jagd mit Gewehren auf die Tiere gemacht wurde, zücken Besucher heute lediglich ihre Kameras und Handys, um Fotos von den Tieren zu „schießen“.

 

Zur Sache: Geschichte des Parks

Der Hanauer Wildpark hat Tradition: 1710 befand der Mainzer Erzbischof Lothar Franz von Schönborn die „Untere Fasanerie“ als geeigneten Ort für eine 38 Hektar große Fasanerie. Weil der Mainzer Erzbischof gern auf die Jagd ging, errichtete er ein stattliches Jagdhaus – dieses dient heute als Gaststätte.

Das war einem seiner Nachfolger, dem Erzbischof Karl Friedrich von Ostein, noch nicht genug: 1750 wurde die „Untere Fasanerie“ aufgegeben und die südlich gelegene „Obere Fasanerie“ erschlossen. Das neue Gelände umfasste 107 Hektar, umgrenzt von einer 3 800 Meter langen Bruchsteinmauer. Etwa hundert Jahre später begannen die Großherzöge von Hessen-Darmstadt das Gelände als Hofjagdrevier zu nutzen – Kiefern und Eichen wurden aufgeforstet. Das Jagdrevier bestand bis zum Ende des Ersten Weltkriegs.

Als nächster Besitzer machte das Land Hessen 1967 die Fasanerie der Öffentlichkeit als Wildpark zugänglich. Heute betreibt das Forstamt Hanau-Wolfgang den Wildpark „Alte Fasanerie“: Ein Team von elf Leuten kümmert sich um die rund 350 Tiere und richtet eine Vielzahl von Veranstaltungen aus. Das Forstpersonal pflegt die Bäume, die Wanderwege und die Sitzgelegenheiten, sodass die Besucher den geschichtsträchtigen Park genießen können. (pm)

 

Öffnungszeiten März bis Oktober: 9 bis 19 Uhr; Eintritt 7 Euro, es gibt Familienkarten und Ermäßigungen. Infos: www.hessen-forst.de/alte-fasanerie