30.08.2018

Am "Tag des offenen Denkmals" zu einem der ältesten katholischen Gotteshäuser in Kassel

Fenster halten Bomben stand

Die Kapelle des Elisabeth-Krankenhauses zählt zu den ältesten katholischen Gotteshäusern Kassels. Sie hat den Bombenangriff 1943 nahezu unbeschadet überstanden. Am Tag des offenen Denkmals lohnt sich ein Besuch. Von Hans-Joachim Stoehr.

Kapelle des Elisabeth-Krankenhauses in Kassel vor dem Zweiten Weltkrieg Foto: Archiv
So sah die Kapelle in den Jahren vor der Zweiten Weltkrieg aus. | Foto: Archiv

Die Kapelle des Krankenhauses hat Marieluise Labrie von Beginn an beeindruckt. „Als ich 2012 zum ersten Mal hierher kam, wurde mir beim einem Rundgang auch die Kapelle gezeigt. Da erleuchteten die Sonnenstrahlen durch die Buntfenster den Altarraum in einem gelben Farbton. Das war wunderbar“, erinnert sich die Krankenhausdirektorin. Das Kleinod im Krankenhaus am Kasseler Weinberg hat es ihr bis heute angetan. Eine Folge: In der Kapelle finden in unregelmäßigen Abständen Konzerte statt, die nicht nur die Zuhörer in der Kapelle erfreuen. „Sie werden auch in die Krankenzimmer übertragen“, erklärt Labrie.

Die Krankenhausdirektorin verweist auf die Fenster im linken Seitenschiff der Kapelle. Es ist kaum zu glauben. Aber mehrere von ihnen haben die Bombennacht vom 22. auf den 23. Oktober 1943 überstanden. Zur Erinnerung: Bei dem Angriff wurde die Kasseler Altstadt nahezu komplett zerstört. Auch die alte Elisabeth-Kirche und die Kirche St. Familia wurden ein Opfer der Sprengstoff- und Brandbomben. Vermutlich bis zu 10000 Menschen verloren damals ihr Leben.

Notkirche für Gemeinden der Kasseler Innenstadt

Kapellenfenster Foto: Stoehr
Fenster aus den 1920-er Jahren.
Foto: Hans-Joachim Stoehr

In der Zeit nach dem verheerenden Bombenangriff diente die Kapelle des Elisabeth-Krankenhauses als Notkirche. Labrie zeigt die Kopie einer Urkunde. Sie wurde ausgesellt zur Erstkommunion, die in dem kleinen Gotteshaus am Weinberg stattfand.

Geweiht wurde die Kapelle 1888. Sie war Teil des Elisabeth-Klosters der Vinzentinerinnen. Die erste Ordensfrau war 1880 vom Mutterhaus in Hildesheim nach Kassel gekommen. 1882 folgten zwei weitere Schwestern nach Kassel. Die Ordensfrauen lebten im katholischen Waisenhaus und waren in der ambulanten Alten- und Krankenpflege eingesetzt. Sechs Jahre später zogen sie in ein neu errichtetes Gebäude. Das Kloster hatte die heilige Elisabeth als Hauspatronin – wie die damals einzige katholische Kirche der Stadt.

An den Wänden im Mittelschiff sind neben Darstellungen von Maria und Josef Statuen der heiligen Bonifatius und Bernward auf Sockeln aufgestellt. Bernward war Bischof in Hildesheim und steht für die Herkunft der Vinzentinerinnen, deren Mutterhaus. Der heilige Bonifatius wiederum ist der Patron des Bistums, in dessen Territorium Kassel liegt.

Bei der Einweihung der Kapelle gab es die heutigen Seitenschiffe noch nicht. Sie kamen beim ersten Umbau des Sakralraums 1924 hinzu. Sie waren Teil eines überdachten Umlaufs um die Kapelle. Der offene Raum zwischen den Säulen wurde durch Mauerwerk und Fenster geschlossen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Mitte der 1950-er Jahre die ursprünglich bemalten Fenster mit weißer Farbe überstrichen.

Um das Gotteshaus auch für die Zukunft zu erhalten, stehen einige Baumaßnahmen an. Labrie nennt das Schieferdach und eine Außenverglasung für die Fenster. Denn: „Im Sommer ist hier drin sehr warm und im Winter sehr kalt.“

Italiener und Ukrainer nutzen das Gotteshaus

Die Kapelle in zentraler Lage Kassels wird gut genutzt. Vier Gottesdienste pro Woche finden regelmäßig statt. Hinzu kommen Gottesdienste der Italienischen Mission, der ukrainisch-orthodoxen Gemeinde sowie der Schwedischen Hochkirche. Zudem kommen Lehrer und Schüler des nahe gelegenen Friedrich-Gymnasiums zu liturgischen Feiern in die Kapelle.

 

Zur Sache: Geöffnete Kirchen

  • Elisabeth-Krankenhaus Kassel: Der Tag des offenen Denkmals beginnt um 9 Uhr mit einem Festgottesdienst. Danach sind im Tagesverlauf mehrere Konzerte. Ab 15 Uhr erinnern Zeitzeugen an das Jahr 1943. Abschluss ist nach einem Konzert um 17 Uhr.
  • Magdalenenkapelle Amöneburg :1343 wurde die gotische Kapelle im Dorf Lindau unterhalb von Amöneburg erbaut, 1868 wurde an der Stelle eine neugotische Kapelle (von 10 bis 18 Uhr geöffnet)
  • Kirche Mariä Himmelfahrt, Kirchhain: erbaut im 15. Jahrhundert als gotische Kirche mit Netz- und Sterngewölbe (10 bis 17 Uhr).
  • Schönbergkapelle, Schrecksbach, im 12. Jahrhundert Bau der Kapelle, 1958 Freilegung gotischer Wandmalereien und Fund eines Urkunden-siegels des Fuldaer Abts Marquard (geöffnet 10 bis 18 Uhr).

Internet: tag-des-offenen-denkmals.de/laender/he/

 

Meinung: Durchbetete Kapelle

Hans-Joachim Stoehr
Hans-Joachim Stoehr
Redakteur

Diese Kapelle ist ein besonderer Ort in Kassel. Denn sie überstand den verheerenden Bombenangriff 1943 nahezu unbeschadet. Anders als viele Menschen damals, die im Feuersturm zum Teil alles verloren hatten, bis hin zu ihren Angehörigen. Ihre Sorgen und Nöte konnten sie in der als Notkirche dienenden Krankenhauskapelle Gott anvertrauen.

Das Kirchlein ist nicht nur ein Relikt aus vergangener Zeit, sondern ein wichtiger Ort der Seelsorge heute. Patienten können dort ihre Sorgen und Nöte, aber auch ihren Dank hinbringen. Und nicht nur Menschen im Krankenhaus. Der kleine „durchbetete“ Andachtsraum wird auch gern von Christen anderer Länder und Konfessionen genutzt.