03.06.2019

Papstreise nach Rumänien

Franziskus als Brückenbauer

Papst Franziskus hat Rumänien besucht und sieben griechisch-katholische Bischöfe selig gesprochen. 

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Mit rund 80.000 Menschen feierte Papst Franziskus einen Gottesdienst in Rumänien. Dabei malte er auch auf eine Ikone. Foto: kna


Zur Freiheit gehört Musik. Lange bevor der Papst am Sonntagmorgen auf dem "Feld der Freiheit" in Blaj eintrifft, erklingen von einer Seitenbühne Gesänge. Gleich zu Beginn von Sava Negrean Brudascu, in Rumänien bekannt für siebenbürgische Heimatlieder. Lieder, die auf die Animositäten zwischen Rumänen und Ungarn anspielen, lässt sie aus. Solche Texte passen nicht zu dem, was Franziskus in diesen Tagen ständig predigt: Es ist eure kulturelle und religiöse Vielfalt, die den Reichtum Rumäniens ausmacht und zu wahrer Freiheit gehört.

Blaj - auf Deutsch Blasendorf - gilt als Symbolort rumänischen Nationalbewusstseins. Hier, auf dem Feld der Freiheit, versammelten sich 1848 rund 40.000 Rumänen Siebenbürgens, um gegen die ungarische Vorherrschaft zu demonstrieren. Beim Wallfahrtsgottesdienst mit der ungarischen Minderheit am Samstag in Sumuleu Ciuc waren nur rot-weiß-grüne Fahnen zu sehen. Am Sonntag wallt auf dem von Büsten rumänischer Nationalhelden gesäumten Feld der Freiheit eine riesige Landesflagge in Blau-Gelb-Rot.

Das Feld der Freiheit ist noch aus einem weiteren Grund symbolträchtig: Als 1948 Rumäniens neue kommunistische Machthaber zur 100-Jahr-Feier der "Nationalversammlung" aufmarschierten, verboten sie dabei die griechisch-katholische Kirche, konfiszierten deren Eigentum und verhafteten ihre Priester und Bischöfe. Römisch-katholische und orthodoxe Kirche traf es ebenfalls, wenn auch nicht so gnadenlos.

Deswegen spricht der Papst genau hier sieben griechisch-katholische Bischöfe selig. Zwischen 1950 und 1970 starben sie nach Folter und Haft durch die Staatspolizei. Quer über dem Papst am Dach der Altarbühne prangt das Bekenntnis der Überlebenden: "Ich glaube an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche".

Der rund zweistündige Gottesdienst mit rund 80.000 Menschen, unter ihnen neben der politischen Führung auch der jüdische Oberrabbiner und der muslimische Mufti des Landes - aber kein offizieller orthodoxer Vertreter -, findet im byzantinischen Ritus statt. Franziskus würdigt das Martyrium der Sieben, das "ohne Worte des Hasses auf ihre Verfolger" ausgekommen sei. Dies sei eine "prophetische Botschaft" an die Heutigen: "den Hass mit der Liebe und der Vergebung zu besiegen" und christlichen Glauben konsequent und mutig zu leben.

Zugleich warnt Franziskus vor neuen "atheistischen Ideologien", die "auf subtile Weise" die Menschen von den "reichen kulturellen und religiösen Überlieferungen entfremden wollen" und "den Wert der menschlichen Person, des Lebens, der Ehe und der Familie verachten". Vor allem schade das neue Regime des globalisierten Konsumismus, auf das er anspielt, Jugendlichen und Kindern. Damit greift er ein Anliegen auf, das am Freitag bereits der orthodoxe Patriarch Daniel eingefordert hatte.

 

Politische Vertrauenskrise in Rumänien

Die päpstlichen Appelle an Gemeinwohl und Zusammenhalt erklingen in diesen Tagen vor dem Hintergrund einer politischen Vertrauenskrise: der Verhaftung des Chefs der Regierungspartei PSD, Liviu Dragnea. Wie die Katholiken - wenn auch landesweit nur eine Minderheit - denken, zeigt sich beim Auftritt der Prominenz. Als Präsident Klaus Johannis und seine Frau durch den Mittelgang gehen, werden sie von Beifall begleitet. Als auf den Großbildschirmen Ministerpräsidentin Viorica Dancila von der PSD ins Bild kommt, gibt es Buhrufe.

Wie viel Beifall - oder Buhrufe - der Papst für seine letzte Ansprache dieser Reise auch aus den eigenen Reihen erhalten würde, ist schwer zu sagen. "Im Namen der Kirche bitte ich den Herrn und euch um Vergebung dafür, wenn wir euch im Laufe der Geschichte diskriminiert, misshandelt oder falsch angeschaut haben", sagt Franziskus am Nachmittag bei einer Begegnung mit rund 300 Roma in Blaj.

Die kleine Kirche der Roma-Gemeinde, die erst vor zwei Wochen geweiht wurde, bietet über das päpstliche Gefolge hinaus nicht viele Sitzplätze. Als Kardinalstaatssekretär Parolin nach draußen geht, um Platz zu schaffen, folgen ihm die anderen Kardinäle und Bischöfe. Familien aus dem Ort nehmen ihre Plätze ein. Franziskus' Leibwächter lässt noch einige neugierige Kinder in die Kapelle. 

kna