18.03.2021

Hausbesuchsdienst in Fuldaer Pfarrei St. Lukas

Gegen die Kälte der Einsamkeit

Eine Kirchengemeinde ohne karitatives Engagement von Ehrenamtlichen – für den Fuldaer Diakon Josef Gebauer ist das nicht vorstellbar. In der Pfarrei St. Lukas organisiert er mit einem Team seit 2015 einen Hausbesuchsdienst. „Nächstendienst ist Gottesdienst“, betont er.


Die Hand am Fenster ist wie der Hilferuf eines einsamen Menschen, der sich einen Besuch wünscht.

 

Von Hans-Joachim Stoehr

„Mir fällt auf, dass eine Frau nicht mehr in die Kirche kommt. Was ist da los?“ Diese Frage einer Kirchgängerin war bei Josef Gebauer 2015 der Auslöser, über einen Hausbesuchsdienst in seiner Gemeinde nachzudenken. Gebauer ist Diakon in St. Lukas auf dem Fuldaer Aschenberg. Vor seinem Eintritt in den Ruhestand war er Sozialarbeiter beim Caritasverband. Der Diakon beschreibt die Situation bei der Gründung des Hausbesuchsdienstes: „Die Krankenhausaufenthalte wurden immer kürzer. Die älteren Menschen mit ihren Gebrechen waren zuhause. Und hinzu kam und kommt die Vereinsamung. Genau dagegen wollten und wollen wir etwas unternehmen.“ Gebauer entwarf ein vierseitiges Konzept zu den Fragen: „Was wollen wir tun und erreichen?“, „Was brauchen wir?“ Das besprach er mit dem Pfarrgemeinderat von St. Lukas und mit den Ehrenamtlichen, die mitmachen wollten.

Gegenseitiger Austausch für die Psycho-Hygiene

Gebauer betont, bei der Organisation dürfe es nicht nur um das Wohl des Menschen gehen, der besucht wird, sondern auch um das des ehrenamtlichen Besuchers. Deshalb: „Es ist ganz wichtig, sich in der Gruppe regelmäßig auszutauschen. Denn das ist gut für die Psycho-Hygiene“, ist Gebauer überzeugt. Die Gruppe sollte von einer Person begleitet werden, die dazu durch ihre berufliche Qualifikation in der Lage ist. Gebauer fügt mit Blick auf Pfarreien, die ebenfalls einen solchen Dienst aufbauen möchten, hinzu: „So jemand muss nicht aus der eigenen Pfarrei stammen.“
Der Hausbesuchsdienst wird von der Kirchengemeinde angeboten, wendet sich aber nicht ausschließlich an Gemeindemitglieder. „Wir sind für alle da, die sich über einen Besuch freuen“, betont der Diakon. „Missionarisch“ ist dieser Dienst für Gebauer ebenfalls. Aber nicht im Sinn, dass die Ehrenamtlichen „ungefragt mit der christlichen Botschaft ins Haus fallen“. Gebauer macht deutlich: „Wenn wir aber gefragt werden, warum wir diesen Dienst verrichten, dann können wir auf die christliche Wurzel unseres Tuns hinweisen.“ Deshalb ist dem Diakon auch eine geistliche Begleitung der Ehrenamtlichen wichtig. Denn für ihn steht fest: „Nächstendienst ist Gottesdienst.“

Das Besondere einer christlichen Gemeinde

Zu den ehrenamtlichen Männern und Frauen, die wie Diakon Gebauer bei den karitativen Diensten mitmachen, zählt die Ärztin Dr. Ingrid Chiari. Ein solcher Dienst sei für die Gemeinde von großer Bedeutung. Denn, so Chiari: „Das Schlimmste für einen Menschen ist doch das Gefühl, dass sich niemand um einen kümmert. Das sollte eine Gemeinde vermeiden.“ Daran könnten die Menschen in und außerhalb der Kirche sehen, worum es im Evangelium geht, das Besondere, das eine christliche Gemeinde ausmacht. Sie nennt das Beispiel einer kranken Frau aus der Gemeinde. „Eine von uns hat sie eingeladen, mit ihr spazieren zu gehen. Eine andere hat sie zum Gottesdienst mitgenommen. So bilden wir ein Netzwerk um diese Frau. Und das schafft Wärme, das Gefühl, angenommen zu sein.

Diakon Josef Gebauer leitet das Team der
Besuchsdienste in der Fuldaer Pfarrei St. Lukas.


Corona verstärkt die Einsamkeit der Menschen, da Besuche bei älteren Menschen nicht wie bisher stattfinden können. Da könne das Telefon helfen. Aber auch ein schriftlicher Gruß. Chiara erinnert sich an eine jüngere Frau, deren Mann gestorben war. „Ich hab ihr ein Brieflein geschrieben. Darüber hat sie sich riesig gefreut.“
„Wichtig ist Empathie, das heißt: Was ich in dem Dienst tue, ist nicht irgendeine Arbeit. Vielmehr versuche ich, mich in den anderen hineinzuversetzen. Und das heißt dann auch, ihn so zu akzeptieren, wie er ist, ihn mit seinen Bedürfnissen anzunehmen“, erklärt Chiari. Sie ist überzeugt: „Durch so einen Dienst kann sich viel bewegen.“ In den Menschen, aber auch um sie herum.
Neben dem gegenseitigen Austausch der Besuchsdienste wurden auch ein Faltblatt und ein Plakat erstellt. Mit beidem machte der Dienst in der Kirche auf sich aufmerksam. Auch in Apotheken, Arztpraxen und Bäckereien lagen Faltblätter aus.