16.05.2018

Antworten auf Fragen rund ums heimische Grün

Einspruch gegen die „Gärten des Grauens“

Kies im Garten, da geht ihm der Hut hoch. Stefan Hecktor von Blumen-Hecktor in Frankfurt gibt Antworten auf Ihre Fragen rund ums heimische Grün, den Strauß zu Pfingsten und zum Streitthema „Hacken oder Spritzen?“.

Herr Hecktor, haben Pflanzen eine Seele? Reden Sie mit den Pflanzen?

Schönheit statt Schotter: Stefan Hecktor rät bei Rosen zu geprüften Sorten. Beim Rosenstrauß verteufelt er aber auch nicht die Exemplare aus Kenia oder Ecuador. | Foto: Ruth Lehnen
Schönheit statt Schotter: Stefan Hecktor rät bei Rosen zu geprüften Sorten. Beim Rosenstrauß verteufelt er aber auch nicht die Exemplare aus Kenia oder Ecuador. Foto: Ruth Lehnen

Ob Pflanzen eine Seele haben, an der Frage haben sich schon die größten Philosophen gerieben. Aber dass Pflanzen spüren, ob es ihnen gut geht, das ist klar. Und deshalb muss man mit seinen Pflanzen gut umgehen und: Ja, manchmal rede ich auch mit ihnen ...


„Tulpen aus Amsterdam“, ist das okay? Oder eine Massenblumenhaltung; sprich: eine, die unter ökologischen und theologischen Aspekten betrachtet bedenklich ist?

In Holland gibt es neben gro-ßen Betrieben viele viele kleine Gärtnereien. Die Gärtner dort arbeiten mit viel Herzblut und viele auch unter ökologischen Gesichtspunkten. Eine Pauschalierung, dass aus Holland nur bedenkliche Blumen kommen, ist unfair. Letztendlich muss jeder Betrieb betrachtet werden. Richtig ist aber, dass die Vermarktung in Holland super ist. Fahren Sie mal zur Versteigerung nach Aalsmeer und schauen Sie sich das an. Dann wissen sie, dass Niederländer gute Verkäufer sind!

Fair und regional und bio: Ist das auch für den Pfingst-Strauß das Beste?

Stefan Hecktor Foto: privat
Stefan Hecktor
Foto: privat

Regional ist immer eine gute Option, nur ist zu Pfingsten die Auswahl an regionalen Schnittblumen noch begrenzt.

Was ist besser: die Fair-Rose aus Ecuador einfliegen oder die aus der Wetterau nehmen, eventuell gespritzt?

Die Rosen sind einfach nicht zu vergleichen. Rosen aus Freilandanbau gibt es nur von Juni bis Oktober. Auch die Qualitäten lassen oft zu wünschen übrig, da die Rosen den Witterungseinflüssen ausgesetzt werden. Demgegenüber werden oft Rosen in Ecuador oder Kenia in 1500 Meter angebaut. Dort gibt es viel Sonnenlicht, aber auch kühle Nachttemperaturen, sodass die Rosenköpfe viel dicker sind. Und das mit dem Spritzen gegen Pilze und Läuse ist überall ein Problem. Es muss mit Fachwissen durchgeführt werden.

Im eigenen Gärtchen alles wachsen lassen oder doch durchgreifen mit der Hacke und eventuell mit Unkrautvernichter?

Wer einen schönen Garten haben will, kommt nicht darum herum, ungewollte Wildpflanzen zu entfernen, am besten mit der Hacke, damit die anderen Pflanzen sich entfalten können.
Kies im Vorgarten, Marmorplatten decken das Grab ab: Trends, die Ihnen als Gärtner graue Haare wachsen lassen? Warum?
Wir nennen die Kieslandschaften „Gärten des Grauens“. Alle Welt redet vom Insektensterben, weil diese keine Nahrung finden, und wir schütten unsere Gärten mit Steinen zu. Das ist zynisch!

Ist es legitim, auf Flächen, die zur Nahrungsmittelproduktion genutzt werden können, Zierpflanzen anzubauen?

Die Flächen für Zierpflanzen sind, im Totalen betrachtet, verschwindend klein. In Ländern wie Kenia werden diese Einnahmequellen auch für die Volkswirtschaft gebraucht. Am besten wäre es natürlich, dann fair gehandelte Rosen zu kaufen.

Kirchen auf der Landesgartenschau wie jetzt in Bad Schwalbach: Richtig oder überflüssig?

Klar ist das wichtig: Die Kirche soll dahin gehen, wo Menschen sind!

Die Fragen hat Ruth Lehnen zusammengetragen.

 

Stefan Hecktor ist Inhaber von Blumen Hecktor in Frankfurt Höchst-Unterliederbach. Für Sankt Margareta Frankfurt am Main hat er das Gelände für eine Weidenkapelle zur Verfügung gestellt, im Rahmen des Projekts „Abenteuer Glaube – Kirche im Grünen“. Eine seiner Leidenschaften ist die Hydrokultur.
www.blumen-hecktor.de

 

Tipps: "Vergessen Sie den englischen Rasen!"

Sieben Tipps für den ökologisch vielfältigen Garten vom Chef von Blumen-Hecktor in Frankfurt, Stefan Hecktor:

  • Pflanzen Sie einheimische Blütengehölze, wie zum Beispiel den Sommerflieder (Budleia).
  • Verwenden Sie geprüfte Sorten, zum Beispiel mehltauresistente Rosen.
  • Lassen Sie auch mal Wildkräuter zu, wo sie nicht in Konkurenz zu den Gartenpflanzen sind.
  • Vergessen Sie den typischen englischen Rasen und lassen Sie lieber eine Wildblumenwiese wachsen.
  • Versuchen Sie so zu pflanzen, dass immer etwas blüht. Die Insekten danken es Ihnen!
  • Verwenden Sie biologische Schädlingsmittel wie Neem, Kalilauge oder auch Nützlinge.
  • Genießen Sie Ihren Garten!

 

Zur Sache: Pfingsten: Gott feiern im Freien

Am Pfingstsonntag, 20. Mai, findet bei der Landesgartenschau Bad Schwalbach von 12 bis 13 Uhr ein Gottesdienst mit dem Limburger Weihbischof Thomas Löhr an der „Lichtkirche“ statt; Musik SisiX aus Limburg. Um 16.30 wird ein Reisesegen gegeben. Am Pfingstmontag, 21. Mai, von 12 bis 13 Uhr Gospelgottesdienst an der Lichtkirche.

 

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