20.12.2018

Interview mit Mainzer Diözesancaritasdirektor Thomas Domnick

Genauer wissen, wo Spenden hinfließen

Immer weniger Menschen spenden immer mehr Geld. So hat es eine aktuelle Studie der Gesellschaft für Konsumforschung festgestellt. Diözesancaritasdirektor Thomas Domnick gibt Auskunft zur Spendenbereitschaft im Bistum Mainz.

Weniger Spender, dafür höhere Summen – so der Bundestrend. Wie sieht es regional aus?

Auch im Bistum Mainz ist diese Entwicklung zu beobachten. Es gibt weniger Menschen, die spenden. Eine Ausnahme sind die beiden Caritas-Sammlungen pro Jahr. Ehrenamtliche gehen von Haus zu Haus und sammeln in ihrer Gemeinde für die Caritas. Dabei entsteht ein direkter Kontakt zu den Menschen und mehr Leute geben etwas für den guten Zweck, auch viele kleine Geldbeträge.

Thomas Domnick, Diözesancaritasdirektor im Bistum Mainz Foto: privat
Thomas Domnick,
Foto: DiCV Mainz

In den Pfarrgemeinden, die diese Haussammlungen nicht durchführen und wo stattdessen Überweisungsformulare ausliegen, gibt es eher weniger Spender. Aber in ein Überweisungsformular schreibt man nicht unbedingt fünf oder zehn Euro. Dort stehen dann in der Regel höhere Summen.

Gibt es weitere Spenden-Trends im Bistum?

Menschen sind bereit zu spenden. Aber sie wollen zunehmend genauer wissen, wofür. Sie wollen mehr mitbestimmen. Einzelpersonen, die höhere Summen spenden, richten sich direkt an Einrichtungen wie etwa das Haus St. Martin in Ingelheim. Um wieder mehr Menschen zu erreichen, muss die Caritas noch offensiver und transparenter die eigenen Projekte darstellen. Die Caritas bewegt sich zudem in einem Umfeld mit vielen gemeinnützigen Organisationen, die um Spenden werben und Fundraising betreiben.

Können Sie Zahlen zu Spenden nennen?

Für das Jahr 2017 sind bei den Caritas-Sammlungen im Sommer und im Winter insgesamt 860 000 Euro zusammengekommen. Die Spendensumme liegt hier meist um eine Million Euro, das heißt, die Summe ist 2017 etwas zurückgegangen. Wir sind aber immer noch gut aufgestellt. In die Spenden, die direkt an Einrichtungen und Bezirksverbände gehen, haben wir auf Diözesan-
ebene keinen Einblick.

Wo ist die Not am größten? Wo wäre eine Spende in der Weihnachtszeit besonders sinnvoll?

Existenzielle Not gibt es unter den Obdachlosen und in der Gesundheitsversorgung. Für Einrichtungen wie etwa das Thaddäusheim in Mainz, den Gesundheitsladen in Worms oder für die Zusammenarbeit mit Streetworkern in Offenbach gibt es keine staatlichen Gelder. Hier wäre eine Spende sehr sinnvoll.

Anruf: Anja Weiffen