05.04.2019

Das Wappen Bischof Gerber: Was die Symbole und der lateinische Wahlspruch bedeuten

Pilgerstab und Glocke

Das Wappen von Bischof Michael Gerber ist über seiner Kathedra (Bischofsstuhl) im Fuldaer Dom angebracht. Erfahren Sie hier, was die einzelnen Bestandteile des Wappens für den Bischof bedeuten.

ÊÊEin Mitarbeiter eines Raumausstatters bringt den Samtstoff mit dem Wappen von Bischof Michael Gerber an dem Baldachin über dem Bischofsstuhl an. | Foto: Hans-Joachim Stoehr
Ein Mitarbeiter eines Raumausstatters bringt den Samtstoff
mit dem Wappen von Bischof Michael Gerber an dem Baldachin
über dem Bischofsstuhl an. Foto: Hans-Joachim Stoehr

Jedes bischöfliche Wappen besteht aus allgemeinen und persönlichen Elementen. Der grüne Hut mit den drei Reihen Quasten, der den Wappenschild umrahmt, steht für einen Bischof. Das Wappen eines Erzbischofs hat vier Reihen Quasten, das eines Kardinals statt grün rot als Farbe. Hinter dem Wappenschild jedes Bischofs findet sich ein Kreuzesstab. Im Fall von Bischof Gerber ist dies sein Pilgerstab, den er seit 30 Jahren mitführt, wenn er mit jungen Menschen auf Pilgerwegen wandert. „Es handelt sich um das ‚Kreuz der Einheit‘ der Schönstattbewegung“, erläutert der Bischof.

Zwei Kreuze im Wappen stehen für Klostergründung

Das Fuldaer Bischofswappen hat in zwei der vier Felder des eigentlichen Wappenschildes ein schwarzes Kreuz auf silbernem Grund. „Das erinnert mich in diesem Jahr besonders an die 1275-Jahr-Feier der Klostergründung in Fulda durch den heiligen Sturmius“, sagt Gerber. Im rechten oberen Feld des Wappenschildes sind zwei goldene Hände auf rotem Grund zu sehen – die Hand Gottes aus einem Regenbogen und die Hand des Menschen, die sich ihr entgegenstreckt. Bischof Gerber: „Dieses Bild verweist auf meine geistliche Herkunft. Ich habe die Darstellung dem Grundstein der Schönstattkapelle von Merzhausen bei Freiburg entnommen, die ich in entscheidenden Momenten meines Lebens immer wieder aufgesucht habe. So war es auch nach dem Anruf des Domkapitels, dass ich zum Bischof von Fulda gewählt worden sei.“

Bischof Gerber schraubt die Krümme mit den beiden geschnitzten Händen auf den Stab auf. Foto: Hans-Joachim Stoehr
Bischof Gerber schraubt die
Krümme mit den beiden geschnitzten Händen auf
den Stab auf.
Foto: Hans-Joachim Stoehr

Die Darstellung der beiden Hände war schon Teil seines Wappens als Weihbischof in Freiburg (seit 2013). Dieses Motiv der beiden einander zugewandten Handflächen findet sich zudem in der Krümme seines Bischofsstabes. Auch seinen 2013 gewählten bischöflichen Wahlspruch „Tecum in foedere“ (Mit Dir im Bund) behält Gerber als Bischof von Fulda. Dieser Wahlspruch ist unter dem Wappenschild angebracht.

„Gott nimmt den Menschen in seiner Freiheit ernst“

„Tecum in foedere – Mit Dir im Bund“ verweist auf den Bundesgedanken im Alten und im Neuen Testament, wo der Mensch als Bundespartner Gottes angesehen wird. „Gott nimmt den Menschen in seiner Freiheit ernst. Mit dem Wahlspruch verweise ich sowohl auf meine Beziehung zu Gott als auch auf die Art und Weise, wie ich meine Beziehung zu den Menschen im Bistum gestalten will,“ sagt Gerber. Im linken unteren Feld des Wappenschilds ist die goldene Glocke der heiligen Lioba auf blauem Grund zu sehen. Inspiriert ist sie von der Kongregation der heiligen Lioba, deren Mutterhaus sich in Freiburg befindet. (Siehe auch „Zur Sache“) Bischof Gerber sieht hier einen besonderen Bezug zwischen den Diözesen Freiburg und Fulda, denn Lioba war Äbtissin von Tauberbischofsheim im Erzbistum Freiburg. Begraben ist sie in der mittelalterlichen Kirche in Petersberg auf dem Petersberg bei Fulda.

Über die heilige Lioba besteht auch ein verwandtschaftlicher Bezug zum Bistumspatron von Fulda, dem heiligen Bonifatius. „Ein Bischof von damals und ein Bischof von heute sind so eingebunden in ein Netzwerk von Menschen unterschiedlicher Berufungen“, stellt Bischof Gerber heraus. Damit steht der Bischof für ein gutes Miteinander der Menschen in seinem Bistum ein und erfährt sich dabei durch das Vorbild des heiligen Bonifatius ermutigt. „Bonifatius hat uns eine Fülle von Briefen hinterlassen. Sie zeigen uns, dass er sich wesentliche Impulse für sein bischöfliches Wirken schenken ließ durch die Art und Weise, wie er Beziehungen zu anderen Menschen gelebt hat.“ (bpf/st)

 

Zur Sache: Lioba und die Glocke

Lioba kam vermutlich um 710 als Tochter der adeligen Landbesitzer Dynne und Aebbe, die mit dem heiligen Bonifatius verwandt waren, zur Welt. Die Legende erzählt, dass ihre Mutter Aebbe bereits alt war, sich aber sehnlichst ein Kind wünschte. Eines Nachts soll sie geträumt haben, dass in ihrem Schoß eine Kirchenglocke läutete. Deshalb wird Lioba bis heute mit einer Glocke dargestellt. Weil ihr Wunsch erhört worden war, beschlossen die Eltern, das verheißene Kind Gott zu weihen. Das Mädchen erhielt den Namen Truthgeba (Gottesgabe), ihr Beiname war Lioba (die Liebe Gebende). Um 720 schickten Liobas Eltern ihre Tochter zur Erziehung in das Benediktinerinnenkloster Wimborne im Süden Englands. Um 735 brach Lioba mit Gefährtinen auf, um Bonifatius bei seinem Missionswerk zu unterstützen. (st)