17.04.2019

Pro und Contra

Handy im Gottesdienst?

Gräuel oder Segen? Die Frage, ob ein Smartphone im Gottesdienst benutzt werden darf, sorgt für Zwist in so mancher Gemeinde. Die einen sehen darin eine lockende Einladung an jüngere Menschen, die anderen sehen die Würde der liturgischen Feier gefährdet. Meinungsverschiedenheiten gibt es dazu auch in der Redaktion. Ein „Pro und Contra“ von Hans-Joachim Stoehr und Johannes Becher.

PRO "Ein Bild zur Predigt auf dem Handy - das wäre doch toll."

Ja, mir klingt der Aufschrei in den Ohren. Das Handy, besser gesagt das Smartphone, im Gottesdienst, das geht doch gar nicht! Aber dieses „Gar nicht“, das greift für mich zu kurz. 

Hans-Joachim Stoehr Foto: privatUm das klar zu sagen: Ich bin sehr für klare Regeln beim Handygebrauch. Wenn sich zwei Menschen in einem Café gegenübersitzen und jeder starrt auf sein Mobiltelefon, dann ist das für mich das Ende einer vernünftigen Gesprächskultur. Das muss einfach nicht sein! 

Das Smartphone ist und bleibt ein Hilfsmittel für die Kommunikation untereinander – und das über verschiedene Kanäle. Inzwischen sind Mobiltelefone aber auch kleine Computer. Das heißt, sie können für Dinge genutzt werden, für die ich mich früher an einen PC gesetzt habe. Beispiel Schulunterricht: Beim Stichwort Handys denkt jeder an das Verbot im Unterricht. Das macht auch Sinn. Es gibt aber auch Situationen im Unterricht, in denen die Mobiltelefone von Schülern sinnvoll genutzt werden können.

Und Ähnliches kann ich mir auch für die Liturgie, für die Gottesdienstfeier in der Kirche vorstellen. Beispiel: Ein Prediger will das von ihm Gesagte durch ein passendes Bild „illustrieren“. Dann braucht er bislang eine Leinwand und einen Beamer, der das Bildmotiv den Gottesdienstteilnehmern sichtbar macht. Technisch ist es kein Problem, eine solche Darstellung über Smartphones den Gläubigen im Gottesdienst zugänglich zu machen. Dann sehen alle die bildliche Darstellung, während der Prediger sie erläutert. Das fände ich toll. 

Wenn ich in die Zukunft schaue, wer weiß, ob die Gottesdienstteilnehmer in einigen Jahren nicht ihr Handy oder – wegen des größeren Bildschirms – ihr Tablet statt Gotteslob in die Kirche mitbringen? Zumal die Ansicht beim Tablet noch größer dargestellt werden kann als es die Großdruckausgabe des Gotteslobs vermag. 

Hans-Joachim Stoehr ist Redakteur der Kirchenzeitung

 

CONTRA "Es braucht keine Szenen-Fotos für eine ferne Community."

Alles hat seine Zeit!“ So klar und eindeutig formuliert es das biblische Buch Kohelet. Ein Buch der Weisheit. „Alles hat seinen Ort!“ So könnte man gewiss treffend ergänzen.

Johannes Becher Foto: privatKurz: Es gibt Grenzen. Und bei aller Experimentierfreude gelten die auch im Raum der Kirche.

„Hier kein WLan“: So steht es zum Glück heute noch an einzelnen Kneipen angeschrieben. „Sprecht miteinander! Eine klare Ansage: Hierher gehört das lebendige Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Nutzt doch die Gelegenheit und die Zeit, euch mit denen auszutauschen, die eure Nächsten sind, die neben euch sitzen, die Ort, Zeit, Anlass und sinnliches Erleben mit euch teilen …

Ganz Ähnliches möchte ich für den Gottesdienst einfordern: Ihr seid die Gemeinde, die Gemeinschaft. Ihr habt euch um den Altar versammelt zum gemeinsamen Feiern. Seid präsent, bleibt live im Geschehen – nicht im „übertragenen“ Sinne. Seid mittendrin statt digital.

Schon häufig habe ich es in einer Eucharistiefeier so empfunden, dass weniger viel mehr ist. Dass es weniger Worte braucht, weniger Aktion, weniger Gewehe und Gewusel. Und mehr Stille, mehr Konzentration auf das Wesentliche. Dann ist Christus selbst „der Event“. 

Dort braucht es keine Szenenfotos, die live in irgendeine ferne Community gepostet werden. Dort braucht es keine Selfies der Mitfeiernden. Dort braucht es keine „Botschaften“ via Handy. Fürbitten müssen nicht online zugemailt werden, wenn ich wenige Meter neben dem Lesepult sitze.

Konkret: Die Liturgie der Eucharistiefeier ist der falsche Ort für digitale Experimente.

Sollten solche bemühten Inszenierungen indes weiterhin Freunde finden, dann wünschte ich mir, dass mitgeteilt wird: Achtung, Sonntagsgottesdienst mit Smartphone-Fürbitten! – Damit ich mich nicht dorthin verirre …

Johannes Becher ist Redaktionsleiter der Kirchenzeitung.