19.11.2020

Hurrikan Iota trifft Mittelamerika

Hunderttausende Menschen obdachlos

Nach dem Hurrikan Eta hat der Sturm Iota nun auch noch zahlreiche Städte in Mittelamerika überschwemmt. Wegen des Klimawandels könnten das in Zukunft öfter passieren, sagt der Präsident von Guatemala, Alejandro Gimmattei - und warnt vor Langzeitfolgen wie Migration. 

Ein Mann versucht eine überschwemmte Brücke in Honduras zu überqueren. Der Wirbelsturm Iota hat die Brücken dort überschwemmt.
Ein Mann versucht eine überschwemmte Brücke in Honduras zu überqueren.
Der Wirbelsturm Iota hat die Brücken dort überschwemmt. 

Eigentlich ist die Bestandsaufnahme der Schäden von Hurrikan Eta noch gar nicht abgeschlossen, da trifft mit Hurrikan Iota der nächste Wirbelsturm die ohnehin schon schwer getroffenen mittelamerikanischen Länder Honduras, Guatemala und Costa Rica.

Auch die zu Kolumbien zählende vorgelagerte Inselgruppe San Andres y Providencia meldet katastrophale Schäden. Mehr als 90 Prozent der Infrastruktur der Karibikinsel sind teilweise oder ganz zerstört.

In Nicaragua sind zahlreiche Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten. Zerstört wurden auch eine Kirche und ein Priesterseminar. Die Opposition wirft der sandinistischen Regierung von Daniel Ortega vor, oppositionelle Bürgermeister von den Hilfsmitteln abzuschneiden. "Wir organisieren uns als Kommune, weil die anderen Institutionen uns alleine lassen. Das Bürgermeisteramt hat die staatlichen Institutionen eingeladen, aber sie sind nicht präsent", sagte die Vizebürgermeisterin der Stadt Murra, Ninoska Cruz, dem Portal Confidencial. In anderen Ländern mahnen Kommunalpolitiker einen transparenten und fairen Umgang mit Hilfsmitteln an.

Die aktuelle Zerstörung ist eine Sache. Die Langzeitfolgen sind eine andere. "Wenn wir keine Horden von Mittelamerikanern wollen, die auf der Suche nach besseren Bedingungen versuchen in andere Länder zu gehen, müssen wir in Mittelamerika Mauern der Prosperität erzeugen" sagte Guatemalas Präsident Alejandro Giammattei bei einer Veranstaltung in Honduras laut der mexikanischen Tageszeitung "Jornada".

Das geht vor allem an die Adresse Mexikos und der USA, die zuletzt auf einen knallharten Abschottungskurs setzten. "Die physischen Mauern werden nicht die Nöte der Menschen stoppen", sagte Giammattei und forderte ein Ende des Teufelskreises. Mittelamerika sei einer der Regionen der Welt, die von einem durch die Industrienationen herbeigeführten Klimawandel besonders betroffen sei, und müsse sich infolge der Naturkatastrophen jedes Mal weiter verschulden.

Caritas und Adveniat stellen Nothilfe bereit 

Unterdessen kommt Unterstützung aus Deutschland. Mit einer Soforthilfe von 200.000 Euro unterstützt das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat die Opfer der jüngsten Wirbelstürme. "Besonders in den Küstenregionen am Atlantik in den Ländern Honduras und Nicaragua hat Wirbelsturm Eta enorme Schäden angerichtet. Rund ein Fünftel der Bevölkerung von Honduras ist direkt betroffen, hunderttausende Menschen sind obdachlos", berichtet Adveniat-Chef Pater Michael Heinz. Auch in Guatemala wurden Dörfer durch Geröll- und Schlammlawinen zerstört. Betroffen sind dort vor allem die Regionen Peten und Alta Verapaz.

"Die Bevölkerung hat sich von den Folgen des Sturms Eta noch nicht erholt", berichtet Adveniat-Projektpartner Padre Ismael Moreno. Iota treffe jetzt Menschen in einer extremen Notsituation: "Die allermeisten Menschen aus den überschwemmten Regionen konnten noch nicht in ihre Häuser zurückkehren", sagte der Leiter des Radiosenders "Radio Progreso" in La Ceiba, Honduras, im Gespräch mit Adveniat. "Es fehlt an allem, vor allem an Wasser, Essen und Hygieneprodukten. Wir fühlen uns vom Staat verlassen."

Auch Caritas international mit Sitz in Freiburg, das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, stellte bereits vor einigen Tagen 50.000 Euro für die Nothilfe bereit. In Honduras waren nach Schätzungen von Caritas etwa 1,7 Millionen Menschen von den Naturkatastrophen betroffen. In der gesamten Region Mittelamerika kamen nach verschiedenen Regierungsangaben allein 200 Menschen ums Leben, viele gelten noch als vermisst. Die Opferzahlen werden vermutlich noch weiter steigen. Doch das ist derzeit nicht das einzige Problem: "Die Situation in den Notquartieren ist unter Corona-Bedingungen äußerst schwierig", sagt Julia Wiget, Referentin für Guatemala und Honduras bei Caritas international.

kna/Tobias Käufer