27.08.2018

Papstreise nach Irland

Im Zeichen der Missbrauchsdebatte

Die Debatte um den Umgang mit Missbrauch in der katholischen Kirche bestimmte die Papst-Reise nach Irland zum Weltfamilientreffen.

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Papst Franziskus begrüßt Kinder im irischen Wallfahrtsort Knock. Foto: kna


Papst Franziskus hat am Sonntagabend seinen zweitägigen Irlandbesuch beendet. Anlass seiner 24. Auslandsreise war ein katholisches Weltfamilientreffen. Beherrscht wurde die Visite aber von der Debatte über den Umgang mit Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche. Am Rande kam es mehrfach zu Demonstrationen von Opfern, die eine Anerkennung der Schuld und Wiedergutmachung forderten.

Am Sonntagnachmittag feierte das Kirchenoberhaupt im Phoenix Park von Dublin einen Gottesdienst. Daran nahmen unterschiedlichen Schätzungen zufolge bis zu 300.000 Gläubige teil. Die Teilnehmerzahl blieb damit weit hinter den Erwartungen der Organisatoren zurück. Starker Wind und Regen begleiteten die Messe.

Überraschend bat Franziskus zu Beginn um Vergebung für den sexuellen Missbrauch, Misshandlungen, Zwangsadoptionen und Ausbeutung in katholischen Institutionen. Dabei bekannte er erneut Versäumnisse von hohen Amtsträgern, die zu den Vorfällen geschwiegen hätten. Die Gläubigen antworteten auf die lange Reihe von Bitten, die der Papst in seiner Muttersprache Spanisch vortrug, mit Applaus.

 

Offene Worte der politischen Gastgeber

Im Mittelpunkt der Botschaften von Franziskus stand die Ermutigung zu einem christlichen Familienleben und die Bekundung von Scham über die "abscheulichen Verbrechen" katholischer Kleriker und Ordensleute. Am Sonntagvormittag rief er im Marienwallfahrtsort Knock zur weiteren Aussöhnung mit Nordirland auf.

Während des 36-stündigen Aufenthalts bekam das Kirchenoberhaupt ungewöhnlich offene Worte von seinen politischen Gastgebern zu hören. Staatspräsident Michael Higgins hielt dem Papst das "ungeheure Leiden" vor, das Mitglieder der katholischen Kirche verursacht hätten. Premierminister Leo Varadkar rief ihn auf, Gerechtigkeit und Wahrheit für die Opfer zu schaffen. Die Kirche müsse sich zudem der Realität einer liberalen Gesellschaft stellen.

Außerhalb des offiziellen Programms traf Franziskus am Samstagabend in der vatikanischen Botschaft acht Überlebende verschiedener Formen von Missbrauch und unterhielt sich anderthalb Stunden mit ihnen. Nach der Aussage von Teilnehmern zeigte sich der Papst erschüttert über die Berichte. Mit der Vergebungsbitte am Sonntag entsprach er einem Wunsch der Opfer, die Verbrechen in den von Ordensfrauen geführten Mutter-Kind-Heimen zu benennen.

kna