13.10.2022

Carsten Huppmann arbeitet am Klimaschutzkonzept

Ingenieur und Diakon mit neuer Aufgabe

Spätestens seit der Schöpfungs-Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus ist klar: Die Kirche ist beim Klimaschutz nicht außen vor. Im Bistum Fulda gibt es daher jetzt mit Diakon Carsten Huppmann einen Klimaschutzmanager. Von Hans-Joachim Stoehr


Klimatechnisch nicht effizient: Klimaschutzmanager Carsten Huppmann zeigt auf eine Nische im Mauerwerk für einen Heizkörper.


Beim Thema Klimaschutz geht es um technische beziehungsweise naturwissenschaftliche Vorgänge und Erkenntnisse. Und auf diesem Feld kennt sich Carsten Huppmann als Bauingenieur aus. Für ihn steht aber über allem der grundlegende christliche Auftrag, „sich für den Erhalt der Schöpfung Gottes einzusetzen“.
Seine technischen Kenntnisse helfen Huppmann, wenn es darum geht, die CO-2-Bilanz zu verbessern durch das Einsparen von Energie. Denn kirchliche Bauten, von Gotteshäusern über Gemeindezentren bis hin zu Pfarrhäusern, spielen dabei eine wichtige Rolle. Huppmann verweist außerdem auf das große Feld der Mobilität, also die Ausstattung mit Autos. Aber auch die Beschaffung in Büros oder Kitas gehört zu den Bereichen, die beim Energiesparen eine Rolle spielen.

18 Monate Zeit für ein Klimaschutzkonzept

Die Hauptaufgabe Huppmanns ist, in den kommenden 18 Monaten ein Klimaschutzkonzept für das Bistum Fulda zu entwickeln. Hierbei hat er als externen Berater die Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft e.V. (FEST), ein interdisziplinäres Forschungsinstitut mit Sitz in Heidelberg, an der Seite. Diese Einrichtung hat bereits mehrere Evangelische Landeskirchen beziehungsweise Bistümer beraten. „Wir sind nicht Vorreiter als Bistum. Die Konzepte solcher Diözesen können wir uns ja zunutze machen“, erklärt Huppmann. Andere Bistümer sind noch weiter hintendran. „Wir sind in der Mitte.“
In den kommenden Monaten ist Huppmann vor allem damit befasst, den Ist-Zustand der Heizungs- und Stromverbräuche in den bestehenden Gebäuden zu erfassen. Aber auch mit der Fragestellung, mit welchen Heizungen Kirchen erwärmt werden. Gibt es Solarstrom für Beleuchtung? Auf dieser Analyse aufbauend gilt es dann in einem weiteren Schritt, Maßnahmen in Angriff zu nehmen, mit denen Energie eingespart wird, was zur Verbesserung der Klima-Bilanz führt. Hierbei unterscheidet der Klimaschutzmanager kurzfris-tige Maßnahmen, die nicht kostenintensiv sein müssen, und mittel- oder langfristige Änderungen.

Kurzfristig Kosten senken durch weniger heizen

Huppmann nennt bei den kurzfristigen Maßnahmen die Heiztemperatur. Jedes Grad weniger bedeute sechs bis sieben Prozent weniger Heizkosten. Ein großes Einsparpotenzial gibt es aber auch bei den Pumpen. Alte verbrauchen mindestens 60 Watt pro Stunde. Hocheffizienzpumpen hingegen nur sieben bis zehn Watt, also ein Sechstel davon. Bedenkt man, dass eine solche neue Pumpe etwa 300 Euro ohne Einbau kostet, wird das Sparpotenzial deutlich. „Das ist bares Geld. Und CO-2 wird zudem reduziert.“
Bei Kirchenbauten ist allerdings auch das Augenmerk auf die Luftfeuchtigkeit zu richten. „In Kirchen stehen Kunstgegenstände oder Orgeln, die da anfällig sind. Die relative Luftfeuchtigkeit sollte immer zwischen 40 und maximal 70 Prozent liegen“, erklärt Huppmann. Deshalb rät er, dies durch Messgeräte zu überprüfen.
Ebenfalls Sparpotenzial, was die Klima-Bilanz als auch den Geldbeutel betrifft, haben Anlagen, die Solarstrom produzieren. „Sie sind langlebig, effizient und wartungsfrei.“ Bewährt hat sich laut Huppmann, Solarstrom gleich zu verarbeiten, etwa beim Heizen durch eine Wärmepumpe, unter Umständen auch kombiniert mit Holzpellets oder Gas.
Zu den langfristigen Aufgaben zählen Veränderungen an den vorhandenen Gebäuden. Etwa im Bereich der Dämmung. So war es früher üblich, für Heizkörper an Wänden Nischen zu schaffen. Das aber sei von der Wärmisolierung her falsch. „Dicke Mauern fungieren ja als Wärme- beziehungsweise Kältespeicher“, sagt Huppmann. Auch an anderen Stellen von Häusern gebe es solche Kältebrücken. Dies zu korrigieren, darum gehe es langfristig.
Neben den Immobilien steht die Mobilität im Fokus. Welche Fahrzeuge werden wozu genutzt? Auch die Frage, wie und in welchem Umfang auf E-Mobilität umgestellt wird, gehört dazu. Auch beim Papierverbrauch in Büros ist Einsparpotenzial vorhanden. Dasselbe gilt beim Essen in Kindergärten. Wie oft gibt es Fleisch gegenüber Gemüse, das eine bessere CO-2-Bilanz hat, vor allem, wenn es aus der Region kommt? All diesen Fragen soll nachgegangen werden.
Das Klimaschutzkonzept ist einbezogen in das für Deutschland gesetzlich ausgegebene Ziel, bis 2045 klimaneutral zu sein. Deshalb wird das Erstellen des Konzepts auch staatlicherseits vom Bundesumweltministerium für Umwelt, Naturschutz und Nukleare Sicherheit bezuschusst.

Von Hans-Joachim Stoehr