18.03.2021

Osterbotschaft "in der Tüte" – Ideen in der Pandemie

Kar- und Ostertage neu gedacht

Die Pandemie ist bis Ostern nicht vorbei. Für die Gemeinden eine Herausforderung: Verkündigung mit Einschränkungen. Theresa Breinlich hat sich im Bistum Mainz umgehört.


Kreativ werden, um die Liturgie coronakonform zu gestalten...

 

Von Theresa Breinlich
Kirchengemeinden im Bistum Mainz haben für die Kar- und Ostertage Ideen entwickelt. Eine Umfrage.

Diesmal feiern in Seligenstadt zwölf Jugendliche
stellvertretend für die Gemeinde das Gründonnerstagsmahl.

Die Pfarrgemeinde St.Marien/St.Margareta Seligenstadt organsiert am Gründonnerstag alljährlich ein Mahl, das an das jüdische Passahfest angelehnt ist. Gemeinsames Essen und Feiern ist mit Abstand und Maske jedoch schwierig. Daher werden zwölf Jugendliche das Mahl stellvertretend für die Gemeinde feiern, die sich online von zu Hause aus zuschalten kann. Den Ablauf, die Lieder, Gebete und Speisen wie vorgebratenes Lammfleich, Matzen und Kräuter können sich Mitfeiernde vorher „to go“ abholen. Es wird Musik geben, coronakonform mit Cello und Geige. Die einzelnen Elemente des Mahls werden erklärt. Im Laufe des Abends wird sich die Dunkelheit immer mehr durchsetzen. „Es ist ein Fest der Sinne, das die Menschen zu Hause mitfeiern können“, erklärt Gemeindereferentin Gabi Laist-Kerber. Nach der Feier können die Teilnehmer von zu Hause aus ihre Gedanken teilen, etwa wofür sie dankbar sind.

Digital hat sich auch die Pfarrgruppe Fürth/Lindenfels einiges vorgenommen. Zusammen mit der evangelischen Kirche Fürth bereiten sie eine Videokonferenz-Kreuzwegandacht vor. Pastoralassistent Christoph Flößer und eine evangelische Gemeindepädagogin orientieren sich am Ökumenischen Jugendkreuzweg und drehen mit Firmlingen und Konfirmanden Videos zu den einzelnen Stationen, in der Kirche im Jugendhaus und an Wegekreuzen in der Natur. Die Clips werden während der Andacht einge-
spielt. Die Jugendlichen schalten sich live zu und beten gemeinsam. Abschließend können sie Fotos mit Gedanken hochladen und mit den anderen teilen. Auch einen analogen Teil soll es geben. Die Kirche wird nach der Andacht geöffnet sein, so dass die Jugendlichen dort noch einmal Gelegenheit fürs Gebet haben oder eine Kerze anzünden können.

Auch in der Katholischen Kirche Ingelheim hat sich Pastoralassistent David Haub Gedanken um die Jugendlichen gemacht. Die Pfarrei hat Pakete zusammengestellt, die sie an den Kar- und Ostertagen begleiten sollen. Enthalten sind Impulskarten. Darauf sind ein Bild, ein QR-Code mit der Bibelstelle und einem passenden Song zu finden. In dem Paket stecken unter anderem Emoji-Aufkleber, Tee und eine Samenkugel. Pfarrer Christian Feuerstein freut sich besonders auf die Gründonnerstagsliturgie mit Ölbergstunde draußen im Bibelgarten. Das sei sehr bewegend. Und viele Ältere trauten sich eher draußen als drinnen Gottesdienst zu feiern.

Hauptsache nach draußen. Das haben sich viele Pfarreien gedacht. Eine Kooperation aus Gemeinden des Dekanats Mainz-Süd, mit Mainz-Ebersheim und evangelischen Gemeinden plant einen Osterweg für Familien entlang des Wanderswegs Hiwweltour in Zornheim. An sechs Stationen können Familien Kreuze legen, gemeinsam ein Waldmandala aus Naturmaterialien legen, um die Wette rennen und Engelsgedichte reimen. Am Ende wartet eine Osterüberraschung.

Auch die Pfarrgruppe Zaybachtal in Mainz hat einen Kreuzweg für Familien vorbereitet, den sie einzeln oder je nach Coronabestimmungen mit zwei Haushalten ablaufen können. Gemeindereferentin Dunja Puschmann hat sich am Kinderkreuzweg von Misereor orientiert. Die Kinder bemalen zu Hause sechs Steine und können sie bei jeder Station ablegen. Die abgelegten Steine verbinden die Familien untereinander. Die Kinder und ihre Eltern überlegen: Wer ist wichtig in meinem Leben? Welche Grenzen gibt es? Was wünsche ich mir für die Zukunft? „Das Angebot ist sehr niederschwellig. Familien haben berichtet, dass es ihnen zu Hause schwer fällt, Material zu bearbeiten, wenn wir es ihnen mitgeben“, meint Dunja Puschmann.

In der Pfarrei St. Martin Mainz-Finthen wird es einen Familienkreuzweg geben. Die Familien können einzelne Stationen des Kreuzwegs im Klostergarten der Schwestern der Göttlichen Vorsehung abgehen. Zu Beginn darf jede Familie ein eigenes Kreuz aus Stöcken basteln. Die Stationen sind mit biblischen Figuren und Symbolen gestaltet. Kurze Texte werden jeweils vorgelesen. Die Familien sind auch eingeladen, sich an einem Osterflashmob zu beteiligen. Sie können die Osterbotschaft auf die Straße vor ihrem Haus malen und ein Foto der Pfarrei schicken. Für Palmsonntag werden für die Erwachsenen 350 Tüten gepackt mit einem Palmzweig, einer Osterkerze, einem Osterbild und einer Osterpredigt. Diese Tüten können ab Palmsonntag gegen eine Spende abgeholt werden. Die Ostergottesdienste werden gestreamt. Die Bewohner und Mitarbeiter des Altenheims erhalten einen Ostergruß.

In der Katholische Kirche Viernheim haben sich die Organsiatoren wie Gemeindereferentin Angela Eckart einige Gedanken gemacht, was unter Coronabedingungen möglich ist. Am Palmsonntag soll es eine Prozession der Gemeinden für Familien geben. Ein Band mit Knoten sowie Markierungen auf dem Boden sollen helfen, die Abstände einzuhalten. Die Gemeinden setzen sehr auf Videoaufnahmen. Die Firmlinge drehen ein Video zur Passionsgeschichte an Orten der Gemeinde, beispielsweise vor dem Supermarkt, am Rathaus oder in der Tiefgarage. Für Gründonnerstag erstellen Mitarbeiter etwa aus den Kitas oder dem Sozialzentrum Clips mit ihren gewaschenen Füßen. Zusammengeschnitten wird das Video als Endlosschleife in der Apostelkirche zu sehen sein. Die einzelnen Teile der Liturgie der Osternacht werden an verschiedenen Orten in Viernheim gefeiert und auch auf Video aufgezeichnet. Der Zusammenschnitt dieser Teile ergibt mit der Eucharistiefeier die Osternacht.