24.10.2019

Besuch aus Indien im Bistum Fulda im Monate der Weltmission

Kinder taufen Erwachsene

Die Katholiken im indischen Bistum Itangar gehören der ersten Generation von Christen an. Beim Besuch im Monat der Weltmission hat ihr Bischof John Thomas Kattrukudiyil Station in Fulda gemacht und Erstaunliches erzählt. Von Hans-Joachim Stoehr.

Ordensschwester mit Einheimischen in Indien
Die Ordensfrau eines Pfarrteams besucht Menschen in einem Dorf in Indien, das zur Pfarrei gehört.

Die Christen im Bistum Itanagar im Nordosten Indiens orientieren sich am Neuen Testament und verbreiten die christliche Botschaft wie die Apostel. Lange Zeit gab es keine Katholiken in dem Bundesstaat Arunachal Pradesh. Der Grund: Die Regierung verbot der katholischen Kirche, auf dem Territorium zu wirken. Erst 2005 wurde das Bistum errichtet mit John Thomas Kattrukudiyil als erstem Bischof.

Am Anfang der Evangelisierung stand eine Idee. „Wir errichteten kirchliche Schulen in Grenznähe zum Bundesstaat Arunachal Pradesh. Hunderte von Jungen und Mädchen von dort nahmen wir in unsere Schulen auf. Dadurch lernten sie die Kirche kennen und unser Tun für sie. Schließlich ließen sie sich auch taufen“, berichtet der Bischof, der auf Einladung des Hilfswerks Missio im Bistum Fulda unterwegs war. Missio unterstützt auch Projekte in seinem Bistum. 

„Wir sind eine Kirche von Laien“

Die Kinder erzählten, wenn sie zu ihren Eltern kamen, ihre Erfahrungen aus der Schule weiter. Um nach Hause zu kommen, waren die Schüler zwei bis drei Tage unterwegs. Die Eltern wollten auch die Kirche kennenlernen und getauft werden. „Es war aber sehr schwer für sie, mehrere Tage zu Fuß zu uns zu kommen. Wir beauftragten deshalb die Jungen und Mädchen, die Leute dort zu taufen“, erklärt der Bischof. Und er fügt hinzu: „Wir sind eine Kirche von Laien, von Schulkindern. Sie haben mit den Taufen das grundgelegt, was wir dann ausgebaut haben.“ 

Bischof Kattrukudiyil im Fuldaer Priesterseminar Foto: Hans-Joachim Stoehr
Bischof Kattrukudiyil
Foto: Hans-Joachim Stoehr

Die Neugetauften des Bundesstaates Arunachal Pradesh machten in den 1990er Jahren Druck auf die Regierung. Als ers-tes durften an den Hochfesten Ostern und Weihnachten Priester dort Gottesdienste feiern mit den Christen. „Wir schickten Mutter-Teresa-Schwestern dorthin. Und sie durften bleiben“, erinnert sich Bischof John Thomas. „Wir geben als Kirche den Menschen das, was sie benötigen: Schulen etwa oder medizinische Versorgung“, erklärt Bischof Kattrukudiyil dazu. Die Menschen spürten: Hier sorgt sich jemand um uns – anders als die meisten Reichen, die sich nicht um die arme Bevölkerung kümmern.

Jedes Jahr kommen Tausende von Neugetauften zur Kirche hinzu. Aber wie geschieht dies? Da die Priester und auch der Bischof nicht aus dem Bundesstaat stammen, sind es Laien, die andere Menschen auf die Kirche hinweisen. „Das sind Menschen, die sie aus ihrer Familie und Verwandtschaft oder aus dem Freundeskreis kennen. Von ihnen lassen sie sich ansprechen. Wenn ich als fremde Person sie ansprechen würde, würden sie sich nicht einlassen“, erläutert Kattrukudiyil. 

Ordensschwestern ziehen von Dorf zu Dorf

Die Priester und Ordensschwestern einer Pfarrei wiederum fahren in die Dörfer, um die Christen dort zu besuchen. Dadurch lernen die bereits Getauften sowie die an der Kirche Interessierten mehr von der christlichen Botschaft. Die Priester oder Ordensschwestern bleiben für ein paar Tage in den Dörfern und gehen dann ins nächste Dorf. 

Die Getauften in seinem Bistum gehören der ersten Generation von Katholiken an. In dieser Phase ist es schwierig, nach priesterlichen Berufungen Ausschau zu halten. Deshalb kommen die Priester momentan noch aus den benachbarten Bundesstaaten. Aber sie gehören auch den gleichen Volksgruppen an.

 

Zur Sache: Ein Mann hat mehrere Frauen

Ein besonderes Phänomen im Bundesstaat Arunachal Pradesh ist die verbreitete Polygamie. Ein Mann hat mehrere Frauen. „Aber das ändert sich. Vor allem aus ökonomischen Gründen. Denn der Mann muss für alle seine Frauen und Kinder auch sorgen“, sagt Bischof Kattrukudiyil. Mädchen, die eine katholische Schule besuchen, wollten meistens nicht die zweite Frau eines Mannes werden, selbst wenn der ein Haus besitzt. Denn: „Polygamie ist in anderen Teilen Indiens nicht üblich, gilt als rückständig, als etwas, wofür man sich schämt.“