18.04.2018

"Die Fragen der Menschen" zum Thema Finanzen in den Bistümern

Kirche und das liebe Geld

„Die Fragen der Menschen“: Hier stehen Antworten auf Ihre Fragen, die Klarheit bringen. Wie Diözesen ihre Finanzen regeln, erläutert Gerhard Kruip, Professor für Christliche Anthropologie und Sozialethik an der Mainzer Universität.

Geld wirbelt durch eine Kirche Foto: Harald Oppitz/kna
Wie Diözesen und Pfarrgemeinden mit ihrem Geld umgehen, braucht Regeln und eine ausreichende Kontrolle.
Foto: Harald Oppitz/kna

Im Februar wurde bekannt, dass im Bistum Eichstätt circa 60 Millionen Euro veruntreut wurden. Wie kann es in der Kirche zu solchen Fällen wie in Eichstätt kommen?

Offenbar gab es keine klaren Regeln für Geldanlagen und keine ausreichende Kontrolle. Selbst an das geltende Kirchenrecht hat man sich nicht gehalten. Bischof Gregor Maria Hanke hat selbst eingeräumt, dass er früher hätte eingreifen sollen. Dahinter steckt jedoch ein Grundproblem der bislang vorherrschenden Organisationskultur in der Kirche: Diejenigen, die in ihr die Macht haben, unterwerfen sich ungern externen Kontrollen, sondern kontrollieren sich lieber selbst, wobei man Konflikte gerne unter den Teppich kehrt und Transparenz scheut.

Was für eine Ausbildung muss der- oder diejenige haben, die sich um die Verwaltung der Geldanlagen kümmert?

Selbstverständlich müssen diese Menschen über entsprechendes finanztechnisches und ökonomisches Know-how verfügen, die rechtlichen Regelungen kennen, aber auch moralische Sensibilität haben und die Bereitschaft, sich kontrollieren zu lassen. Und dort, wo wie im Fall Limburg weniger die Verwaltungsebene als der Bischof selbst die Schuld am Fehlverhalten trug, muss noch die Bereitschaft und Fähigkeit zum sachlich begründeten Widerspruch auch gegen kirchliche Autoritäten hinzukommen.

Steuereinnahmen steigen, trotzdem heißt es in der Kirche immer, es sei zu wenig Geld da. Wie kann das sein?

Proportional zu den steigenden Steuereinnahmen des Staates steigen auch die Kirchensteuereinnahmen. Auch wenn gleichzeitig die Kosten steigen (zum Beispiel bei Gehältern, aber auch bei Bau- und Renovierungskosten), müsste also genug Geld da sein. Das wird aber wohl nicht so bleiben. Denn die Zahl der Kirchensteuerzahler wird in den nächsten Jahrzehnten deutlich zurückgehen. Es ist also schon klug, wenn die Kirche die Ausgaben jetzt nicht steigert, sondern Rücklagen bildet.

Gerhard Kruip Foto: privat
Professor Gerhard Kruip
Foto: privat

Wie solidarisch müssen Bistümer in Finanzangelegenheiten untereinander sein?

Ich empfinde die extreme Ungleichheit in der Finanzausstattung der Diözesen als skandalös. Es gibt überaus reiche Bistümer (wie das Erzbistum Paderborn) und andere, die wirklich in Not sind (Essen, Hamburg und weitere). Das hat unter anderem historische Gründe: In überwiegend protestantisch geprägten Gebieten oder in relativ jungen Diözesen hat die katholische Kirche weniger Immobilien- und Grundbesitz als in traditionell katholischen Regionen. Auch schlagen sich Zu- oder Abwanderung oder unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklungen auch in den Kirchenfinanzen nieder. Die Kirche kann aber nur dann glaubwürdig für mehr Solidarität unter den Menschen eintreten, wenn die reicheren Diözesen auch bereit sind, die ärmeren stärker zu unterstützen. Es wäre gut, wenn es für einen solchen interdiözesanen Finanzausgleich klare Regeln gäbe. Aber schon daran, dass die Bistümer wenig bereit sind, ihre gemeinsamen Ausgaben über den Verband der Diözesen Deutschlands großzügiger zu finanzieren, sieht man, dass dort offenbar eine Haltung nach der Maxime „Mein Bistum first“ vorherrscht.

Sind Bistümer zu ethischen Geldanlagen verpflichtet?

Jeder Christ ist dazu verpflichtet, mit seinem Geld verantwortlich umzugehen und es ethisch anzulegen. Das gilt dann erst recht auch für kirchliches Vermögen. Es ist freilich nicht ganz einfach, klar festzulegen, was eine „ethische Geldanlage“ ist, aber auf jeden Fall sollte es dafür verbindliche Mindestregeln geben.

Müssen in Bistümern Rücklagen gebildet werden? Wenn ja, wie viel?

Ja, auf jeden Fall. Auch hier gilt das Prinzip der Nachhaltigkeit. Wenn die Kirche Verpflichtungen eingegangen ist, die in der Zukunft zu erfüllen sind, muss sie dafür auch vorsorgen, zum Beispiel für die Pensionslasten der kirchlichen Beamten (oft Lehrerinnen und Lehrer) und die Altersversorgung der Kleriker.

Wieso gehört es zur Berufung der Pfarrer, auch für sämtliche Finanzen die Verantwortung zu übernehmen?

Wir haben in der Kirche leider immer noch eine fast monarchische Struktur. Aus theologischer und sozialethischer Sicht wären aber durchaus weit kooperativere Leitungsmodelle mit Gewaltenteilung und mehr Beteiligung von Laien möglich – und, wie die genannten Fehlentwicklungen zeigen, auch notwendig.


Die Fragen zusammengestellt hat Anja Weiffen.


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